VAR-Abschaffung gefordert: Fanszenen kündigen Proteste an
Zum Auftakt des DFB-Pokals am Wochenende sind bundesweit Protestaktionen der organisierten Fanszenen gegen den Video-Assistenten (VAR) zu erwarten.
Kritik an Unterbrechungen und fehlender Emotion
In einem gemeinsamen Aufruf sprechen sich die Fanszenen für eine vollständige Abschaffung des VAR aus. Die erste Pokalrunde zeige den Fußball "wie er sein sollte: ohne VAR und damit authentisch, unmittelbar und voller Emotionen", heißt es in dem Schreiben. Ziel sei eine dauerhafte Rückkehr zu diesem Zustand. In ihrer Stellungnahme kritisieren die Fans vor allem die Auswirkungen des Videobeweises auf den Spielfluss. Fußball lebe von Intensität und Rhythmus, argumentieren die Anhänger. Durch teils längere Überprüfungen werde dieser jedoch erheblich beeinträchtigt. Zudem habe der VAR "den emotionalsten Moment des Spiels zerstört". Statt unmittelbarer Freude nach einem Tor herrsche häufig zunächst Unsicherheit über eine mögliche Überprüfung.
Neun Jahre nach der Einführung des Videobeweises sehen die Fanszenen ihre damaligen Hoffnungen nicht erfüllt. Zwar werde nicht bestritten, dass der VAR objektiv messbare Verbesserungen gebracht habe. Aus Sicht der Kritiker sei der Preis dafür jedoch zu hoch. "Einen Preis, den wir nicht länger bereit sind zu bezahlen. Dass der Fußball nie fehlerfrei war und es auch nicht sein muss, ist eine Erkenntnis, die wir in den letzten Jahren gewonnen haben."
Die erhoffte Gerechtigkeit sei ausgeblieben, stattdessen würden weiterhin umstrittene Entscheidungen aufgrund unterschiedlicher Eingriffsschwellen, Auslegungen oder menschlicher Fehler diskutiert. Darüber hinaus verweisen die Fans darauf, dass die Zahl der Debatten über Schiedsrichter-Entscheidungen keineswegs gesunken sei. Die Annahme, der VAR würde Diskussionen reduzieren, habe sich als "Trugschluss" erwiesen. Trotz verschiedener Anpassungen und Optimierungsversuche stoße das System in den Stadien zunehmend auf Ablehnung, heißt es. Wie die Protestaktion konkret aussehen werden, lassen die Fanszenen offen.
Schiedsrichter-Verantwortliche setzen auf Zurückhaltung
Während die Fans die Abschaffung des VAR fordern, verfolgen die Schiedsrichter-Verantwortlichen zuletzt einen anderen Ansatz. Statt den Videobeweis auszuweiten, soll der Einfluss des Systems begrenzt und die Rolle der Unparteiischen auf dem Feld gestärkt werden. Benjamin Schmedes, Direktor Sport und Mitglied der Bundesliga-Geschäftsleitung, erklärte zuletzt, man wolle die Zeit am Monitor grundsätzlich minimieren und gleichzeitig für eine einheitlichere Auslegung sorgen.
Auch Jochen Drees, Leiter der Video-Assistenten bei der Schiri GmbH, verwies auf die Linie der UEFA. Ziel sei es, den Schiedsrichter auf dem Platz zu stärken und nur bei klaren und offensichtlichen Fehlentscheidungen einzugreifen. In der ersten Runde des DFB-Pokals wird der VAR derweil weiterhin keine Rolle spielen. Anders als in den vergangenen Jahren kommt die Technik in dieser Saison allerdings bereits ab der zweiten Runde zum Einsatz. In der 3. Liga wird der Videobeweis weiterhin nicht eingesetzt.