Schenkers Steilvorlage #7: Rekordsaison mit Wermutstropfen

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Nele Schenker, bekannt als Moderatorin bei "Magenta Sport", stellt in der Kolumne "Schenkers Steilvorlage" ihre Sicht zu den Geschehnissen in der 3. Liga dar. Heute: Ausgabe 7.

Ein echter Wahnsinn

Die 11. Saison der 3. Liga war ein echter Wahnsinn! Einfach wahnsinnig spannend bis zum großen Saisonfinale. Was haben die Fans gehofft und gezittert, gefeiert und geweint. Uns wurde die ganze Palette geboten: Neue Herausforderungen und einige Rekorde, eine große Überraschung und auch eine bittere Pille.

Zugegeben: Diese Saison werde ich so schnell nicht vergessen und damit werde ich sicher nicht die Einzige sein. Diese Spielzeit hat sich nicht nur in die Köpfe eingebrannt, nein auch in die Geschichtsbücher eingetragen: Erstmals wurde die Marke von drei Millionen Zuschauern geknackt. 14 Trainer werden sich ungern erinnern, sie mussten Ihren Hut nehmen – Rekord eingestellt. Erstmals nahm keine zweite Mannschaft teil, erstmals gab es Montagsspiele und vier Absteiger. Das sind die Erfolgszutaten und Zahlen, die größte Erfolgsstory lieferte der VfL Osnabrück. Ja ich gebe zu, ich bin happy, eine Überraschung zu Saisonbeginn vorausgesagt zu haben. Dass Osnabrück, der Vorjahres-Siebzehnte, nicht nur eine Rolle spielt, sondern sogar die Meisterschaft holt, das toppt allerdings jegliche Prognose. Chapeau an die herrlich wilde Truppe um Daniel Thoiune – ihr habt uns alle überrascht und uns viel Spaß gemacht. Es gilt ein dickes Respekt an die Bremer Brücke zu schicken! Aber natürlich auch Glückwünsche zum Aufstieg an den KSC, der sich die Relegation wie erwartet nicht nochmal antun wollte.

Totgesagte leben länger

Absehbar war auch, dass der vierte Absteiger die Teams fordern würde wie noch nie. Ohne Frage: Diese Neuerung hat im Vergleich zu den Vorjahren viel mehr Pfeffer in die Liga gebracht und uns Spannung bis zum allerletzten Spieltag beschert. Zeitweise hing die Hälfte der Liga im Abstiegskampf. Selbst die zur Winterpause sicher geglaubten und dann abgestürzten Hachinger und auch die vor allem abseits des Platzes für Aufsehen erregenden Krefelder waren nicht sicher.

Neben den Abstürzen wurden aber auch Aufholjagden geboten, die ihresgleichen suchen. Absteiger Eintracht Braunschweig hatte so manch einer zur Halbserie schon durchgereicht gesehen. Dort half eine winterliche Rundumerneuerung, in Jena ein Griff in die Psychotrickkiste. Trainer Lukas Kwasniok erfand eine ganz eigene Tabelle für die letzten sieben Spieltage und feierte folglich mit Jena die "kleine Meisterschaft" und die größte Aufholjagd der Drittliga-Geschichte. Totgesagte leben länger – seither keine Floskel mehr!

Auch, dass Freud und Leid nah beieinander liegen nicht. Cottbus stieg am letzten Spieltag ab, weil ein einziges Tor fehlte. Das hat ganz sicher keine Mannschaft verdient. Zumal die Aufstiegsregelung nach wie vor nicht geklärt ist und die 3. Liga in Vorleistung gegangen war. Da half auch kein "Stillstehen gegen den Stillstand". Für mich der Wermutstropfen dieser Spielzeit. Was bleibt also unter demm Strich? Eine herausragende und bewegende Saison! Danke 3. Liga! Auf dass die nächste Spielzeit ein ähnlicher Wahnsinn wird.

   
  • Juppidu

    Kleine Steilvorlage an Frau Schenker. Der Spieler, der bei Jena gesperrt war hieß Schau und nicht Scheu. Der Herr Scheu ist gerade nach Sandhausen gewechselt. ;)

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