Warum der SC Verl im Sommer nach Gütersloh umziehen will

Im Interview mit liga3-online.de spricht Verls Sportvorstand Raimund Bertels über den Lizenzantrag für die 2. Bundesliga und die Frage, in welchem Stadion die Heimspiele der Ostwestfalen in der kommenden Saison stattfinden. Der SC Verl hatte in den Lizenzunterlagen mit Gütersloh und Lotte gleich drei mögliche Stadien angegeben. Bertels erklärt die Gründe für diese Entscheidung und spricht auch über die Aufstiegschancen des Drittliga-Neulings.

Zweitliga-Lizenz "hat nichts mit Übermut zu tun"

liga3-online.de: Ein Lizenzantrag für die 2. Bundesliga mit dem "kleinen" SC Verl: Mussten Sie sich erst einmal kneifen, Herr Bertels?

Raimund Bertels: Es war tatsächlich etwas surreal. Als uns der DFB kurz vor Weihnachten anrief und fragte, ob wir uns schon Gedanken über die 2. Liga gemacht hätten, wurden wir damit etwas überrumpelt. Schließlich spielen wir unser erstes Jahr im Profifußball und es ist es diese Saison alleine schon mit den vielen Englischen Wochen stressig genug. Allerdings wäre es bei der aktuellen sportlichen Situation fahrlässig gewesen, sich nicht mit dem möglichen Szenario eines Aufstiegs auseinanderzusetzen. Der Lizenzantrag ist eine Pflichtaufgabe und hat nichts mit Übermut zu tun.

Wie ist die bisher starke Saisonleistung des Aufsteigers zu erklären?

Das Selbstvertrauen ist durch den Aufstieg und den hervorragenden Saisonauftakt immer weiter gewachsen. Die Jungs wissen, was sie können, und behalten auch in der 3. Liga ihren offensiven Spielstil bei, der schon in der Regionalliga ein Erfolgsfaktor war. Außerdem ist der Teamspirit unglaublich, jeder zieht am gleichen Strang und ist ein Teil des Ganzen – dazu zähle ich auch sämtliche Mitglieder des Trainerteams und der Geschäftsstelle. Hinzu kommt, dass wir mögliche Störfaktoren ausblenden, nicht zu weit in die Zukunft schauen und uns auf das Wesentliche fokussieren. Und das ist immer nur das nächste Spiel.

Die Aufstiegsränge sind in Reichweite. Wie realistisch ist es wirklich, am Ende auf einem der ersten drei Plätze zu stehen?

Unmöglich ist es keineswegs. Wenn wir es noch einmal schaffen, eine Serie zu starten, sind wir wieder oben dran. Unser großer Vorteil ist, dass wir keinen Erfolgsdruck verspüren. Bei den meisten Vereinen in der 3. Liga ist das anders. Fast jeder hat das Ziel, so schnell wie möglich die Liga zu verlassen. Aber es ist enorm schwer, dieses Ziel auch wirklich zu erreichen. Die Konkurrenz ist groß und die Liga ist sehr eng.

Die kommende Saison wird für den Sportclub in jedem Fall eine Herausforderung – auch infrastrukturell. Weil dann vermutlich wieder Zuschauer zugelassen sein werden, gilt die Ausnahmegenehmigung für die Austragung der Heimspiele in der aktuell zu kleinen Sportclub-Arena nicht mehr. Wie ist die Timeline für den Ausbau der eigenen Spielstätte?

Wir forcieren die Ertüchtigung der Sportclub-Arena im Hintergrund. Es gibt bereits Ideen und Pläne, wir stehen im Austausch mit mehreren Stadionbauern. Aber bis hier wirklich etwas passiert, dauert es noch. Es muss noch viel geklärt werden, unter anderem die Finanzierung. Diesbezüglich werden noch Gespräche mit der Stadt und Werbepartnern geführt. Vielleicht bekommen wir es hin, das im Laufe der Saison 2021/22 die Bagger rollen. Früher definitiv nicht.

 

Stadion in Gütersloh müsste umgebaut werden

Der Verein gab deshalb in den Lizenzunterlagen für die nächste Drittliga-Saison zwei Ausweichstadien an – das Ohlendorf Stadion in Gütersloh und die Arena des Ex-Drittligisten Sportfreunde Lotte. Wieso gleich zwei Spielstätten?

Das Ohlendorf Stadion favorisieren wir, aus wirtschaftlichen und geografischen Gründen. Es ist nur rund zehn Kilometer entfernt und für uns und unsere Fans einfach zu erreichen – sogar mit dem Fahrrad. Da in Gütersloh aber einige Umbauarbeiten notwendig wären, damit das Stadion drittligatauglich wird, haben wir mit dem Stadion am Lotter Kreuz eine Alternative angegeben. Falls aus der Ertüchtigung des Ohlendorf Stadions nichts wird, könnten wir nach Lotte ausweichen. Dort müssten wir mit dem Auto von Verl aus rund eine Stunde hinfahren, das ist noch im Rahmen.

