Saisonvorschau VfR Aalen: Eine gefährliche Situation

Bevor die 3. Liga am 29. Juli in die neue Saison startet, wirft liga3-online einen Blick auf das Teilnehmerfeld: 20 Drittligisten gehen mit Chancen, Risiken und Erwartungen in die neunte Auflage der eingleisigen Drittklassigkeit. Wir schätzen die Möglichkeiten und Gefahren der Teams ein. In diesem Text schauen wir auf den VfR Aalen.

So lief die Vorbereitung

Die Vorbereitung hat der VfR Aalen größtenteils erfolgreich bestreiten können: Die Testspiele gegen unterklassige Mannschaften wurden wie erwartet gewonnen, auch wenn besonders der Landesligist SF Dorfmerkingen die Schwarz-Weißen beim 4:3-Erfolg an den Rand einer großen Enttäuschung brachte. Eindrucksvoll war dagegen das 5:1 über den FV Illertissen aus der Regionalliga Bayern. Jüngst verlor die Truppe von Trainer Peter Vollmann mit 0:2 gegen den Zweitligisten Greuther Fürth – diese Niederlage dürfte zu verschmerzen sein. Am Donnerstag schoss sich der VfR beim 28:0 gegen Kreisligisten TSV Unterdeufstetten warm.

Transferperiode:

Zugänge Abgänge
Torge Paetow (ETSV Weiche Flensburg) Dominick Drexler (Holstein Kiel)
Rico Preißinger (1. FC Nürnberg II) Sebastian Neumann (Würzburger Kickers)
Firat Sucsuz (RB Leipzig II) Oliver Schnitzler (1. FC Heidenheim)
Oguzhan Kefkir (Borussia Dortmund II) Dennis Chessa (SV Ried)
Yannick Deichmann (FC St. Pauli II) Marcel Knauß (SSV Reutlingen)
Thomas Geyer (SV Wehen Wiesbaden) Nicola Zahner (TSV Essingen)
Raif Husic (SV Werder Bremen II) Oliver Barth (Karriereende)
Daniel Schelhorn (VfR Aalen U19) Michael Klauß (unbekannt)
Nico Rodewald (VfR Aalen U19) Randy Edwini-Bonsu (unbekannt)
Sebastian Vasilidis (VfR Aalen U19) Ruben Seyram Reisig (unbekannt)
Matthias Layer (VfR Aalen U17) Jonatan Kotzke (unbekannt)

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Bewertung der Transfers / Wer soll noch kommen?

Beim VfR Aalen stand in der Sommerpause ein recht großer Umbruch ins Haus: Elf Spieler kamen zu den Schwaben, elf Akteure verließen den VfR um Trainer Peter Vollmann aber auch. Allen voran Dominick Drexler und Sebastian Neumann werden als etablierte und zweitliga-erfahrene Stammspieler schmerzlich vermisst werden. Weil sich die finanzielle Situation beim VfR Aalen weiterhin als sehr angespannt erweist, musste auch bei den Neuzugängen primär auf junge Talente gesetzt werden, die bisher keine Drittligaluft geschnuppert haben: Rico Preißinger, Firat Sucsuz, Torge Paetow – kaum jemand hat von diesen Namen bisher gehört. Bekannter ist da etwa Oguzhan Kefkir, der für Borussia Dortmund II und Alemannia Aachen bereits in der 3. Liga aktiv war. Insgesamt ist beim VfR Aalen wieder vieles Spitz auf Knopf genäht, 22 Spieler weist der dünne Kader auf. Große Sprünge sind aber schlichtweg nicht möglich.

