Saisonvorschau VfL Osnabrück: Ein Übergangsjahr?

Bevor die 3. Liga am Freitag, den 19. Juli, in die neue Saison startet, blickt liga3-online.de auf die 20 Drittligisten und schätzt die Chancen der Teams ein. In der heutigen Ausgabe werfen wir einen Blick auf den VfL Osnabrück, der nach einer nicht nur sportlich hoch brisanten Saison in der kommenden Spielzeit in ruhigere Fahrwasser kommen und den Aufstieg in die 2. Bundesliga in diesem Jahr nicht forcieren will. Die letzte Saison war in jeglicher Hinsicht nervenaufreibend. Mit Claus-Dieter Wollitz als Chef-Trainer und Sportdirektor stellte der VfL eine Mannschaft auf die Beine, die zwar nicht von vornherein als Top-Aufstiegskandidat gehandelt wurde, dann aber immer mehr zu diesem wurde. Einer mehr als erfolgreichen Hinrunde, die man als Tabellenführer mit vier Punkten Vorsprung auf Platz 2 abschließen konnte, folgte nach der Winterpause eine nicht mehr so starke Rückrunde. Die vereinsinternen Querelen mit Ausgliederung und Präsidiumswechsel gingen anscheinend doch nicht spurlos am Team vorbei. Am Ende retteten sich die Osnabrücker nach einer bitteren 0:1-Niederlage in Bielefeld am vorletzten Spieltag und der kurz darauf folgenden Trennung von Wollitz am letzten Spieltag in die Aufstiegsrelegation. Diese Aufstiegschance wurde aber gegen Dynamo Dresden nach einem 1:0-Hinspielsieg und einer 0:2-Auswärtsniederlage verpasst. So blickt der finanziell angeschlagene VfL Osnabrück in der kommenden Spielzeit 2013/14 in eine ungewisse Zukunft in der 3. Liga.

Transfers

Zugänge

  • Michael Blum (Hansa Rostock)
  • Andreas Spann (1. FC Heidenheim)
  • Marcel Kunstmann (SC Verl)
  • Paul Thomik (Gornik Zabrze)
  • Marcel Stadel (Kickers Offenbach)
  • Michael Hohnstedt (Sportfreunde Lotte)
  • Daniel Heuer Fernandes (VfL Bochum II)
  • Stanislav Iljutcenko (SV Westfalia Rhynern)
  • Tom Christian Merkens (TSV Havelse)
  • Roman Prokoph (Sportfreunde Lotte)
  • Nicolas Feldhahn (Kickers Offenbach)

Abgänge

  • Gaetano Manno (Preußen Münster)
  • Manuel Riemann (SV Sandhausen)
  • Simon Zoller (1. FC Kaiserslautern)
  • Timo Beermann (1. FC Heidenheim)
  • Andreas Glockner (1. FC Saarbrücken)
  • Daniel von der Bracke (TSV Havelse)
  • Massimilian Porcello (unbekannt)
  • Martin Hudec (unbekannt)
  • Nils Fischer (1. FC Saarbrücken)
  • Claus Costa (Viktoria Köln)
  • Marcus Piossek (Preußen Münster)
  • Marcus Rickert (unbekannt)
  • Niels Hansen (unbekannt)

Testspiele

Eine lange Vorbereitungszeit auf die neue Drittliga-Saison hatte der VfL Osnabrück in diesem Jahr nicht. Neu-Coach Maik Walpurgis konnte erst spät von seinem alten Club Sportfreunde Lotte losgeeist werden, auch die Lizenz wurde den Lila-Weißen erst auf dem letzten Drücker erteilt. So konnte die rundum erneuerte Mannschaft erst spät zusammengestellt werden, intensiv gearbeitet wurde dennoch – drei Trainingseinheiten am Tag zählten unter Walpurgis zum Standardprogramm. Die ersten beiden Testspiele gegen unterklassige Vereine konnten haushoch gewonnen werden: Der Lüneburger SV aus der Kreisklasse konnte mit 14:0 geschlagen werden, Bezirksligist SC Lüstringen wurde mit 17:1 vom Platz gefegt. Der erste harte Knochen stand dem VfL mit dem dänischen Erstligisten Bröndby IF Kopenhagen gegenüber. Beide Mannschaften trennten sich 1:1-Unentschieden. Mit dem KFC Uerdingen stand wenig später ein Regionalligist den Osnabrückern gegenüber, dabei setzten sich die Lila-Weißen mit 4:0 durch. Im letzten Test vor dem Saisonstart beim Chemnitzer FC war Bundesligist Werder Bremen zu Gast in Osnabrück. Dabei überraschte der VfL mit einigen guten Szenen in der Offensive wie in der Defensive, am Ende stand ein verdienter 1:0-Sieg gegen die Bremer, der Hoffnungen auf eine erfolgreichere Saison als erwartet weckt.

