Streit der Klubs: Die nächste Eskalationsstufe ist erreicht

Gerade mal vier Tage hielt er, der Burgfrieden zwischen den Vereinen nach der letzten gemeinsamen Sitzung am vergangenen Dienstag. Eine E-Mail von Waldhof-Geschäftsführer Markus Kompp entfachte das Feuer nun wieder, der Streit der Drittligisten hat die nächste Eskalationsstufe erreicht. Ein Kommentar.

Risse wohl nicht mehr zu kitten

Dass die 3. Liga in der Frage, wie es in der Coronakrise weitergehen soll, gespalten ist, ist schon seit einiger Zeit nicht mehr zu leugnen. Während acht Klubs den Abbruch der Saison fordern, wollen sieben Vereine weiterspielen. Die übrigen fünf Drittligisten halten sich bisher bedeckt. Noch Mitte März hatte Tom Eilers, Vorsitzender des Ausschusses 3. Liga, betont, dass es untereinander die "größtmögliche Solidarität" brauche, um die Situation zu bewältigen. Doch davon ist schon lange nichts mehr zu spüren. Ausgerechnet in ihrer größten Krise driftet die Liga auseinander. Und als wären die ohnehin kaum noch zu kittenden Risse zwischen den Klubs nicht schon groß genug, sorgte am Wochenende eine E-Mail von Waldhof-Geschäftsführer Markus Kompp für neuen Zündstoff. 

Schwere Vorwürfe

In dem Schreiben an den DFB und die übrigen Vereine erklärt er, dass der Todesfall in einer Spieler-Familie der "entscheidende Grund" sei, warum Mannheim einen Abbruch der Saison fordert. Was folgte, war ein Sturm der Entrüstung bei vielen Fans und Klubs. Der schwere Vorwurf: Kompp nutze das tragische Ereignis sportpolitisch, um der Forderung nach einer Einstellung des Spielbetriebs und Wertung der aktuellen Tabelle Nachdruck zu verleihen. Denn bei diesem Szenario würde Mannheim aufsteigen. Der Waldhof-Geschäftsführer wies sämtliche Anschuldigungen zurück, sprach von einer "Frechheit" und argumentierte, dass er sich nach dem Todesfall, der sich bereits Ende März ereignet hatte, nicht direkt geäußert habe. Die Veröffentlichung zu diesem Zeitpunkt – kurz vor der anstehenden Video-Konferenz am heutigen Montag – sei auf Wunsch eines Spielers erfolgt.

Diskussion "unangebracht"

Die Schärfe, mit der die Diskussion mittlerweile geführt wird, macht einmal mehr deutlich, wie weit die Vereine mittlerweile voneinander entfernt sind. Da es sich um einen Todesfall handelt, stellt sich auch die Frage nach der Ethik: "Ich finde es unangebracht, bei einem Todesfall über Fortführung oder Abbruch der Drittliga-Saison zu reden", sagt Zwickaus Sportchef Toni Wachsmuth in der "Bild". Doch dass es dazu gekommen ist, macht nochmals klar: Ein Konsens ist nicht mehr möglich. Die Hoffnung des DFB, dass alle Vereine an einem Strang ziehen und gemeinsam für die Liga kämpfen werden, dürfte sich mittlerweile in Luft aufgelöst haben. Klagen scheinen bereits vorprogrammiert – ganz egal, ob die Saison fortgesetzt oder abgebrochen wird. Das wäre dann die nächste Eskalationsstufe. Es ist kein gutes Bild, das die Liga derzeit abgibt.

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