Strittige Szenen am 3. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

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© imago/deFodi

Der Freistoß für Wiesbaden, die Elfmeter für Rostock und Braunschweig, die verwehrten Strafstöße für Münster, Kaiserslautern, Osnabrück und Karlsruhe sowie die nicht gegebenen roten Karten gegen Fechner (FCK) und Schau (Jena). Am 3. Spieltag hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de zehn Szenen genauer angeschaut.

Hintergrund: Babak Rafati war viele Jahre Bundesliga & FIFA Schiedsrichter. Insgesamt leitete der heute 48-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit-, 13 Drittliga- und zahlreiche internationale Spiele. Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter jeden Spieltag die strittigen Szenen, die durch die Redaktion im Vorfeld ausgewählt werden. Zudem ist er Kolumnist und TV-Experte für Bundesliga-Spiele. Im Hauptberuf ist Rafati heute Mentalcoach für Profifußballer und Manager sowie ein viel gefragter Referent in der freien Wirtschaft, u.a. bei DAX-Unternehmen zum Thema Stressmanagement und Motivation (www.babak-rafati.de).

Szene 1: Kai Bülow (Hansa Rostock) und Niklas Schmidt (Wehen Wiesbaden) gehen zum Ball, dabei geht Schmidt zu Boden. Schiedsrichter Florian Heft entscheidet auf Freistoß, aus dem das 2:2 fällt. [TV-Bilder – ab Minute 1:57:40]

Babak Rafati: Schmidt wird kurz vor dem Rostocker Strafraum angespielt. Er schaut kurz nach hinten und sieht Bülow hinter sich postiert. Als er den Ball erhält, dreht er sich geschickt nach hinten in den Gegenspieler und kommt zu Fall. Er täuscht somit ein Foulspiel vor. Man könnte auch sagen, dass das clever ist. Bülow verhält sich absolut korrekt und begeht kein Foulspiel. Obwohl der Schiedsrichter optimal zum Zweikampf steht und freie Sicht hat, entscheidet er unerklärlicherweise auf Freistoß für Wiesbaden. Das ist eine Fehlentscheidung.

Szene 2: Eine Flanke in den Strafraum fälscht Sascha Mockenhaupt (Wehen Wiesbaden) kerzenförmig ab, SVWW-Keeper Markus Kolke will anschließend eine Ecke verhindern und setzt seinen Körper gegen Königs (Rostock) ein. Dieser geht dabei zu Boden, es gibt Elfmeter für Rostock. [TV-Bilder – ab Minute 2:04:10]

Babak Rafati: Bei diesem Zweikampf im Wiesbadener Strafraum will Kolke zum Ball und ihn klären. Es kommt zum Kontakt mit Königs, der diesen dankend annimmt und spektakulär zu Fall kommt. Das ist jedoch ein fußballtypischer Zweikampf und regelgerecht. Diesen Zweikampf als Foulspiel zu bewerten, ist daher eine Fehlentscheidung. Die Körpersprache des Schiedsrichters bei der Strafstoßentscheidung ist alles andere als überzeugend. Womöglich beschäftigt er sich noch mit der Freistoßszene ein paar Minuten zuvor. Das sind die Szenen, bei gerne von Konzessionsentscheidungen gesprochen wird.

 

Szene 3: Nach einem Freistoß berührt Janik Sternberg (1. FC Kaiserslautern) einen Schuss von Simon Scherder (Preußen Münster) im Strafraum mit der Hand, einen Elfmeter gibt Schiedsrichter Robert Kempter nicht. [TV-Bilder – ab Minute 52:30]

Babak Rafati: Sternberg nimmt beide Arme über den Kopf und vergrößert damit zweifellos seine Körperfläche – anschließend bekommt er den Ball im eigenen Strafraum an die Hand. Dabei ist unwesentlich, dass der Schuss kurzer Distanz erfolgt. Das ist ein absichtliches Handspiel und hätte mit einem Strafstoß für Münster bestraft werden müssen. Eine Fehlentscheidung.

Szene 4: Im Strafraum am Boden liegend, stoppt Florian Dick (1. FC Kaiserslautern) den Ball gegen Tobias Rühle (Preußen Münster) mit der Hand. Erneut lässt Kempter weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 1:40:05]

Babak Rafati: Eine sehr enge Entscheidung. Dick rutscht zunächst im eigenen Strafraum an der Torlinie zum Ball und will die Flanke von Rühle blocken. Hierbei hat er noch eine natürliche Körperhaltung. Als ihn Rühle umspielen will, lässt er bewusst den ausgestreckten Arm am Boden und verhindert mit dem anschließenden Handspiel, dass Rühle ihn ausspielt. Das ist ein absichtliches Handspiel und auch hier hätte es einen Strafstoß für Münster geben müssen. Erneut eine Fehlentscheidung.

Szene 5: Der bereits verwarnte Gino Fechner (1. FC Kaiserslautern) bringt Tobias Rühe (Münster) zu Fall, sieht aber keine Karte. [TV-Bilder – ab Minute 1:46:40]

Babak Rafati: Der Schiedsrichter steht sehr gut und hätte den Vorgang eigentlich gut sehen müssen. Der bereits verwarnte Fechner springt vor dem eigenen Strafraum mit offener Sohle in Rühle hinein und trifft ihn am Knöchel. Das ist ein gelbwürdiges Vergehen und hätte entsprechend geahndet werden müssen, was in der Folge die gelb-rote Karte bedeutet hätte. Eine Fehlentscheidung, die Karten stecken zu lassen.

