Saisonvorschau SV Meppen: Hauptsache nicht absteigen

Wie in jedem Jahr nimmt liga3-online vor dem Saisonstart jedes Team der 3. Liga gründlich unter die Lupe: Was läuft gut, was schlecht? Wie hat sich die Mannschaft verstärkt und welche Rolle kann es spielen? In dieser Ausgabe werfen wir einen Blick auf den SV Meppen – einen absoluten Neuling in dieser Spielklasse.

So lief die Vorbereitung:

Fünf von sechs Testspielen hat der SV Meppen für sich entscheiden können, einzig gegen den Ligarivalen Werder Bremen II musste zum Auftakt eine 0:1-Niederlage hingenommen werden. Mit dem TuS Bersenbrück (5:3) und dem SV Mesum (1:0) wurden höherklassige Amateurvereine eher knapp besiegt, auffällig war hingegen der deutliche 3:0-Erfolg über den Ehrendivisionär und ehemaligen holländischen Meister Twente Enschede. Auch Regionalligist BSV SW Rehden wurde derweil mit 2:0 in die Schranken verwiesen.

Im Rahmen der Vorbereitung konnte im Übrigen Torjäger Benjamin Girth zurück ins Training einsteigen, er hatte sich kurz vor der Aufstiegsrelegation gegen Waldhof Mannheim einen Mittelfußbruch zugezogen und musste mehrere Wochen pausieren. Nun hofft Meppen, dass Girth so schnell wie möglich zu alter Form zurückfindet – in der abgelaufenen Saison waren ihm 20 Treffer gelungen.

Die Transferperiode

Zugänge: Abgänge:
Steffen Puttkammer (1. FC Magdeburg) Youri ter Arkel (unbekannt)
Erik Domaschke (Rot-Weiß Erfurt) Sebastian Schepers (BW Papenburg)
Devann Yao (Berliner AK) Benjamin Gommert (VfB Lübeck)
Nico Granatowski (Sportfreunde Lotte) Mirco Born (SV Sandhausen)
Fabian Senninger (Hannover 96 II) Marc Schnier (Hessen Dreieich)
Markus Ballmert (Hannover 96 II) Jonas Hoge (unbekannt)
Conor Gnerlich (JFK Nordwest U19)
Leon Demaj (BV Cloppenburg)
Giorgio Beltau (FC Groningen U19)
Yannik Nuxoll (BSV Rehden)
Haris Hyseni (Leihe/Jahn Regensburg)
Sven Goldschmidt (eigene U19)
Fabian Cordes (eigene U19)
Luca Sellere (eigene U19)

 

Bewertung der Transfers/Wer soll noch kommen?

Auf den ersten Blick wird bereits klar: Sechs Abgänge stehen 14 Zugängen, darunter diversen Talenten entgegen. Heißt: In der Breite dürfte der SV Meppen bereits ordentlich besetzt sein – ob individuelle Qualität hinzugewonnen wurde, muss abgewartet werden. Erik Domaschke wird sich anschicken, den abgewanderten Benjamin Gommert zwischen den Pfosten zu beerben, und auch Steffen Puttkammer vom 1. FC Magdeburg kommt mit Startelf-Ambitionen. Die weiteren Zugänge werden sich mit mehr oder weniger aussichtsreichen Chancen eingliedern müssen – eine Aufstiegself ist grundsätzlich stets eng miteinander vernetzt, die Herausforderung als Neuer umso größer.

Einen weiteren Neuzugang würde der SVM in sämtlichen Mannschaftsteilen sicherlich "verkraften" können, sofern sich im Laufe der nächsten Wochen die Gelegenheit ergibt. Bestimmten Bedarf besitzt Trainer Christian Neidhart allerdings zunächst nicht, eher muss die Einheit von 31 Leuten vielleicht sogar noch verkleinert werden.

