Türkgücü München: Heimspiele nach Drittliga-Aufstieg in NRW?

Mit 53 Punkten führt Türkgücü München die Regionalliga Bayern derzeit souverän an und ist angesichts von acht Punkten Vorsprung auf dem besten Weg in die 3. Liga. Da sich im Aufstiegsfall jedoch ein Stadion-Problem ergibt, erwägt der Klub, für seine Heimspiele in den Westen Deutschlands umzuziehen.

Update: Der DFB hat den Türkgücü-Plänen eine Absage erteilt

Problemfall Grünwalder Stadion

Bislang trug der ambitionierte Verein, der vor zwei Jahren noch in der 6. Liga spielte, seine Heimspiele im Stadion von Regionalliga-Konkurrent SV Heimstetten aus, zur Rückrunde zieht es in den Klub in das Grünwalder Stadion. Also die Spielstätte, in der auch 1860 München und die zweite Mannschaft des FC Bayern München beheimatet sind. Ein Zustand, der in der 3. Liga nicht tragbar wäre. "Wenn zwei Teams an einem Wochenende zu Hause spielen, kann das auch nicht an aufeinanderfolgenden Tagen stattfinden. Man müsste dann auf einen Sonntag gehen, und das haben die Anwohner ja besonders gern", erklärt Präsident und Investor Hasan Kivran in der "Süddeutschen Zeitung".

Und da Türkgücü in München über kein eigenes Stadion verfügt, plant der Klub, seine Heimspiele im Aufstiegsfall womöglich im Westen Deutschlands auszutragen. "Dort hätten wir wahrscheinlich mehr Zuschauer, weil es auch mehr Derbys gäbe", argumentiert der Türkgücü-Boss. "Die Reisekosten, die wir dann nicht nur bei Auswärts- sondern auch bei Heimspielen hätten, müssten wir ja wieder reinholen", erklärt Kivran und rechnet vor: "Wenn wir die höhere Miete wieder erwirtschaften wollen, geht das nur über mehr Zuschauer, mehr Aufmerksamkeit und damit einhergehend noch mehr Sponsoren. Und wenn wir eine ähnliche Miete in Haching zahlen wie in Essen, Duisburg oder Düsseldorf, bringt uns Haching nichts. Im Gegenteil: Dort hätten wir weniger Zuschauer." In der Hinrunde lockte Türkgücü bei seinen Heimspielen trotz des sportlichen Erfolgs durchschnittlich keine 500 Fans an. 

Im Westen scheint das Fan-Potential höher: "Wenn Sie um Düsseldorf einen Kreis ziehen von 35, 40 Kilometern, dann haben sie 600.000 Türkischstämmige. In München sind es 45.000", weiß Kivran, der aber nicht nur Türkischstämmige zur Zielgruppe zählt: "Jeder, der interessanten Fußball sehen will, in einer angenehmen Atmosphäre, gehört zu unserer Zielgruppe."

"Ich weiß, dass wir in München stören"

Mit einem Umzug würde Türkgücü zudem den geplanten Umbauarbeiten im Grünwalder Stadion aus dem Weg gehen. Im näheren Umkreis scheint derweil keine geeinigte Spielstätte zur Verfügung zu stehen, wie 1860 München jüngst erfahren musste: Unterhaching, Ingolstadt und Regensburg lehnten die Löwen als Untermieter jeweils ab. Türkgücü dürfte kaum bessere Chancen haben. "Ich weiß, dass wir in München stören. Hier braucht keiner einen dritten Profiverein", sagt der Investor, der seit 2016 über eine Firma 99 Prozent der Anteile an der Türkgücü München Fußball GmbH hält und seit seinem 6. Lebensjahr in München lebt.

Offizielle Gespräche mit Stadionbetreibern im Westen habe es bislang nicht gegeben. Dabei drängt die Zeit: "Wir müssen am 2. März die Lizenzierung abgeben, und es ist ein Teil davon, das Stadion anzugeben." Dauerhaft umziehen will Türkgücü aber nicht, wie Kivran klarstellt: "Wir reden nicht von einem Ortswechsel. Der Gedanke ist: Für eine Engpassphase in der Stadt würden wir ausweichen." Dieser Engpass sei gegeben, "wenn drei Mannschaften in der dritten Liga spielen, oder wenn das Grünwalder Stadion saniert wird und alle für zwei Jahre raus müssen." Sollte Türkgücü den Aufstieg schaffen, wäre der Klub der erste von Migranten gegründete Fußballverein im deutschen Profifußball. 

 

 
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