Sprengstoff-Anschlag: Preußen-Fan muss für 5 Jahre in Haft

Es war trauriger Höhepunkt des am 10. September 2011 stattgefundenen Derbys zwischen dem VfL Osnabrück und Preußen Münster: Kurz vor Anpfiff der Partie detonierte ein Cola-Dosen großer Sprengkörper im ehemaligen Spielertunnel der Osnabrücker osnatel ARENA, 33 Menschen wurden dabei verletzt. Der Bombenwerfer war der 24-jährige aus Italien stammende Preußen-Fan Juri C., der heute vor dem Osnabrücker Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren verurteilt wurde – damit gingen die Richter gar noch ein halbes Jahr über die von der Staatsanwaltschaft geforderten viereinhalb Jahre Haft hinaus.

Tat "von langer Hand geplant"

24 Jahre jung, Italiener und Anhänger des SC Preußen Münster. Das ist Juri C., der am 10. September 2011, wie er selbst gestanden hatte, einen Sprengstoff in den ehemaligen Spielertunnel der Osnabrücker osnatel ARENA warf. Gerade dass Juri C. aus Italien stammt, sollte sich laut der Verteidigung strafmildernd auf das Urteil auswirken – denn in Italien sei Pyrotechnik ein wichtiger Bestandteil der Fankultur. Fanforscher Dr. Gunter Pilz, den das Osnabrücker Landgericht zur Aufklärung über die italienische Fankultur heranzog, erläuterte jedoch, dass auch in Italien das Werfen von Sprengkörpern streng verboten sei. Die Verteidigung zog auch den Alkohol- und Drogenkonsum des Täters unmittelbar vor der Tat zur Strafmilderung heran – doch diesen Versuch, Strafmilderung zu erreichen, entkräftigten die Richter. Denn auf dem Handy des Angeklagten wurde eine SMS gefunden, die klar auf die Tat hinweise. Juri C. habe mit "Alle töten, alle töten, alle töten" auf diese SMS geantwortet. Ebenfalls wies eine Zeugin darauf hin, dass schon lange vor dem Derby in Osnabrück in der Münsteraner Fanszene von einem "großen Ding", welches hochgehen soll, die Rede war. Daher geht das Gericht davon aus, dass die Tat "von langer Hand geplant" gewesen sein soll.

Angeklagter Teil einer Ultra-Gruppierung?

Wie Juri C. angab, habe er bewusst auf das Dach des ehemaligen Spielertunnels geworfen – nur durch einen unglücklichen Zufall sei der Sprengstoff durch einen Schlitz in den Spielertunnel gefallen. Nachdem die Tat im Stadion nachgestellt wurde, war klar: Gerade im alkoholisierten Zustand ist es kaum möglich, auf das sechs Meter breite Dach zu werfen. Dass der 24-Jährige Kontakt zur ehemaligen Münsteraner Ultra-Gruppierung "Curva Monasteria" hatte, wurde durch die bei den Verhandlungen ständige Anwesenheit von eben diesen ehemaligen Ultras klar. Die "Curva Monasteria" hatte Gerüchten zufolge ihr Banner in einem Zug vergessen, welches daraufhin von Mainzer Fans gefunden und mitgenommen worden sei. Durch den guten Kontakt, den Osnabrücker Ultras zu Mainzer Ultras führen, sei das Banner in die Hände der Osnabrücker Ultra-Szene gelangt. Daraufhin hatte sich die Preußen-Gruppierung nicht nur aufgelöst – auch eine Art Rache soll geplant gewesen sein. Wahrscheinlich soll diese Rache der Sprengstoffanschlag gewesen sein und der Italiener Juri C. hatte dafür wohl das leicht gefundene "ausführende Organ" dargestellt.

33 Menschen verletzt

Am Ende trägt nicht nur der Angeklagte die Konsequenzen – auch die verletzten Personen müssen zum Teil noch heute unter bleibenden Schäden leiden. Insgesamt wurden 33 Menschen bei der Explosion verletzt, darunter auch Kinder. Viele der Personen, die nur unmittelbar neben dem detonierten Sprengstoff standen, leiden noch heute unter Folgeschäden wie Tinnitus, Schlafstörungen und Traumata. Wie der 24-Jährige angab, habe er aber keine Menschen verletzen wollen. Den Geschädigten ließ der Angeklagte sogar Entschuldigungsbriefe zukommen, die jedoch für viele der Verletzten nicht den Eindruck machten, als hätte sich der Preußen-Fan für diese große Mühe gegeben.

Urteil: 5 Jahre Haft

Am heutigen Freitag, dem letzten Verhandlungstag, verkündeten die Richter des Osnabrücker Landgerichts ihr Urteil. Juri C. wurde für das "Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung" zu fünf Jahren Haft verurteilt. Außerdem muss der 24-Jährige die Kosten des Strafverfahrens tragen sowie 47.000 Euro Schmerzensgeld an die Nebenkläger, die in diesem Fall die Geschädigten sind, zahlen. Vor einer Woche hatte die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer lediglich viereinhalb Jahre Haft beantragt, da sie anders als das Gericht nicht von einer geplanten Tat ausging. Nur selten kommt es vor, dass das Gericht ein schärferes Urteil spricht als die Staatsanwaltschaft fordert. Die Verteidigung des Angeklagten plädierte auf nur drei Jahre Haft im offenen Vollzug. Nach der Urteilsverkündung kündigte der Rechtsanwalt von Juri C. an, beim Bundesgerichtshof einen Revisionsantrag gegen das Urteil zu beantragen. Juri C., der schon seit seiner Festnahme eine Woche nach der Tat in Untersuchungshaft sitzt, wird auch bis zum Inkrafttreten des Urteils wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft bleiben.

Für die Berichterstattung von liga3-online.de wurde die Berichterstattung von verschiedenen Medien (Neue Osnabrücker Zeitung, Westfälische Nachrichten, os1.tv) verfolgt. Ein Redakteur von liga3-online.de war während des Prozesses nicht anwesend.

FOTO: Flohre Fotografie

   
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