Sieben Punkte aus vier Spielen: Der VfB ist angekommen

Aufsteiger aus der Regionalliga Nord hatten es in der jüngeren Vergangenheit schwer: 2021 stieg der VfB Lübeck direkt wieder ab, 2022 ging es auch für den TSV Havelse sofort zurück in die Regionalliga. Nun probiert sich der VfB Oldenburg, und siehe da: Chancenlos ist die Mannschaft von Dario Fossi in der 3. Liga ganz sicher nicht. 

Sieben Spiele auf Augenhöhe

Stürmer, das steht bei Max Wegner klar vermerkt. Der 33-Jährige weiß selbst, dass er nie der Treffsicherste seiner Zunft war. Einen Doppelpack hatte er bis zum vergangenen Wochenende etwa in immerhin 96 Drittliga-Spielen nie erzielt. Wie passend war es, dass der Knoten des Kapitäns beim 4:3 über den VfL Osnabrück dann auch noch platzte, und das mit zwei technisch hochwertigen Toren. Oldenburg glänzte, beging zwar auch Fehler, aber zeigte Spielfreude und unbändigen Einsatz. Längst ist die Scheu eines Liganeulings abgelegt und einer kessen, frechen Einstellung gewichen: Wer ist Osnabrück? Mehr als 20 Jahre nach dem bis dato letzten Aufeinandertreffen war es Zeit für den nächsten Derbysieg, nicht ganz so kostbar wie das 5:0 im Landespokal gegen Hauptrivale Meppen vor einigen Wochen. Keines der Niedersachsenduelle ging bis dato verloren, was Beweis ist für die These: Der VfB hat eine Mannschaft, die Leistung auf den Punkt liefert.

Klar schlechter war die Fossi-Elf in ihren sieben Punktspielen nie. Nicht beim 0:1 als Gast von Übermannschaft 1860 München, nicht beim 0:2 in Halle, als wenige schläfrige Minuten den Punkt kosteten, und auch nicht beim 2:3 gegen Elversberg, wo eine Führung in der Schlussphase verspielt wurde. Keine Schande gegen den spielstärksten Aufsteiger, auch wenn die bislang einzige Niederlage im Stadion am Marschweg doch etwas schmerzte. Eine kleine Festung ist die gar nicht so hexenkesseltaugliche Heimstätte im Süden der Stadt aber doch geworden, nervig für jeden Gegner und ebenso die Anwohner, die nach wenigen Spielen mit 4.000 bis 9.000 Zuschauern bereits rebellieren. Zu laut! Zu chaotisch! Auch das ist eine Geschichte dieses Aufstiegs, der den lange in der Regionalliga modernden VfB zum neuen Sportmagneten einer Region gemacht hat. Platz 11 in der Zuschauertabelle ist mindestens ebenso respektabel wie Platz 12 im sportlichen Bereich.

Trainer Fossi: "Wir sind drittligareif!"

Umso bemerkenswerter ist der Erfolg, als dass Aufstiegsheld Ayodele Adetula noch keine Saisonminute auf dem Konto stehen hat – Außenbandriss. Als dass sich der einzige Startransfer, den das Budget hergab, Ex-St.-Paulianer Christopher Buchtmann, beim Debüt in Duisburg gleich das Wadenbein brach. Die Mannschaft, die da derzeit für ordentlich Furore sorgt und zuletzt sieben Punkte aus drei Partien holte, ist weiterhin eine mit nur sehr punktueller Erfahrung. Zusammengehalten wird sie von Wegner, Manfred Starke und Oliver Steurer, die als Achse des Teams vorbestimmt scheinen, auch Sebastian Mielitz als Torhüter kann sich hier noch einbringen, zuletzt agierte er unglücklich.

Trainer Fossi ist auch ein recht unbeschriebenes Blatt, noch coacht er mit Sondererlaubnis, den Fußballlehrerschein macht er parallel zur Saison. Selbstbewusstsein verkörpert der Deutsch-Italiener, der sich einst als Trainer bei Stadtrivale VfL Oldenburg für den Posten empfahl, aber genug: "Wir sind drittligareif!", sagte er mit Nachdruck beim NDR, als die Siegesparty nach dem Osnabrück-Spiel gerade begonnen hatte.

Machbare Aufgaben bis Mitte Oktober

Gut: Zum Klassenerhalt wird der VfB noch 35 bis 37 Zähler, sprich zehn weitere Siege und ein paar Unentschieden einfahren müssen. Die ersten davon sollen schon in den kommenden Wochen folgen, die vermeintlich machbar klingen: Es geht zum bis dato merkwürdig apathischen BVB II, dann kommt Bayreuth, ein Auswärtsspiel bei Viktoria Köln und am 8. Oktober schließlich das aktuelle Schlusslicht Erzgebirge Aue – nur Köln steht derzeit in der Tabelle vor den Oldenburgern. Zuletzt kamen die neuen Terminierungen heraus, und siehe da: Dank Nachmittagsterminen bleibt ein Umzug ins ferne Hannover weiterhin erspart. Es läuft beim VfB Oldenburg – und das in jederlei Hinsicht.

 
Back to top button