Vom Überflieger zur Enttäuschung: Zwischenanalyse #1

Kaum zu glauben, aber wahr: Die 3. Liga hat bereits ein knappes Drittel ihrer Spieltage absolviert, obgleich der Saisonstart gefühlt erst wenige Tage zurückliegt. Am bevorstehenden spielfreien Wochenende nehmen wir daher eine zweiteilige Analyse vor. Im ersten Abschnitt stellen wir unter anderem die Überflieger, Fehlstarter, Transfertrümpfe und Fehlgriffe vor.

Die größte Überraschung: SC Paderborn

Den Beginn macht die größte Überraschung – und die hat sich mit einer derartigen Selbstverständlichkeit an der Tabellenspitze festgesetzt, sodass sie in der Liga schon gar nicht mehr als solche gesehen wird. Der SC Paderborn war vor nicht einmal fünf Monaten sportlich abgestiegen, weinte bittere Tränen. Dann kam die Nachricht aus München, und plötzlich standen Trainer Steffen Baumgart und Sportchef Markus Krösche Gewehr bei Fuß.

Der neue Anlauf mit vielen jungen, unverbrauchten Spielern ist bislang eine einzige große Erfolgsgeschichte. Der Punkteschnitt liegt bei unglaublichen 2,5 Zählern pro Partie – Paderborn konnte bislang nur im absoluten Spitzenspiel vom 1. FC Magdeburg nach einem knüppelharten Kampf in die Schranken verwiesen werden. Kein Wunder, dass die Buchmacher den Sportclub schon jetzt mit exzellenten Quoten für die Rückkehr in die 2. Bundesliga ausstatten, dabei hatten die Ostwestfalen dieses Ziel doch nach der bitteren Vorsaison zunächst zu den Akten gelegt.

Auch Fortuna Köln verdient sich mit 24 Punkten nach elf Spielen Bestnoten, zumal die Südstädter in der Sommerpause einen Kaderumbruch gewagt hatten – mit Erfolg.

Die größte Enttäuschung: Karlsruher SC und Würzburger Kickers

In dieser Kategorie fällt die Auswahl bereits deutlich schwerer. Auf den Abstiegsrängen befinden sich aktuell mit Rot-Weiß Erfurt sowie Carl Zeiss Jena zwei Teams, von denen ein derartiges Abschneiden zu befürchten war. Mit dem VfL Osnabrück allerdings auch eine Mannschaft, die sich in diese Region verirrt hat. Noch größer ist die Enttäuschung jedoch bei den Zweitliga-Absteigern Karlsruher SC und Würzburger Kickers, die im Schneckentempo durch die Liga taumeln wie betrunkene Kirmesgänger – zwei gerade Schritte nacheinander kann keines der Teams gehen.

Die Folge ist, dass Würzburg lediglich durch die mehr erzielten Treffer nicht auf einem Abstiegsplatz steht und der KSC mit zwei Pünktchen mehr auch nicht Welten besser dasteht. Beide Mannschaften haben innerhalb der ersten elf Spieltage der jungen Saison bereits ihren Trainer ausgetauscht – Würzburg ist sogar noch auf der Suche. Besonders kurios: Beinahe alle Teams der Liga haben bereits mindestens ein Heim- sowie Auswärtsspiel gewonnen. Nur nicht die beiden Genannten. Karlsruhe vergeigte bislang jede Partie in der Fremde, Würzburg hat im gesamten Jahr 2017 (!) noch keinen Heimsieg ergattert. Was für eine traurige Bilanz.

Die Senkrechtstarter: Philip Türpitz und Dennis Srbeny

In Chemnitz musste nach Bekanntwerden des Millionendefizits kräftig gespart werden. Teure Profis wie Anton Fink oder Kevin Conrad waren im Sommer Geschichte – bei Philip Türpitz mochte hingegen auch die Leistung eine Rolle gespielt haben. Seine Spielzeiten hatten sich in drei CFC-Jahren ebenso wie die Torbeteiligungen immer weiter verringert, sodass er regelmäßig auf der Bank Platz nehmen musste.

Warum eigentlich, werden sich die Fans des 1. FC Magdeburg heute fragen. Türpitz ist mit 26 Jahren zum Senkrechtstarter der Liga geworden, hat in elf Partien schon zehn Scorerpunkte (fünf Treffer, fünf Vorbereitungen) gesammelt – mehr als in der gesamten letzten Saison. Ähnlich wird Hansa Rostock über sein ehemaliges Talent Dennis Srbeny nachdenken. 2015 setzte er sich in der 3. Liga nicht durch, nun stehen beim SC Paderborn bereits sagenhafte 15 Scorerpunkte (fünf Tore, zehn Vorlagen) auf dem Konto. Srbeny und Türpitz: Diese beiden Wirbelwinde rocken die 3. Liga.

Die Transfer-Enttäuschung: Kai Bülow

Auch der zweite Negativtitel geht an den Karlsruher SC. Verwunderlich ist das nicht, deckte sich der KSC doch mit einem zweitligatauglichen Kader ein und nahm dafür eine große Summe in die Hand. Die Ergebnisse lassen jedoch zu wünschen übrig. Ein Paradebeispiel liefert Kai Bülow, der einstige Relegationsheld von 1860 München. Er sollte das defensive Mittelfeld mit seiner Erfahrung verstärken und stand auch bei anderen Drittligisten auf dem Zettel. Vor der Spielzeit wurde Bülow sogar zum Kapitän bestimmt.

Nun stellt sich heraus: Bülow verschleppt das Spiel, wirkt träge und sorgt nur für wenige Impulse. Sein Notenschnitt ist alles andere als herausragend, beim fatalen 0:4 der Karlsruher in Köln ging er als eines von elf Schiffen unter. In den letzten Partien kam er aufgrund von Verletzungsproblemen nicht mehr zum Zug. Gut möglich, dass sich der Leitwolf seine sportliche Aufstellungsberechtigung erst zurückerkämpfen muss.

Die Topform: SV Wehen Wiesbaden

Vier Spiele, vier Siege – das weist zur Länderspielpause nur der SV Wehen Wiesbaden auf, der emsig versucht, sich an das kaum Federn lassende Spitzentrio zu krallen. Verrückt: Im gleichen Zeitraum vor einem Jahr hätte Wiesbaden mit der Bilanz von 23 Punkten aus elf Begegnungen sogar fünf Punkte Vorsprung auf jenen vierten Platz besessen, auf dem der Club aktuell rangiert. Sucht man im Übrigen die Formkurve des Vorjahreszeitraums, so belegte ausgerechnet der FSV Frankfurt dort die Führungsposition. Gefühlt war das der einzige Zeitraum der ganzen Saison, in dem die Bornheimer überhaupt Punkte gesammelt hatten.

 
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