Auf diesen Spieler sollte man achten: Marius Kleinsorge

Über Umwege hat es Marius Kleinsorge zurück auf die große Fußballbühne geschafft. Kleinsorge, vor drei Jahren als großes deutsches Talent ernannt, schaffte den Durchbruch beim SV Wehen Wiesbaden zunächst nicht – folgerichtig nahm er in der Regionalliga Nord einen neuen Anlauf und erwischte mit dem SV Meppen eine bärenstarke Spielzeit. Es ist anzunehmen und aus gegnerischer Perspektive fast schon zu befürchten, dass der offensiv variable Kleinsorge entscheidend gereift ist und in der neuen Saison diverse Abwehrreihen vor Probleme stellen kann. Weil mit Mirco Born der beste Flügelspieler den Club in Richtung SV Sandhausen verlassen hat, kommt Coach Neidhart um Einsätze des 21-Jährigen so oder so kaum herum.

 

AufstellungMeppen

Stärken und Schwächen

In der Regionalliga galt das Offensiv-Quartett des SVM als gefürchtet: Benjamin Girth, Martin Wagner, Marius Kleinsorge und Mirco Born sorgten oft im Alleingang für mehrere Treffer pro Spiel. Nun ist Born abgewandert, mit Nico Granatowski aus Lotte sowie Devann Yao wurde Ersatz verpflichtet. Ob diese Born, ein Ausnahmetalent für Regionalliga-Verhältnisse mit unglaublich routinierter Ballbehandlung und einem pfeilschnellen Antritt, ersetzen können, ist fraglich. Nichtsdestotrotz sollten die Drittliga-Defensiven auf diese Offensivreihe achten.

Als Schwäche hätte man vielleicht die Defensive nennen können – diese kassierte allerdings in 210 Relegationsminuten kein Gegentor und zeigte dort eindrucksvoll ihre Klasse. Mit Puttkammer sowie Marcel Gebers verfügen auch die hinteren Reihen über ausreichend Drittliga-Erfahrung. Kurz zusammengefasst lässt sich feststellen: Meppen mag vielleicht auf keiner Position überragend besetzt sein, fällt allerdings dafür auch nirgendwo ab. Eine unangenehme Aufgabe steht der 3. Liga bevor.

Erwartungen der Fans

Die Devise der Anhänger ist klar: Die 3. Liga soll in vollen Zügen genossen werden. Ob Osnabrück, Magdeburg, Rostock oder Münster – einige nahe Duelle sowie attraktive Gegner wecken die Vorfreude. Ob es nun Platz 7 oder 17 wird? Pustekuchen. Hauptsache nicht absteigen und so viel Spaß wie möglich an den Auswärtsfahrten durch das ganze Land haben. Meppen ist einfach, Meppen ist anders als der Rest. Das mag allen voran in der langen Abstinenz vom Profifußball und in der Art der Emsländer begründet sein.

Fazit und Prognose

Als Aufsteiger geht es für den SV Meppen einzig und allein um den Klassenerhalt. Dass aber nichtsdestotrotz auch deutlich mehr möglich sein kann, haben die letzten Jahre eindrucksvoll gezeigt. Es spricht nichts dagegen, dass Meppen ähnlich wie die Sportfreunde Lotte oder der FSV Zwickau eine Serie an den Tag legen und damit etablierte Teams überraschen werden –  der Teamgeist in der Truppe von Christian Neidhart spricht dafür. Wichtig wird, auch wenn wir hier ausgelutschte Fußballweisheiten rezitieren, der Auftakt: Mit den Würzburger Kickers kommt ein (nicht eingespielter) Topfavorit in die Hänsch-Arena, danach folgen unter anderem Auswärtsreisen nach Münster und Rostock. Der SVM wird den Hexenkessel 3. Liga schnell erleben und den Unterschied zwischen Fahrten zum F.C. Hansa und Drochtersen-Assel spüren.

Sollte sich Meppen rasch zurechtfinden, und das wäre beileibe keine Überraschung, dann ist der souveräne Klassenerhalt an der Ems möglich. Wird der Sportverein zunächst spielerisch in die Schranken verwiesen und braucht Eingewöhnungszeit, dann kann es gleichwohl knapp werden. Wir sehen den SV Meppen schlussendlich im dritten von vier Tabellenvierteln – Platz 13 bis 15, damit wären die Beteiligten vollkommen zufrieden.

 
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