Verl: Schon zum Trainingsauftakt ein hochspannender Kader

Der Siebte der vergangenen Saison wusste so früh wie kaum ein Kontrahent, dass auch über den Sommer hinaus mit der 3. Liga geplant werden kann. Drum machte der SC Verl ganz schnell Nägel mit Köpfen. Und siehe da: Zum Trainingsauftakt an diesem Donnerstag stehen große Teile des Kaders schon. Wir nehmen ihn unter die Lupe.

In dieser Woche bittet Trainer Guerino Capretti seine Spieler wieder auf den Rasen – am heißesten Tag des bisherigen Jahres dürften die Profis auch bei einfachen Übungen schnell ins Schwitzen kommen. Nicht nur um Capretti selbst gab es lose Gerüchte größerer Vereine (SC Paderborn, Darmstadt 98), auch viele Leistungsträger der vergangenen Saison erhielten lukrative Angebote – nicht jeder konnte gehalten werden. "Der SC Verl muss weiter jungen, talentierten, ehrgeizigen und lernbereiten Fußballern die Möglichkeit bieten, im Profibereich zu spielen und so auf sich aufmerksam machen zu können, dass sie vielleicht auf ihrer nächsten Station richtig Geld verdienen können", sagte Vorsitzender Raimund Bertels kürzlich in der "Neuen Westfälischen". Was ist mit einem zwar leicht erhöhten, aber weiterhin im Ligavergleich bescheidenen Jahresetat von bis zu vier Millionen Euro möglich? 13 Zugänge stehen 13 Abgängen gegenüber – wir analysieren die Mannschaftsteile.

Tor

Stammtorhüter Robin Brüseke, der in 35 Partien der abgelaufenen Saison zum Einsatz kam, bleibt an Bord. Er bekommt jedoch namhafte Konkurrenz: Die Freiburger Leihgabe Niclas Thiede (22) stößt mit viel Regionalliga-Erfahrung sowie einem Bundesliga-Spiel auf dem Buckel zu den Ostwestfalen. Thiede hat eine sehr gute Ausbildung genossen und kommt nicht für den Nummer-zwei-Status. Offen ist noch, ob Till Brinkmann als dritter Keeper erhalten bleibt, sein Vertrag läuft am 30. Juni aus.

Außenverteidigung

Hinten links verliert Verl Lars Ritzka, der nach zwei erfolgreichen Jahren vom FC St. Pauli abgeworben wurde und künftig in der 2. Bundesliga spielt. Um seine Nachfolge rangeln zwei Talente: Der 22-jährige Luca Stellwagen kommt von Viktoria Köln, der 21-jährige Migel-Max Schmeling von Borussia Dortmund II. Beide haben nur wenige Spiele Drittliga-Erfahrung, ihnen aber wird zugetraut, die offensivdenkende Rolle Ritzkas an der linken Außenlinie zu übernehmen. Auf rechts ist die Lage komfortabler: Nachverpflichtung Christopher Lannert hat sich im Spätherbst 2020 ins Team gearbeitet und ist seitdem Stammkraft. Seine Vertreter sind künftig nicht mehr Steffen Lang und Patrick Choroba, die Verl verlassen, sondern Nico Ochojski (22), der von Fortuna Köln (61 Regionalliga-Spiele) kommt.

Innenverteidigung

Hinten werden es weiter bewährte Namen richten: Bis auf Yannick Langesberg (RW Essen) und den kaum eingesetzten Leander Siemann bleibt die Fluktuation gering. Kapitän Julian Stöckner, Urgestein Daniel Mikic und der schnell eingewöhnte Lasse Jürgensen sind drei zuverlässige Optionen, auch von ihnen wird aber kontinuierliche Verbesserung erwartet: 55 Gegentore sind gewiss kein desaströser Wert, verbesserbar ist er aber allemal. Dazu beitragen sollen Frederik Lach, der nach langer Verletzungspause zuletzt sein Comeback feierte, sowie als Neuzugang der Zwei-Meter-Riese Cottrell Ezekwem (22) von Regionalligist Homberg – unter anderem wurde Ezekwem beim FC Bayern München ausgebildet.

