Saisonvorschau Wiesbaden: Aufstieg im siebten Anlauf?

 

Bevor die 3. Liga am 24. Juli in die neue Saison startet, blickt liga3-online.de auf die 20 Drittligisten und schätzt die Chancen der Teams ein. In der heutigen Ausgabe werfen wir einen Blick auf den SV Wehen Wiesbaden, der wie in jeder Saison höchst ambitioniert an den Start gehen wird und nichts anderes als die obersten Plätze anvisiert.

So lief die Vorbereitung

Trainer Sven Demandt sprach immer wieder von tollen Trainingsbedingungen und einem zusammenfindenden Team. Ihm steht allerdings auch ein schweres Erbe bevor, denn die Ansprüche sind zwischen Rhein und Main extrem hoch. Die Testspiele lieferten nur wenige Aufschlüsse über die Konkurrenzfähigkeit des bisherigen Kaders, denn Demandt wechselte munter durch und präsentierte gleich einige taktische Formationen. So sollten sich die Fans trotz der mageren Ergebnisse eines 0:2 gegen Waldhof Mannheim oder eines 2:2 im Vergleich mit dem 1.FC Saarbrücken nicht abschrecken lassen. Jüngst erst siegte der SVWW über den SV Elversberg mit 2:1 und agierte dabei laut Demandt „insbesondere defensiv konzentriert“ und lieferte eine „gelungene Leistung“ ab. Inwieweit diese Attribute aber auf den Saisonstart gegen die Würzburger Kickers übertragbar sein werden, ist selbst für echte Experten noch ausgesprochen schwierig zu beantworten.

Zugänge Abgänge
Maximilian Reule  (Chemnitzer FC) Tobias Jänicke (Hansa Rostock)
Sven Mende (Hamburger SV II) Jose Pierre Vunguidica (SV Sandhausen)
Fabian Franke (RB Leipzig) Raphael Laux (TuS Dietkirchen)
Patrick Mayer (1.FC Heidenheim) Robert Müller (VfR Aalen)
Marc Lorenz (Arminia Bielefeld) Julian Grupp (unbekannt)
Michael Vitzthum (1.FC Heidenheim) Florian Fromlowitz (unbekannt)
Kevin Pezzoni (FC Wohlen) Alexander Nandzik (Chemnitzer FC)

Wer soll noch kommen?

Auf jeder Feldspielerposition dürfte noch ein Spieler kommen, sofern er eine echte Verstärkung darstellt. Speziell im Sturm und auf der rechten Außenposition wird ein guter Spieler sicher nicht abgelehnt werden, um Patrick Mayer oder Kevin Schindler zu entlasten. Ansonsten wird Sven Demandt nicht müde zu betonen, dass sein Team bereits über eine gehörige Qualität verfügt.

Auf diesen Spieler sollte man achten

Ins Zentrum des Interesses hat sich Patrick Mayer gearbeitet. Der einstige Drittliga-Torschützenkönig versucht nach Jahren des Leidens nun beim SVWW, wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden. Bereits in der Vorbereitung stellte er sich immer wieder als der klar torgefährlichste Stürmer der Mannschaft von Trainer Sven Demandt dar. Es sieht ganz danach aus, als könnten seine Tore in dieser Spielzeit einen großen Anteil am möglichen Erfolg des SV Wehen Wiesbaden haben. Wichtig ist hierbei vor allem, dass Mayer in diesem Jahr von Verletzungen, die ihn die letzten Jahre immer wieder begleiteten, verschont bleibt.

Stärken

Die individuelle Qualität des Teams ist unbestritten. Spieler wie Marc Lorenz, Markus Kolke im Tor, Patrick Mayer oder Kevin Pezzoni würden in nahezu jedem Team der Liga einen Platz in der ersten Elf sicher haben. Eine echte Schwachstelle ist momentan auf keiner Position auszumachen, zudem drängen sich junge Talente wie Marius Kleinsorge, Luca Schnellbacher oder Daniel Wein mehr und mehr auf und machen den Etablierten gehörigen Dampf. So ist trotz der geringen Kaderbreite von bisher erst 19 drittligaerprobten Kickern ein echter Konkurrenzkampf zu erwarten. Zudem steht mit Sven Demandt dem SVWW nun ein Trainer an der Seite, der mit Borussia Mönchengladbach II bereits den Überraschungsmeister der Regionalliga West hervorbrachte: Auch er ist hungrig, zielstrebig und geht die große Aufgabe mit viel Ehrgeiz an.

Schwächen

Mit Jose Pierre Vunguidica und Tobias Jänicke wurden den Hessen beide Flügel förmlich „ausgerissen“ – kaum zu glauben, dass diese in der Folgesaison bereits adäquat ersetzt werden können. Zudem droht die Gefahr, dass die Spieler am internen Druck scheitern: Wohl jedem dürfte bekannt sein, dass die Rot-Schwarzen mit einigen finanzstarken Sponsoren im Rücken regelmäßig einen überdurchschnittlichen starken Kader stellen und der Aufstieg in jedem Jahr offen als Ziel ausgesprochen wird. Nur wenn sich die Elf früh in einen Rhythmus spielt und diesen nicht verliert, kann ein derartiger intern wie extern verursachter Druck verhindert werden.

Die Erwartungen der Fans

Die Anhänger des SVWW erwarten ebenso viel von ihren Spielern, wenngleich auch nicht ganz so intensiv wie die Vorstandsetage. Nach einigen ernüchternden Spielzeiten wären nicht wenige Zuschauer schon über regelmäßige beherzte und kämpferisch akzeptable Auftritte der Mannschaft erfreut: Zu oft hatten sich die Rot-Schwarzen in der vergangenen Spielzeit als verlorener Haufen aus Individualisten präsentiert, die orientierungs- und planlos über den Rasen liefen. Sollte jedoch in diesem Jahr endlich der große Wurf gelingen und der SVWW ins Bundesliga-Unterhaus zurückkehren, würde sich mit Sicherheit niemand beklagen.

Fazit und Prognose

Der SV Wehen Wiesbaden wird wie viele andere Vereine der Dritten Liga eine absolute Wundertüte darstellen, für die lediglich die Abstiegsregion zunächst als mögliches Endziel ausgeklammert werden kann. Dafür ist die individuelle Qualität der von Christian Hock zusammengestellten Mannschaft schlichtweg zu hoch. Ob es jedoch schlussendlich für die Spitzenpositionen, das Verfolgerfeld oder die abgeschlagene Meute dahinter reicht, ist offen. Wie in den vergangenen Spielzeiten braucht man einerseits das nötige Quäntchen Glück, andererseits die passende Form zur richtigen Zeit, um sich auch nach der Winterpause im sich dann herauskristallisierenden Feld der Aufstiegsanwärter behaupten zu können. Sowohl die Trainer- als auch die Spielerwahl lässt auch in diesem Jahr wieder nicht wenige Anhänger träumen. Die Erfüllung dieses sehnlichen Wunsches liegt aber allein in der Hand der Mannschaft.

 

   

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