SV Babelsberg findet keine Ruhe – Fanbeirat im Interview

Die Fans des SV Babelsberg 03 haben es nicht leicht. Seit Jahren müssen sie nicht nur sportlich um ihren Verein bangen. Auch hinter den Kulissen, in den Führungsgremien der Nulldreier rumort es immer wieder. So auch in dieser Saison, wo sich die Vorstandsmitglieder die Klinke in die Hand geben. Der Amtsantritt für des neuen Chef des Führungstabs, Dieter Wiedemann, kann dabei komplizierter kaum sein. Seit wenigen Tagen an der Spitze des Vereins muss der ehemalige Rektor der Babelsberger Filmhochschule versuchen, eine Brücke über einen tiefen Graben zu bauen, der sich zwischen Geschäftsführer Klaus Brüggemann und Teilen der Fans aufgetan hat. Eine Aufgabe, die kaum lösbar erscheint. Denn am 28. Februar wurde bekannt, dass Klaus Brüggemann Anzeige gegen Fans aus der Nordkurve von 03 erstattet hat. Dabei geht es um Beleidigungen und Verunglimpfungen gegen seine Person im Fan-Forum von Babelsberg, der Vorwurf von vereinsschädigendem Verhalten fällt. Es sind Aussagen, die nach Ansicht Brüggemanns strafrechtlich relevant sind.

Die ersten Probleme

Klaus Brüggemann, der mittlerweile auch als neuer Sportvorstand fungiert, hatte vielleicht nie eine wirkliche Chance im Verein. Bevor er 2011 zu an den Babelsberger Park kam, war er jahrelang in Führungsgremien von Hertha BSC aktiv und gehörte dort auch dem Aufsichtsrat und dem Präsidium an. Eine Konstellation, die die Arbeit in Babelsberg und besonders im Umgang mit den Fans nicht unbedingt erleichtert. Im Oktober 2012 forderten Mitglieder des Vereins auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung den Vorstand auf, die Beurlaubung von Geschäftsführer Klaus Brüggemann zu prüfen. Die nicht enden wollende Suche nach einem Hauptsponsor und die immer größer werdende Abhängigkeit vom Geldgeber DKB werden unter anderem Brüggemann zur Last gelegt.

Anzeigen gegen die Fans

Und dieser spielt den Ball auch prompt zurück, als er meinte dass der Verein schwer zu vermarkten sei. Im November 2012 äußerte sich Brüggemann zu diesem Thema und äußerte sich kritisch zum Image des Vereins und der „inneren und äußeren Wahrnehmung“. Sponsoren hätten Probleme mit der Politisierung und dem sogenannten „Schwarzen Block“. Und nun die Anzeige gegen Fans des eigenen Vereins. Eigentlich ein No-Go. Für Klaus Brüggemann aber ein Schritt, um seine Reputation zu wahren, vielleicht sogar zu retten. Aber war der Schritt nötig?

Fanbeirat im Interview

Der Fanbeirat Babelsberg war bereits, sich mit uns darüber zu unterhalten. Leider konnten wir Klaus Brüggemann nicht erreichen, um ihn nach seiner Sichtweise zu befragen. Wir werden aber versuchen dies nachzuholen.

liga3-online.de: Könnt ihr uns bitte ein paar Informationen zum Hintergrund der Anzeige geben? Was ist vorgefallen?

