VfL Osnabrück: Eine Grundlage für die Trendwende ist da

Es sah lange nach einem trüben Abend an der Bremer Brücke aus. Dass der VfL Osnabrück seine Krise gegen den Halleschen FC dennoch abzuschütteln wusste, verdankte er erst einem Startelf-Debütanten – und dann dem berühmten "Brücken-Roar". Doch die Entwicklung zeigt wieder in die richtige Richtung. Auch, weil ein Neuzugang endlich anzukommen scheint.

Ein Übergangsjahr für den VfL?

Wer als Drittligist Torjäger aus der Regionalliga verpflichtet, der landet entweder einen Coup oder einen Rohrkrepierer – ein Mittelding, so zeigt es die Erfahrung, gibt es meistens nicht. Erik Engelhardt, 24 Jahre jung und gekommen von Energie Cottbus, drohte erst auf letzterer Schiene abzudriften. In seinen ersten sieben Spielen gelang ihm wenig, er verlor seinen Startelfplatz, musste sich hart zurückkämpfen, das Debüttor beim 1:4 in Elversberg war nicht mehr als eine kleine Randnotiz an einem völlig gebrauchten Nachmittag. Nun aber strahlte das Flutlicht an der Bremer Brücke ihn an, den Vorbereiter zum 2:2-Ausgleich und Schützen des 3:2-Siegtors gegen den Halleschen FC. Zweimal körperliches Geschick und einmal der Torriecher, den man hat oder eben nicht, machten ihn zum Mann eines emotionalen Abends. Und irgendwie ist er ein Sinnbild dafür, wie sich der VfL Osnabrück bislang durch die Saison kämpft.

Es war der erst vierte Saisonsieg im 14. Anlauf, der Sprung raus aus der Abstiegszone, in die die Lila-Weißen – so ehrlich muss man sein – nach ihren bisherigen Leistungen auch nicht gehören. Zwei Ausrutscher, das 1:4 in Elversberg und das 0:1 in Bayreuth noch unter Ex-Trainer Daniel Scherning, stehen in dieser Spielzeit vielen ordentlichen bis guten Spielen gegenüber. Unter Tobias Schweinsteiger, der nun zehn Punkte aus acht Spielen aufweist und aufgrund einer Sperre am Montag von den Firmenboxen ganz oben im Stadion seinen Spielern zujubelte, passten Leistung und Ertrag manches Mal nicht: Die 2:0-Führung in Dresden wurde einfach hergeschenkt, über das Zustandekommen der 0:2-Heimniederlage gegen klar unterlegende Münchner Löwen rätselt mancher im Lager der Niedersachsen heute noch. Die erste Saisonhälfte ist zu einer Geduldsprobe geworden, eine mit der schmerzhaften Erkenntnis, dass es nicht für das Aufstiegsrennen langen wird. "Übergangsjahr" steht in imaginären, dicken Lettern darüber. Und das wird nun auch gelebt.

Kühn und Heider draußen – Schweinsteiger zeigt Mut

Beispielhaft erkennbar ist das an Jannes Wulff. Kein Medienvertreter, ob Funk, Fernsehen oder Tageszeitung, kam um die Geschichte herum, dass der 23-Jährige vor drei Spielzeiten noch in der Landesliga Lüneburg für die zweite Mannschaft des SV Drochtersen/Assel kickte. Nun ist er Torschütze im Profibetrieb. Ein feiner Sololauf nach gleich zwei Ballgewinnen im Mittelfeld: Das 1:1 gegen bis dato starke Hallenser war Brückenfußball, wie er sein sollte. Wulff wusste um seine Chance, Sven Köhler war mit Gelb-Roter Karte gesperrt, Lukas Kunze ist nicht in der Form des Vorjahres. Im traditionellen 4-3-3 war es lange das Mittelfeld, das Grübeln bereitete. Die optimale Personalkonstellation rund um den dauerhaft gesetzten Robert Tesche scheint zwar immer noch nicht gefunden, zumindest aber entwickelt sich nun ein lebhafter Konkurrenzkampf.

Das gilt ganz nebenbei auch für die Offensive sowie die Torhüter. Den 20-jährigen Daniel Adamczyk anstelle des zehn Jahre älteren Publikumsliebling Philipp Kühn zwischen die Pfosten zu beordern, war ein Wagnis Schweinsteigers, und trotz acht Gegentoren in drei Spielen hat sich das Talent einen ersten Namen gemacht, in Elversberg tolle Paraden gezeigt und für sich geworben. Vorne ist Marc Heider seit sieben Spielen nur noch Joker, der Kapitän nimmt das mit all seiner Erfahrung sportlich und stiftete gegen Halle ungemein viel Unruhe. Sich erlauben zu können, Toptorjäger "Chance" Simakala nach indiskutablem Auftritt in Elversberg auf die Bank zu setzen, ist auch ein Zeichen an alle Beteiligten: niemand ist unantastbar. Aus einem engen Kreis von 18 Spielern, die in mindestens acht der bisherigen 14 Partien auf dem Feld standen, wird teils munter getauscht.

Erster Auswärtssieg in Zwickau?

Ist Tobias Schweinsteigers erste schwere Phase überwunden? Das Gastspiel beim FSV Zwickau und VfL-Ikone Joe Enochs am kommenden Sonntag wird es zeigen. Hier muss der Anspruch der Lila-Weißen ein Sieg sein, es wäre im achten Anlauf der erste der Saison auf fremdem Geläuf. Erst zehn Tore haben die Sachsen erzielt. Die auch gegen den HFC in der ersten Halbzeit sowie in der Schlussphase nicht konsequent verteidigende VfL-Hintermannschaft kann nach elf Gegentoren in den vergangenen 360 Minuten nur über ein Zu-Null-Spiel wieder an Sicherheit gewinnen. Schafft Osnabrück den Dreier im Osten, geht es wieder in Richtung der oberen Tabellenhälfte. Und da sollte auch das Minimalziel einer derart bestückten Mannschaft liegen.

 

   
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