Aktuell weicht Verl bei Flutlichtspielen nach Paderborn aus. Warum bleiben Sie nicht in der Benteler-Arena, wo künftig nur noch im Falle eines Zweitliga-Aufstiegs gespielt werden würde?

Der SC Paderborn ist ein super Partner und wir sind dankbar, dass wir dort derzeit spielen dürfen. Aber Aufwand und Nebenkosten für die Austragung der Partien sind uns in der Benteler-Arena zu groß. Aus wirtschaftlichen Gründen haben wir uns daher nach anderen Alternativen umgeschaut und sind in Gütersloh und Lotte fündig geworden.

Wenn es Gütersloh wird, müsste das 8.400 Zuschauer fassende Stadion umgebaut werden. Welche Maßnahmen sind erforderlich?

Der größte Aufwand wäre der Bau einer temporären Zusatztribüne mit wieder abbaubaren Stahlkonstruktionen, sodass wir auf die in der 3. Liga erforderlichen 10.001 Plätze kommen. Außerdem bräuchten wir weitere Sitzschalen und gegebenenfalls eine Rasenheizung. In Bezug auf die Rasenheizung stehen aber noch Gespräche mit dem DFB aus. Eventuell erhalten wir eine Ausnahmegenehmigung, so wie auch schon Viktoria Köln. Ansonsten würden Kleinigkeiten anstehen, wie das Aufstellen von Containern und der Aufbau eines VIP-Zeltes. Das wäre aber kein Problem und in wenigen Tagen realisierbar.

Würde der SC Verl die Sanierung des Stadions subventionieren, sodass sich für beide Klubs Vorteile ergeben?

Ziel ist es definitiv, dass auch der FC Gütersloh etwas von der Partnerschaft hat und wir damit eine Win-win-Situation herstellen. Verhandlungen über die Beteiligungen der beiden Vereine und die exakte Verteilung der Kosten werden wir aber erst führen, wenn der DFB sein Einverständnis für diese Stadion-Lösung gibt. Vorher macht das keinen Sinn. Ich denke, dass wir spätestens im Mai Klarheit haben werden und wissen, in welcher Spielstätte wir in der kommenden Saison unsere Heimspiele austragen.

   
  • ironimus

    Da bahnt sich die nächste "Ausnahmegenehmigung" an. Mal sehen, wie lange diese dann Bestand hat.

  • Michael Meyer

    Wie wäre es mit einem Umzug in die Oberliga?

    • DM von 1907

      Bei einem so stark spielenden, bodenständigen und vorsichtig kalkulierenden Verein ein ebenso respektloser wie sinnfreier Vorschlag.

  • Michael Vogel

    Ich mag den SC Verl, ein durchaus sympathischer kleiner Club. Aber wenn man in die 3. Liga aufsteigt und jetzt sogar die Lizenz für die 2. Liga beantragt, dann braucht man auch ein geeignetes Stadion, ohne Stadion kein Profifußball, ganz einfach. Ein Übergangsjahr sollte jedem Aufsteiger zugestanden werden, keine Frage, aber spätestens im 2. Jahr ist ein geeignetes Stadion in der eigenen Stadt ein Muss. Vor allem steht es so auch in den Statuten des DFB, warum der andauernd bei den Türken, Uerdingen und jetzt Verl gegen die eigenen Statuten verstößt, ist unverständlich.

    • xxx

      Ich würde die DFB Statuten von 10000 Plätzen auf 5000 oder 7500 herunterschrauben damit auch andere Vereine aufsteigen können und sich selbst nicht Wirtschaftlich kaputt machen.

      • xxx

        Weil es wäre doch eine Schande für die Liga wenn auf einmal keiner mehr aufsteigen will weil die Kosten zu hoch sind. Ja wir reden hier von Profi Fußball aber was bringt uns dann wenn keiner eine 3. Liga Lizenz bekommt / darauf verzichtet weil sie so sich selbst kaputt machen. Man sieht ja an Verl was für eine Bereicherung es auch für die Liga sein kann wenn mal so ein Klub aufsteigt.

      • ironimus

        Es ist ja nicht so, dass keiner mehr aufsteigen will. Im Gegenteil: es wollen alle aufsteigen. Aktuell sind es 28. Der DFB ist ja zu allen möglichen (und unmöglichen) Ausnahme- und Übergangsregelungen bereit. Lt. Statuten gelten die zwar nur ein Jahr, werden aber bei Bedarf beliebig verlängert und ausgeweitet. Denn mittlerweile kann man sogar zwei oder drei Stadien als Ausweich-Spielorte anmelden. TGM hat es vorgemacht und ist damit anstandslos durchgekommen. KFC, FCS und Verl machen es nach. Zur Nachahmung empfohlen. Nur keine falsche Bescheidenheit.

    • DM von 1907

      Verl ist ja dran an der Frage – im Gegensatz etwa zu TG München. Uerdingen ist auch dran, wird aber offensichtlich von der eigenen Stadt im Stich gelasssen.

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