Szene 6: Im Duell um den Ball geht Christoph Heimlein (1. FC Kaiserslautern) gegen Niklas Heidemann (1. FC Münster) im Strafraum zu Fall. Kein Elfmeter, sagt Kempter. [TV-Bilder – ab Minute 1:49:20]

Babak Rafati: Das ist ein sauberer Zweikampf, auch wenn sich Heimlein fallen lässt und einen Strafstoß haben möchte. Eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen.

 

Szene 4: Philip Hofmann (Eintracht Braunschweig) kommt im Strafraum an das Leder und geht nach einer Berührung von René Lange (FSV Zwickau) zu Boden. Schiedsrichter Timo Gerach gibt Elfmeter für Braunschweig. [TV-Bilder – ab Minute 2:35]

Babak Rafati: Lange spielt im eigenen Strafraum nur den Ball und trifft Hofmann überhaupt nicht. Hofmann wiederum tritt ins Leere und lässt sich anschließend theatralisch fallen. Wenn der Schiedsrichter etwas mehr zum Geschehen eingerückt und nicht stehen geblieben wäre, hätte er besser erkennen können, dass kein Foulspiel vorliegt. Eine Fehlentscheidung, diesen Strafstoß zu geben.

 

Szene 8: Adriano Grimaldi (1860 München) wehrt eine Flanke im Strafraum mit dem Arm ab, Schiedsrichter Patrick Ittrich lässt weiterlaufen. [TV-Bilder – ab Minute 1:49:50]

Babak Rafati: Grimaldi schießt sich den Ball beim Klärungsversuch im eigenen Strafraum unabsichtlich an die Hand und hat dabei eine natürliche Körperhaltung. Die Arme werden nicht zur Vergrößerung der Körperfläche eingesetzt. Somit liegt keine Absicht vor und der Schiedsrichter entscheidet aus einer guten Position richtigerweise auf Weiterspielen.

 

Szene 9: Nach einer Flanke von Florent Muslija kommt Martin Röser (Karlsruher SC) im Strafraum an den Ball, wird von Sebastian Schiek (Fortuna Köln) am Fuß getroffen und zu Fall gebracht. Kein Elfmeter, sagt Schiedsrichter Sören Storks. [TV-Bilder – ab Minute 1:55]

Babak Rafati: Eine sehr enge Kiste, die für den Schiedsrichter nicht einfach ist und nur durch die Fernsehbilder aufgelöst werden kann, zumal der Schiedsrichter richtig steht. Röser will den abprallenden Ball unmittelbar vor dem Tor ins Kölner Tor schießen, wird jedoch von Schiek am Fuß getroffen, sodass er nicht ungehindert schießen, sondern den Ball nur leicht touchieren kann und schlussendlich zu Fall kommt. Hier hätte es einen Strafstoß für Karlsruhe und die gelbe Karte gegen Schiek geben müssen. Somit eine Fehlentscheidung.

 

Szene 10: Als letzter Mann wird Pascal Sohm (Hallescher FC) im Laufduell von Justin Schau (Carl Zeiss Jena) zu Fall gebracht. Der HFC fordert Rot, Schiedsrichter Tobias Reichel zeigt Schau jedoch Gelb. [TV-Bilder – ab Minute 1:56:20]

Babak Rafati: Die Regel besagt, dass eine glasklare Torchance innerhalb von wenigen Sekunden vorliegen muss, damit eine rote Karte wegen einer Notbremse gezeigt werden kann. Hier geht es also um die Distanz zwischen Vergehen und Tor. Auch die Position und Anzahl anderer Verteidiger, die hätten eingreifen können, spielen eine Rolle. In dieser Szene, ein paar Meter hinter der Mittellinie, ist der Mitspieler von Schau allerdings etwas weiter weg, dieser hätte somit nicht mehr eingreifen und Sohm ablaufen können. Es hätte folglich die rote Karte wegen Verhinderung einer klaren Torchance geben müssen. Eine Fehlentscheidung, nur Gelb zu zeigen.

 
  • Jörg Stubbe

    Kempter gehört zu der Gilde der typisch schlechten deutschen Schiedsrichtern ( die WM lässt grüßen). Nur in Deutschland ist es so, daß die sogenannten Unparteiischen gegen jegliche Kritik geschützt sind. Da es keine öffendliche Kritik geben darf können diese Fuscher weiter dem Fussball schaden.

  • Meister Hyde

    Es war schon extrem auffällig wie einseitig Kaiserslautern bevorzugt wurde. Zum Glück wurde der SC Preußen da durch nicht um die Früchte seiner Arbeit gebracht.
    Hoffentlich machen das die nächsten Schiedsrichter besser. Ein dauerhafter Betzenbergbonus wäre Wettbewerbsverzerrung. Grundlage der Entscheidungen darf nicht die Größe des Stadions oder des Fanblocks sein sondern einzig und allein die Regeln. Damit hatte es Herr Kempter nicht so.

    • Thomas Horstmann

      in der Schirigilde scheint man sich gegen die Preußen verschworen zu haben…auch gegen Jena musste ein Elfer für Münster gegeben werden.

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