VfR Aalen reicht Schiedsklage ein: Wie es jetzt weitergeht

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Nachdem das Bundesgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) den Einspruch des VfR Aalen gegen den Neun-Punkte-Abzug in der laufenden Saison zurückgewiesen hat, ist der VfR nun wie angekündigt vor das Ständige Schiedsgericht gezogen. Wie geht es jetzt weiter? Und welche Auswirkungen hat das schwebende Verfahren auf den Spielbetrieb? liga3-online.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Hintergründe und Erfolgsaussichten

Wie begründet der VfR Aalen die Schiedsklage?

Wie schon in früheren Instanzen beruft sich der VfR auf eine Passage aus der DFB-Spielordnung. In Paragraf 6 heißt es, dass von einem Punktabzug abgesehen werden kann (!), "wenn gegen den Hauptsponsor oder einen anderen vergleichbaren Finanzgeber des Vereins zuvor ein Insolvenzverfahren eröffnet ist." Diesen Fall sieht der VfR Aalen im Hinblick auf die Insolvenz des früheren Hauptsponsors Imtech (2008 bis 2013) bei sich bestätigt. Der Hintergrund: Zwar hat Imtech erst rund zwei Jahre nach dem Ausstieg beim VfR Aalen Insolvenz angemeldet, jedoch geht die im Raum stehende Steuernachzahlung in Höhe von rund 500.000 Euro auf die Sponsoring-Zeit der Firma Imtech zurück. Einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Pleite von Imtech und der eigenen Insolvenz sieht der VfR somit gegeben. Denn: Ohne die Insolvenz von Imtech hätte der VfR Aalen die Steuernachzahlung über den Unternehmensweg in Form von beispielsweise Rechnungen ausgleichen können. Nun hätte der Verein die Summe selbst aufbringen müssen, was bei einem ohnehin schon kleinen Etat und einem Schuldenberg von 3,6 Millionen Euro laut Geschäftsführer Markus Thiele aber nicht möglich war. Daher meldet der VfR am 14. Februar Insolvenz an.

Inwiefern unterscheidet sich das Ständige Schiedsgericht von den DFB-Gerichten?

Das Ständige Schiedsgericht ist kein DFB-Gremium, sondern eine neutrale Instanz. Das heißt, der DFB und der VfR Aalen sind hier gleichermaßen Partei. Vorsitzender ist Prof. Dr. Udo Steiner, ein ehemaliger Richter des Bundesverfassungsgerichts. Ausführliche Informationen zum Schiedsgericht gibt es hier.

Wie hoch sind die Erfolgsaussichten für den VfR Aalen?

Ungewiss, aber wohl eher schlecht. VfR-Geschäftsführer Markus Thiele formulierte es gegenüber unserer Redaktion jedoch so: "Je höher die Instanzen, desto neutraler sind die Gremien besetzt. Die Richter beurteilen den Fall dann nach der normalen Gesetzeslage und nicht unbedingt nach der DFB-Spielordnung." Darauf hofft auch der FSV Frankfurt mit seinem Einspruch gegen den Punktabzug.

Bisher hat das Ständige Schiedsgericht jedoch alle zuvor getroffenen Urteile des DFB bestätigt – vor zwei Jahren war auch der VfR Aalen schon einmal selbst betroffen. Damals hatte der Verein gegen einen Zwei-Punkte-Abzug geklagt, der aufgrund von Verstößen gegen eine Lizenzierungsauflage verhängt worden war. Das Schiedsgericht bestätigte den Punktabzug allerdings.

Im jüngsten Fall wies das Schiedsgericht eine Klage der Kickers Offenbach gegen einen Neun-Punkte-Abzug in der laufenden Saison zurück. Und das sogar, obwohl das Insolvenzverfahren beim OFC gar nicht erst eröffnet worden ist.

Wann wird die Schiedsklage des VfR verhandelt?

Das steht noch nicht fest. Da die Zeit aber drängt, ist allen Beteiligten an einer schnellen Entscheidung gelegen. Vor zwei Jahren, als der VfR wie erwähnt schon einmal vor das Schiedsgericht gezogen war, lagen zwischen Einreichung der Schiedsklage und der Entscheidung des Schiedsgerichts knapp zwei Wochen. Im aktuellen Fall könnte es aber unter Umständen eine Art Eilverfahren geben.

Was passiert, wenn … ?

Was passiert, wenn der VfR Aalen (ohne Punktabzug) am Saisonende auf einem Aufstiegsplatz steht, das Schiedsgericht zu diesem Zeitpunkt aber noch kein Urteil getroffen hat?