Mittelfeld

Ein Sechser, zwei Achter: Das 4-3-3-System von Trainer Capretti hatte über die ganze Saison Bestand, mochte daher leicht berechenbar sein, war aber auf dem Feld doch meist unangenehm zu bespielen. Der defensivere Mehmet Kurt (SV Wehen Wiesbaden) als auch Spielgestalter Philipp Sander (nach Leihe zurück bei Holstein Kiel) brechen als Stammspieler weg, auch Osnabrück-Leihgabe Sven Köhler fehlt und Winter-Glücksgriff Mael Corboz wird von den Zweitliga-Aufsteigern aus dem Osten umworben. Die neuen Optionen sind auf der Sechs Tom Baack (22/Leihe von Jahn Regensburg), Vinko Sapina (26/SSV Ulm), eine Reihe weiter vorn Lukas Petkov (20/Leihe vom FC Augsburg) – allesamt gut ausgebildet und mindestens Regionalliga-erprobt, Baack kommt mit etwas Erfahrung aus der 2. Bundesliga. Weiter dabei: der solide Sascha Korb, Rückkehrer Barne Pernot nach dessen Kreuzbandriss sowie Julian Schwermann, bei dem bei konstanter Entwicklung der Durchbruch bevorstehen könnte.

Außenstürmer

Auch hier ist der Aderlass groß: In Aygün Yildirim geht der technisch versierteste Stürmer zu Jahn Regensburg, Berkan Taz schließt sich der BVB-Reserve an, Joker Nico Hecker verlässt den SC Verl nach neun Jahren, nachdem er in der vergangenen Saison aufgrund von zwei schweren Verletzungen nur sieben Spiele bestreiten konnte. Übrig ist in Kasim Rabihic, der starke 21 Scorerpunkte erzielte, immerhin noch ein Leistungsträger, auch der verletzungsgeplagte Patrick Schikowski hatte einige starke Spiele, Leandro Putaro zündete noch nicht. Mit Maximilian Franke aus der U19 von Hannover 96 hat Verl am Dienstag noch einen Flügelstürmer für die linke Seite verpflichtet. Bedarf besteht aber noch auf Rechtsaußen.

Mittelstürmer

Umbruch! Das gilt für keine Position mehr als für die Spitze. Torjäger Zlatko Janjic steht noch mit einem auslaufenden Vertrag da, der 35-Jährige könnte der Kaderverjüngung zum Opfer fallen. Justin Eilers, in der Rückrunde mit guten Momenten, ist bereits weg (Hallescher FC), so auch Matthias Haeder, mit mehr als 300 Pflichtspielen in elf Jahren eine kleine Klub-Ikone. Neu dabei ist dafür ein Quartett: Cyrill Akono (21) war zuletzt von Mainz 05 an den VfB Lübeck ausgeliehen, spielte auch für Preußen Münster bereits in der 3. Liga. Joel Grodowski (23) kommt direkt von den Adlerträgern aus der Regionalliga, so auch Valdrin Mustafa (23/RW Koblenz). Eine günstige Wette ist der 26-jährige Ron Berlinski, der von Meinerzhagen aus der 5. Liga kommt und eine reine Amateurkarriere hinter sich hat. Mehrere der Neuzugänge können bei Bedarf auf die Flügel rücken, was die Verler deutlich variabler macht.

Wie in den anderen Mannschaftsteilen gilt aber auch hier: Es kommen keine Stars mit Vorschusslorbeeren, sondern junge Spieler ohne große Profi-Erfahrung, die sich ihre Sporen noch verdienen müssen. Dies ist der Verler Weg – ob er sich auch im zweiten Drittliga-Jahr bewähren wird?

 

   
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