Auf diesen Spieler sollte man achten: Yannick Deichmann

Auf Yannick Deichmann, vom Regionalligisten FC St. Pauli II gekommen, werden große Stücke gesetzt. Er besitzt die nötigen Veranlagungen, um sich auch eine Etage höher durchsetzen zu können. In der abgelaufenen Saison absolvierte er immerhin 112 Minuten in der 2. Bundesliga, nicht jeder im Lager der Hamburger war mit dem Transfer des 21-jährigen gelernten defensiven Mittelfeldspielers zufrieden. Wie wir die 3. Liga kennen, bringt sie immer wieder den Durchbruch für vielversprechende Talente – Yannick Deichmann ist ein heißer Kandidat, für den der VfR Aalen das erhoffte Sprungbrett darstellen kann.

Stärken und Schwächen:

In der vergangenen Saison lag die Stärke des VfR Aalen grundsätzlich in der Defensive. Das bedeutete: Ein großes Spektakel boten die Partien mit Beteiligung der Vollmann-Elf nur selten, dafür stand die Abwehr wie ein Bollwerk – und dennoch wurde es mit dem Klassenerhalt fast noch einmal eng, als die Ergebnisse Mitte der Rückserie ausblieben. Jetzt müssen Sebastian Neumann und Oliver Barth ersetzt werden, Thomas Geyer und Torge Paetow übernehmen ihre Rollen. Aber können sie das auch? Fraglich.

Sollte dort tatsächlich die Stabilität verschwinden, dann wird es für Aalen eine schwere Angelegenheit, die Liga zu halten. Auch Daniel Bernhardt, einer der besten Torhüter der 3. Liga, wird an dieser Tatsache wenig ändern können. Denn: Im Sturm wurde qualitativ nicht zugelegt. Stabile Leistungen legten ohnehin am Ehesten noch Matthias Morys und Dominick Drexler an den Tag, Letzterer fehlt nun. Heißt: Bis auf die Torhüterposition besitzt der VfR in allen Mannschaftsteilen allenfalls noch Spielermaterial für das graue Mittelfeld.

Die Erwartungen der Fans:

Das Team von der Ostalb geht in seine zweite Saison nach dem Zweitliga-Abstieg – und die Fans müssen sich wieder darauf einstellen, dass ihr VfR allenfalls eine Rolle im Mittelfeld spielen kann. Die obere Tabellenhälfte werden unter normalen Umständen andere Teams unter sich ausmachen, das ist den Anhängern aber auch bewusst. Erwartet wird, nach Möglichkeit nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben und die Konsolidierung im Verein voranzutreiben. Je früher der Klassenerhalt besiegelt ist, desto besser. Eine Zitterpartie wie im vergangenen Jahr muss nun wirklich nicht sein.

Fazit

Der VfR Aalen befindet sich in einer gefährlichen Situation: Zwischen Sparzwang und der Pflicht, eine konkurrenzfähige, drittligataugliche Einheit auf die Beine zu stellen, ist wenig Spielraum für falsche Entscheidungen. Schon ein oder zwei langfristige Verletzungen stellen den knapp besetzten Kader der Baden-Württemberger vor nachhaltige Probleme. Vieles muss in die richtige Richtung laufen, um eine Saison ohne Sorgen bestreiten zu können. Es ist (noch) völlig offen, ob das tatsächlich gelingen kann. Hoffnung macht der Trainer Peter Vollmann, der sich mit dieser Situation bestens auskennt und es als Herausforderung betrachtet. Jeder Spieler des VfR sollte mit der gleichen Einstellung an den Start gehen.

Prognose:

Aufgrund der drei recht starken Aufsteiger Jahn Regensburg, FSV Zwickau und Sportfreunde Lotte sind drei zusätzliche Konkurrenten um den Klassenerhalt hinzugekommen. Mit ihnen sowie den Zweitvertretungen der Bundesligisten wird der VfR Aalen gegen den Abstieg kämpfen. Realistisch ist eine Platzierung zwischen dem 14. und 17. Rang – und passt der VfR nicht auf oder verschläft den Saisonstart, dann kann die Spielzeit auch eine böse Überraschung beinhalten.

 

 

   
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