"Voll auf die Fresse bekommen": Großer Frust bei Dynamo

Ganz bitterer Abend für Tabellenführer Dynamo Dresden. Die Sachsen verloren nicht nur ihr Auswärtsspiel bei Waldhof Mannheim durch einen Elfmeter in der Nachspielzeit, sondern mit Sebastian Mai und Kevin Ehlers auch noch zwei weitere Innenverteidiger. Entsprechend groß war der Frust.

"Ein Scheißtag"

Das Gefühl verstärkte sich mit jeder Minute: Hier passiert nichts mehr, das Duell zwischen Waldhof Mannheim und Dynamo Dresden wird torlos enden. Doch dann gab es ihn eben doch noch, diesen einen letzten Eckball in der Nachspielzeit. Diesen folgenschweren aus Sicht der Sachsen. In Folge des Standards streckte Kevin Ehlers bei einem Torschuss seine Hände schützend nach vorn und berührte anschließend im Strafraum den Ball.

Es gab die rote Karte für den Verteidiger, weil er eine klare Torchance vereitelt hatte, den fälligen Strafstoß verwandelt Rafael Garcia zum 1:0-Sieg für die Mannheimer (90.+6). Danach war das Spiel vorbei, Dynamo verlor somit das zweite Auswärtsspiel in Folge, nachdem es auch bei Türkgücü München mit einem 0:1 wieder nach Hause ging. "Das tut sehr weh. Es ist sehr ärgerlich und dumm, das macht traurig. Einen beschisseneren Tag gibt es nicht", ließ Torhüter Kevin Broll bei "Dynamo-TV" seinem Unmut freien Lauf. "Wenn man so spielt, hat man es auch nicht verdient. Wir hatten zu Beginn die Hosen voll, das muss man gestehen. Am Samstag noch das Riesencomeback gefeiert, heute voll auf die Fresse bekommen. Ein Scheißtag", ergänzte er bei "MagentaSport".

Mai fliegt nach Tätlichkeit

"Bitterer geht es kaum", befand auch Paul Will. "Wir haben mit einem Mann weniger extrem gut gekämpft", so der 21-Jährige. Denn bereits nach 65 Minuten hatte Dresdens Kapitän Sebastian Mai glatt Rot gesehen, nachdem er Waldhofs Dominik Martinovic bei der versuchten Ausführung eines Freistoßes gegen die Beine getreten hatte. "Wir kennen Basti mit seinen Emotionen, aber als Kapitän darf ihm das nicht passieren, wir werden auch mit ihm sprechen", schätzte Co-Trainer Heiko Scholz, der den erkrankten Chef Markus Kauczinski vertreten hatte, die Szene ein: "Er ist alt genug und weiß, dass er da einen riesen Fehler gemacht hat." Um den Punkt sei es zwar schade, "doch die beiden Platzverweise tun uns mehr weh".

Schließlich ist die Personallage in der Defensive bei den Schwarz-Gelben bereits sehr dünn, da mit Chris Löwe und Robin Becker derzeit zwei Spieler langfristig verletzt ausfallen – nun fehlen vorerst zwei weitere Innenverteidiger. "Da müssen jetzt alle Köpfe zusammengesteckt werden, es muss eine Lösung gefunden werden", forderte Schlussmann Broll: "Jeder im Kader wird jetzt gebraucht." Das Team habe "gute Jungs, die das kompensieren können". Immerhin wird Tim Knipping nach Gelb-Sperre zurückkehren.

Viele spielerische Probleme

Viel Zeit zum Hadern mit der aktuellen Situation bleibt ohnehin nicht. Bereits am Freitag geht es mit einem Heimspiel gegen die U23 des FC Bayern weiter. Und neben den personellen Problemen müssen auch spielerische Defizite aufgearbeitet werden. Denn am Dienstagabend kam der Tabellenführer "von Anfang an nicht so gut ins Spiel", wie Will selbstkritisch einschätzte. Man habe das eigene Vorhaben auf dem Platz nicht umsetzen können, "wir kamen immer einen Schritt zu spät und hatten keine klaren und zwingenden Chancen über 90 Minuten". Auch Scholz musste attestieren, dass die Gäste in den "ersten 25 Minuten null Zugriff" gehabt hätten. "Es wurde dann besser, weil wir umgestellt haben." Doch auch das konnte die Niederlage nicht verhindern. Die beste Nachricht des Tages sei, dass es Kauczinski wieder besser gehe, sagte Scholz, der auf ein schnelles Comeback des 50-Jährigen hofft.

 
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