Fanbeirat Babelsberg: Herr Brüggemann verbrennt sich in Babelsberg nicht das erste Mal seine Finger. Die Debatten um die Person und dessen Tätigkeiten für und abseits unseres Vereins haben ja eine längere Vorgeschichte. Herr Brüggemann trat in unserem Verein an, um ihn zu professionalisieren und wirtschaftlich zu sanieren. Das heißt, er wurde nach Babelsberg geholt, um hier Geldgeber zu finden und den Verein finanziell voranzubringen. Allerdings mischte er sich bereits frühzeitig auch in sportliche Belange ein, was in der Entlassung von Trainer und Sportdirektor Dietmar Demuth gipfelte. Von da an wurde seine Person und seine Tätigkeit in diesem Verein sehr kritisch hinterfragt, da auch die dringend notwendigen Geldgeber trotz des Verpflichtens der sportsmen-Group weiter ausblieben. Jeder fragte sich, was dieser GF (Geschäftsführer, d. Red.) eigentlich noch macht, wenn er seine Aufgaben an den Vermarkter übergibt. Diese Fragen wurden auch auf einer Mitgliederversammlung im Oktober 2012 nicht hinreichend beantwortet, so dass es auf dieser zum Antrag kam, der ARA (Aufsichtsrat, d. Red.) möge die Beurlaubung des GFs prüfen. Daraufhin gab es durch Herrn Brüggemann weitere unprofessionelle und aus unserer Sicht klar vereinsschädigende Äußerungen in der Öffentlichkeit und der Presse.

Nun wurde er vor zwei Wochen vom neuen Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Wiedemann in den neuen Vorstand berufen und ist nunmehr als Geschäftsführer und Vorstand Sport (also, als eine Art Sportdirektor) tätig. Kurz nach der Berufung in den Vorstand, bekamen vier Nutzer des unabhängigen Vereinsforums Post von der Polizei mit einer Anzeige wegen Verleumdung. Diese Anzeigen sollen laut Aussagen von Herrn Brüggemann bereits im Oktober 2012 gestellt worden sein. Das Publik werden zum jetzigen Zeitpunkt, also nach Berufung in den Vorstand und vor der Mitgliederversammlung am 12.03.2013, lässt allerdings auch viel Interpretationsspielraum.

Zum Inhalt der Anzeige können wir nicht viel sagen, auch zum Schutz der betroffenen Personen. Die Äußerungen stehen jedoch im Zusammenhang mit der Tätigkeit von Herrn Brüggemann in seiner Beraterfirma, der Brüggemann und Partner Consulting GmbH, in der er laut PNN-Recherche vom vergangenen Wochenende immer noch als Geschäftsführer tätig ist.

Wer von Fanseite ist betroffen?

Namen können wir hier natürlich nicht nennen. Nur so viel: Es handelt sich um Leute, die sehr aktiv in der Fanszene des SVB sind und dadurch keine Unbekannten. Bei einem handelt es sich sogar um einen recht bekannten Potsdamer Kommunalpolitiker. Die Auswahl der angezeigten Personen zeigt bestenfalls, dass Herr Brüggemann kein Verständnis dafür hat, wie die Babelsberger Fanszene tickt und schlimmstenfalls zeigt sie auf, wie hier eine von außen in den Verein gekommene Person versucht langjährige, verdiente, ihr unliebsam gewordene Fans zu beschädigen.

Welche Schritte wurden bereits unternommen und werden folgen?

Da die ganze Geschichte erst Ende letzter Woche bekannt wurde, gab es am Wochenende beim Heimspiel natürlich Forderungen der Fankurven mit „Brüggemann RAUS!“-Rufen und entsprechenden Spruchbändern.

Am Tag zuvor haben wir als Fanbeirat unsere Stellungnahme noch vor der Pressekonferenz zur Vorstellung des neuen Vorstandes an den VV versendet und veröffentlicht. Auch weitere, sich „Engagierte Fans“ nennende Anhänger des Vereins haben sich bereits am Donnerstagabend (28.02.) öffentlich geäußert und die entsprechenden Konsequenzen gefordert.

Zudem wird es ein Gespräch zwischen dem VV und uns Fanbeirat geben. Weiterhin ist absehbar, dass kommende Woche auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung (am 12.03.2013) wieder entsprechende Anträge gestellt werden und die Fans auch beim kommenden Auswärtsspiel in Aachen ihre Forderungen wieder laut und sichtbar publik machen werden.

 

FOTO: Flohre Fotografie

 

   

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