Voraussichtliche Startelf

Wichtigster Spieler

Timo Staffeldt. Noch ist nicht klar, ob der letztjährige Leistungsträger und Führungsspieler in der kommenden Saison weiterhin für den VfL Osnabrück auflaufen wird. Zu Beginn der Saisonvorbereitung hatte der Mittelfeldspieler verkündet, so schnell wie möglich in der 2. Bundesliga spielen zu wollen – was mit dem VfL nach dem angekündigten Übergangsjahr wohl nicht möglich ist. Ernsthafte Bewegung ist in die Sache bisher aber nicht gekommen. Doch die Osnabrücker brauchen einen Typen wie Staffeldt, der Verantwortung übernimmt und sich auf dem Platz voll reinhängt. Sollte Staffeldt dem VfL erhalten bleiben, wird er zum unumstrittenen Führungsspieler und wahrscheinlich auch Kapitän avancieren.

Stärken und Schwächen

Nach nur wenigen Wochen Vorbereitung und ein paar Testspielen sind die Stärken und Schwächen der runderneuerten Mannschaft des VfL Osnabrück noch nicht klar definierbar. In einem 4-4-2-System verteidigt der VfL bisher stets sehr hoch,  die Außenverteidiger machen nahezu alle Wege mit nach vorne. Vieles läuft bei den Osnabrückern über die Außenbahnen, um die eher kampfbetonten und weniger spielfreudigen Stürmer im Angriff mit Flanken zu bedienen. Insgesamt hat sich bei den Lila-Weißen eine gute Balance zwischen Offensive und Defensive eingestellt. Erste richtige Eindrücke über Stärken und Schwächen des Teams lassen sich aber erst nach den ersten Saisonspielen erkennen.

Trainer

Es war ein langes Hick-Hack um den neuen Trainer Maik Walpurgis. Viele Fußballlehrer wurden von der vom VfL bestimmten "Findungskommission" abgeklappert, ehe Präsident Prof. Christian Kröger per Alleingang Kontakt zu Walpurgis von den Sportfreunden Lotte aufnahm. Während Walpurgis und sein Co-Trainer Ovid Hajou die Herausforderung in Osnabrück sofort übernehmen wollten, stellten sich die Sportfreunde quer und pochten auf Einhaltung des bis 2014 laufenden Vertrags des Trainerteams. Walpurgis und Hajou berufen sich unterdessen auf eine mündliche Vereinbarung, beide dürften zu einem höherklassigen Club wechseln. Bis heute steht eine Einigung noch aus, der Fall hat es bis zum Arbeitsgericht und dem DFB gebracht, der ein Schlichtungsgespräch anberaumte. Zum Coach Maik Walpurgis selbst bleibt zu sagen: Der 39-Jährige hat in Lotte einiges auf die Beine gestellt, vom Abstiegskampf in der Regionalliga schafften es die Sportfreunde im letzten Jahr bis in die Aufstiegsrunde. Der Fußballlehrer ist hoch motiviert, den VfL auf lange Sicht wieder nach oben zu führen – die Qualitäten dazu besitzt er sicherlich.

Prognose

Es ist immer schwer, eine Prognose zu einer runderneuerten Mannschaft abzugeben. Aufgrund der finanziellen Lage musste der VfL nahezu alle Leistungsträger abgeben, nur wenige sind geblieben. Verstärken konnten sich die Osnabrücker indes lediglich mit ablösefreien Spielern, die meisten davon aus unteren Ligen. Dennoch hat vor allen Dingen das Testspiel gegen Werder Bremen gezeigt, dass durchaus mit den Osnabrückern zu rechnen ist. Zwar wird es unheimlich schwer, unter die ersten drei zu kommen, der Klassenerhalt sollte aber relativ schnell gesichert sein und der Blick sollte insgesamt wohl eher nach oben, als nach unten gerichtet werden. Dennoch steht der VfL Osnabrück vor einem Übergangsjahr, mit einer ähnlich erfolgreichen Spielzeit wie im letzten Jahr dürfte nicht zu rechnen sein. liga3-online.de ordnet den VfL Osnabrück für die nächste Saison im oberen Mittelfeld auf den Tabellenplätzen 5 bis 9 ein.

FOTO: Flohre Fotografie

   
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