Warum Christian Brand in Regensburg gehen musste

Mit Christian Brand hat der F.C. Hansa Rostock am Montag keine 48 Stunden nach der Entlassung von Karsten Baumann einen neuen Cheftrainer vorgestellt. Der 43-Jährige stand zuletzt beim SSV Jahn Regensburg an der Seitenlinie, wurde aber mit dem Ende der Hinrunde entlassen. Und das, obwohl der Jahn an 19 von 21 Spieltagen an der Tabellenspitze stand. Was lief schief? Auf der Pressekonferenz am Montagabend wollte sich Brand dazu nicht äußern, liga3-online.de blickt aber einmal zurück und erklärt die Gründe für die Trennung.

Tischtuch zwischen Brand und den Fans schnell zerschnitten

Vor fast genau einem Jahr wurde Brand für den erfolglosen Alexander Schmidt nach Regensburg gelotst, um den Traditionsverein vor dem zweiten Abstieg in Folge zu retten. Mit 12 Punkten nach 17 Spielen standen die Oberpfälzer am Tabellenende. Doch Christian Brand und der Jahn – das sollte von Anfang an schwierig werden. Die ersten vier Partien verlor der SSV unter dem neuen "Feuerwehrmann" ohne eigenen Torerfolg, in der fünften kassierte er binnen acht Minuten nach einer 2:0-Führung drei Gegentore zum 2:3. Eben jene Partie bei der SpVgg Unterhaching zerschnitt das Tischtuch zwischen dem frischen Coach und den Fans. Zum einen ernannte Brand Torhüter Stephan Loboué zum Kapitän der Jahnelf, der nur eine Woche zuvor die Fangemeinde als "asozial“ bezeichnete. Zum anderen äußerte sich der Trainer selbst unglücklich über die Anhänger der Rothosen. "Ich habe Hachinger Leute gesehen und dann irgendwelche Kriminellen, die Leute zusammenschlagen. Fans habe ich nicht gesehen“, so der heute 43-Jährige im TV-Interview gleich nach der Partie. Hintergrund war der versuchte Platzsturm der Regensburger, wobei sie einen Hachinger Ordner niederschlugen. Natürlich meinte Brand damals nur die wenigen Personen, die dafür verantwortlich waren, dennoch nahmen ihm die Fans dieses Pauschalurteil übel. Bis heute!

Eine Entlassung in Raten

Zu Beginn dieser Saison sah es zumindest sportlich wieder besser aus. Regensburg gewann die ersten sieben Partien in Folge, stand nach zehn Spieltagen schon mit zehn Punkten vor Wacker Burghausen an der Tabellenspitze – aber dann folgte der Einbruch. Vor allem auswärts überzeugte die Jahnelf plötzlich nicht mehr, fünfmal in Folge gab es auf fremden Plätzen keinen Sieg. Der negative Höhepunkt war ein 0:4 beim Abstiegskandidaten aus Aschaffenburg. Innerhalb von dreieinhalb Wochen verspielte das Team von Coach Brand einen Zwölf-Punkte-Vorsprung auf Burghausen, die in der Tabelle mittlerweile am Jahn vorbeigezogen sind. Regensburg verlor dreimal in Folge, holte aus neun Spielen nur neun Punkte – die Bilanz eines Absteigers. Als sich die schlechten Leistungen dann auch auf die Heimspiele übertrugen, entließ der Jahn Brand. "Nach den jüngsten negativen Entwicklungen – sportlich wie atmosphärisch – sehen wir für eine langfristig erfolgreiche Zusammenarbeit keine Basis mehr. Leistungen und Ergebnisse der letzten Spiele entsprechen nicht unserem Anspruch“, begründete Jahns Sportchef Dr. Christian Keller die Entscheidung. Allerdings war es eine Entlassung auf Raten, er saß in den letzten beiden Spielen vor der Winterpause weiter auf der Bank – die Mannschaft stünde völlig hinter dem Trainer, weshalb der Verein "die kurzfristige Erfolgswahrscheinlichkeit für die letzten beiden schweren Spiele […] mit Christian Brand höher einschätzt als mit einem Interimscoach.“ Drei Punkte holte der SSV in diesen beiden Spielen, verlor zum Abschluss erneut bei einem Abstiegskandidaten.

Negative Stimmung im Umfeld

Die jüngsten negativen Entwicklungen sorgten schlussendlich für die Entlassung Brands beim Jahn. Sportlich geriet der Aufstieg in Gefahr, was er selbst auch einsah: "Ergebnis- und Leistungsentwicklung der vergangenen Wochen waren für die Ansprüche des Jahn nicht ausreichend“, so Brand. Zudem warfen ihm die Kritiker vor, in dem einen Jahr in Regensburg die Mannschaft kein bisschen weiterentwickelt zu haben. Die negative Stimmung im Umfeld gegen den Trainer, die seit jenem Spiel in Unterhaching vorlag, war spätestens nach der Klatsche in Aschaffenburg nicht mehr zu ignorieren und übertrug sich ebenfalls auf die Mannschaft. Eine Besserung war nicht in Sicht, der Verein zog die Reißleine.

Nun startet Brand beim F.C. Hansa in ein neues Kapitel und kann sich in der 3. Liga erneut unter Beweis stellen.

   

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