Dann bleibt der durch das DFB-Bundesgericht bestätigte Abzug von neun Punkten in der laufenden Saison bestehen – Aalen würde die Spielzeit 2016/17 im Mittelfeld abschließen (derzeit auf Platz zehn). Konkret heißt das: Die Abschlusstabelle wird mit dem 38. Spieltag "eingefroren" und kann punktetechnisch nachträglich nicht mehr verändert werden. Die ersten beiden Mannschaften steigen definitiv auf und der Drittplatzierte wird Ende Mai in der Relegation um den Aufstieg spielen. Eine mögliche Verlegung der Relegationsspiele kommt in keinem Fall in Frage.

Was passiert, wenn das Schiedsgericht den Punktabzug noch vor Saisonende für unwirksam erklärt?

Sollte das Schiedsgericht den Neun-Punkte-Abzug tatsächlich vor dem 38. Spieltag kippen, müsste der DFB den Abzug mit sofortiger Wirkung zurücknehmen. Nach aktuellem Stand (vor dem 37. Spieltag) wäre der VfR Aalen dann Tabellenfünfter und hätte nur einen Punkt Rückstand auf den Relegationsplatz. Verliert die Vollmann-Elf am Samstag aber gegen Magdeburg, hätte sich der Aufstieg jedoch erledigt – auch ohne Punktabzug.

Ist der VfR Aalen trotz der Insolvenz überhaupt aufstiegsberechtigt?

Ja. Trotz des laufenden Insolvenzverfahrens hat der VfR Aalen fristgerecht zum 1. März eine Lizenz für die 2. Bundesliga beantragt und bereits eine erste positive Rückmeldung seitens der DFL erhalten.

Welche Folgen hätte es, wenn das Schiedsgericht den Punktabzug erst nach Saisonende kippt?

Sicher ist: Auf die Endplatzierungen der Saison 2016/17 hätte ein solches Urteil keinen Einfluss mehr. Alle anderen Auswirkungen eines solchen Urteils sind aber vollkommen offen, da es einen vergleichbaren Fall bisher nicht gab.

Weitere Instanz möglich

Ist das Ständige Schiedsgericht die letzte Instanz?

Nein. Weist auch das Schiedsgericht den Einspruch des VfR Aalen gegen das DFB-Urteil zurück, könnte der Verein noch vor ein staatliches Gericht ziehen – zuständig ist das Oberlandesgericht Frankfurt. Diesen Weg ging vor vier Jahren bereits die SG Dynamo Dresden, die sich gegen den Ausschluss aus dem DFB-Pokal wehrte. Letztlich wies das Oberlandesgericht Frankfurt die einstweilige Verfügung jedoch als unbegründet ab, sodass der Pokalausschluss der SGD endgültig besiegelt war.

Wie hoch wären die Erfolgsaussichten vor dem OLG Frankfurt?

Dr. Sven Kaltenbach, Richter am Landgericht Ulm, schätzt dies bei "lto.de", einem juristischen Nachrichtenportal, so ein: Im Falle einer Anrufung des OLG dürfte es bei der Entscheidung des Schiedsgerichtes bleiben, "da durchgreifende Bedenken gegen die dargestellten Regeln des Verbands nicht bestehen und das Ergebnis des Schiedsspruchs – Punktabzug oder nicht – kaum gegen den Vorbehalt des Ordre public verstoßen dürfte." Denn: Eine Aufhebung des Schiedsspruchs komme nur in Betracht, wenn dieser "eine Norm verletzt, die die Grundlagen des staatlichen oder wirtschaftlichen Lebens regelt, oder wenn er zu deutschen Gerechtigkeitsvorstellungen in einem untragbaren Widerspruch steht." (BGH. Beschl. v. 30.10.2008, Az. III ZB 17/08).

   
  • Pappnase

    Wenn schon blamieren, dann richtig!

  • Ketschup

    Ganz einfach mal den Finger ziehen beim Schiedsen…. kann doch nicht sein das hundert mal gegen vorgegangen werden kann …am Ende hat die neue Saison begonnen und das Schiedsgericht sitzt
    immernoch u überlegt …Wenn 9 Punkte Abzug angesetzt werden hat das Gründe, bei anderen Vereinen wird nicht lang gefackelt…

  • INSIDER

    Schiedsklage wird zu 100% ABGELEHNT, das pfeifen schon die Spatzen vom Dach…

    • Basti

      Ja, die 9 Punkte Abzug bleiben, dass hört man so…

  • Naschaumalan

    Damit ich das verstehe: Der Verein begründet seine 3,6 Millionen € Insolvenz auf Grundlage von "faulen" 500.000 €? Wirklich?

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