Unterhaching: Gewohnt aufmüpfig – und jetzt an der Spitze

Es ist Jahr für Jahr faszinierend zu beobachten, dass sich die 3. Liga und ihre Fans sehr auf die zuschauerstarken Traditionsvereine stürzen, ihre Werdegänge im Guten wie im Schlechten scharf beobachten. Andere Klubs bleiben unter dem Radar, fühlen sich dort aber richtig wohl. Einer dieser Vereine, der so viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte, steht gegenwärtig an der Tabellenspitze.

Mantl rückt in den Fokus

Als vor der Saison über die vermeintlichen Favoriten geredet, die Quoten erstellt wurden, da kristallisierte sich schnell ein Gebilde von gleich acht Vereinen heraus. Die SpVgg Unterhaching war nicht darunter. Warum eigentlich? Wahrscheinlich, weil sie eine von schlimmem Verletzungspech und einigen anfänglichen Negativerlebnissen geprägten Rückserie 2018/19 spielte, die mehr und mehr in eine Abwärtsspirale führte und letztlich den zuvor oben mitspielenden und kurzzeitig auf dem ersten Platz rangierenden Münchner Vorstadtklub fast noch in Abstiegsnöte gebracht hätte.

Jetzt schwächeln die Top-Anwärter auf den Aufstieg reihenweise. Magdeburg, Rostock, Kaiserslautern und Uerdingen sind weit weg von den ersten drei Rängen, Ingolstadt verliert seit Wochen fast jedes Pflichtspiel und muss abreißen lassen. Haching aber ist wieder ganz oben angekommen. Der Unterschied zum Vorjahr: Auf Spektakel stehen die Bayern nicht mehr, das 5:4 gegen die Würzburger Kickers früh in der Saison einmal ausgenommen. Beispiele dafür boten die zwei Heimsiege der vergangenen Tage: Auf das mühsame 2:1 über den Chemnitzer FC folgte ein 2:0 gegen Sonnenhof Großaspach.

Der Star des Teams stand dabei zweimal zwischen den Pfosten, denn Nico Mantl – ein 19-jähriges Eigengewächs, das nach dem Abgang von Lukas Königshofer nach Uerdingen in den Fokus rückt – verdiente sich gegen die abstiegsbedrohten Gäste Bestnoten. "Ich spüre keine Nervosität mehr, sondern werde von Spiel zu Spiel sicherer", sagte der Youngster gegenüber dem Kicker.

Es geht auch ohne Bigalke und Hain

Dass Mantl gegen vermeintlich biedere, schwächer eingeschätzte Gegner überhaupt zu mehrfachen Glanzparaden gezwungen wird, mag im Umkehrschluss nicht für seine Vorderleute sprechen. Effizienz und das Spielglück des Oberen mischen sich bei der SpVgg aktuell unter – und nach der horrenden Rückserie mag noch keiner am Sportpark davon sprechen, dass sich Haching dieses Quäntchen Glück nicht redlich verdient hätte.

Überraschend ist, dass Haching eben nicht mehr vom einstigen Top-Duo Stephan Hain und Sascha Bigalke zehrt: Hain kommt gerade von einer mehrmonatigen Verletzungspause zurück und erhält bislang nur Jokereinsätze, Bigalke ist noch nicht der entscheidende Faktor. Und selbst der Abgang von Stürmer Stefan Schimmer, der bis dato gesetzt war und Ende August nach Heidenheim wechselte, wurde bislang kompensiert. Haching boxt sich durch zum Erfolg, weil sich die Einzelnen dem Teamgedanken unterordnen. Das gilt selbst für einen erfahrenen "Altstar" wie Dominik Stroh-Engel.

Haching bleibt bescheiden

Bescheidenheit bleibt im Süden der Republik jedoch ein wichtiger Faktor. "Ich sehe nach neun Spielen allen voran die 20 Punkte und nicht mehr", sagte etwa Trainer Claus Schromm nach dem 2:0-Sieg über Großaspach, der trotz der Pleitenserie im Frühjahr das Vertrauen des Klubs erhielt und es nun mit Ergebnissen zurückgibt. Das Verhältnis zwischen Schromm und der Spielvereinigung ist der Gegenentwurf zu jenen Gegnern wie etwa Kaiserslautern oder Uerdingen, die ihre Übungsleiter im ähnlichen Rhythmus tauschen wie die Reifen.

Der Erfolg gibt dem kleinen, mittlerweile an der Börse notierten Verein recht. Und sorgt auch für eine bessere Zuschauerbilanz: Zu den ersten fünf Heimspielen kamen im Schnitt 3.600 Besucher – so viele waren es in den Vorjahren nicht. "Für sie freut es mich besonders", frohlockt Schromm. "Und es werden immer mehr."

   
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