Saisonvorschau SV Darmstadt 98: Die zweite Chance

Am Ende ist es die Ironie des Schicksals, welche die Menschen rund um das Darmstädter Böllenfalltor noch immer mit dem Kopf schütteln lässt. Ausgerechnet die Lizenzverweigerung des alten Rivalen Kickers Offenbach sicherte den Verbleib in der 3.Liga. Nicht wenige Darmstädter fühlten und fühlen trotz der großen Rivalität mit den Anhängern des OFC – 2008 waren die ‚Lilien’ schließlich einer ähnlichen Situation – nur konnte damals die Insolvenz abgewendet werden. Diese unverhoffte zweite Chance will der Verein jetzt mit aller Macht wahrnehmen, nachdem man das entscheidende Match am letzten Spieltag gegen die Stuttgarter Kickers nicht gewinnen konnte (1:1) und sportlich abstieg. Deshalb wurde fast das gesamte Offensivpersonal – die große Schwachstelle der vergangenen Spielzeit – ausgetauscht. So soll der Klassenerhalt diesmal frühzeitig aus eigener Kraft geschafft werden, damit man nicht womöglich noch einmal auf Probleme anderer Vereine hoffen muss.

Transfers

Neuzugänge

  • Marcel Heller (Alemannia Aachen)
  • Jérôme Gondorf (Stuttgarter Kickers)
  • Dennis Schmidt (Sportfreunde Lotte)
  • Dominik Stroh-Engel (SV Wehen Wiesbaden)
  • Marco Sailer (1.FC Heidenheim)
  • Sandro Sirigu (1.FC Heidenheim)
  • Serkan Firat (SV Darmstadt 98 U19)

Hier  eine ausführliche Vorstellung der Neuzugänge

 

Abgänge

  • Danny Latza (VfL Bochum)
  • Cem Islamoglu (Waldhof Mannheim)
  • Andreas Gaebler (FC 08 Homburg)
  • Christian Beisel (FC 08 Homburg)
  • Felix Martini (Rot-Weiß Darmstadt)
  • Stefan Hickl (Viktoria Köln)
  • Marcus Steegmann (Viktoria Köln)
  • Preston Zimmerman (FSV Schott Mainz)
  • Freddy Borg (Unbekannt)
  • Sebastian Zielinsky (Unbekannt)
  • Burak Bilgin (Unbekannt)
  • Musa Karli (Unbekannt)
  • Kacper Tatara (Unbekannt)

Bisherige Testspiele

Im Stadtderby gegen den Hessenligisten Rot-Weiß Darmstadt erzielte man ein zufriedenstellendes 2:0, bereits davor gab es gegen unterklassige Teams standesgemäß hohe Siege. Die beiden bislang einzigen ernstzunehmenden Duelle gab es gegen Wormatia Worms, welches just wieder 0:0 ausging und deutlich machte, dass noch viel Arbeit in der Offensive vor der Mannschaft liegt, und ein 0:3 gegen den Karlsruher SC, das jedoch viel zu deutlich ausfiel. Hier stimmte die Leistung der ‚98er’, die Gegentore fielen allerdings zu einfach.

Voraussichtliche Startelf

Die Darmstädter werden wohl mit einem 4-4-2 in die Saison gehen, ob mit zwei zentralen Mittelfeldspielern oder einer Raute wird wohl vom spielenden Personal abhängen: Spielen Behrens und Gondorf eher auf einer Linie, wird Da Costa den klassischen Spielmacher hinter den Spitzen geben. Überhaupt Da Costa: Die Nummer 10 spielt bislang eine gute Vorbereitung und drängt sich auf – nach der schwachen vergangenen Saison will es der Routinier noch einmal wissen. Wenn Baier wieder fit wird, werden die Karten hier aber noch einmal neu gemischt. In der Abwehr ist lediglich der Rechtsverteidigerposten wirklich umstritten, Sirigu und Ratei liefern sich hier einen harten Kampf. Beide könnten aber auch eine Position nach vorne rücken, wo Hesse derzeit einen Vorsprung zu besitzen scheint. Heller ist wohl auf links gesetzt. Im Sturm werden dem Vernehmen nach Stroh-Engel und Sailer beginnen, Hübner und Schmidt sind die ersten Vertreter.

Wichtigster Spieler

In der abgelaufenen Rückserie wäre hier ganz klar Winterneuzugang (und nun der neue Kapitän) Aytac Sulu zu nennen gewesen, mit dem die Abwehr meist bombensicher stand (mit ihm kassierte man nur 13 Gegentore in 17 Spielen). Auf ihn wird es diese Saison sicher wieder ankommen, genauso jedoch auf seine Kollegen in der Abwehr, die ihren guten Job wiederholen müssen. Vielmehr jedoch gilt es für die Stürmer, nicht für einen einzigen, sondern für alle, in der kommenden Spielzeit zu treffen und Chancen zu nutzen.

Stärken

Wie bereits oben erwähnt ist die Abwehr um Sulu, Gorka und Stegmayer überdurchschnittlich besetzt und dazu fähig, jeden Sturm der Konkurrenz zu bändigen. Auch der Teamgeist, der die Mannschaft trotz aller Probleme im letzten Jahr auszeichnete, sollte sich bewahrt haben – der Stamm wurde gehalten. Die Motivation, es allen zu beweisen, dass der Abstieg nur ein Unfall war, ist nicht zu unterschätzen.

Schwächen

Ob das neue Offensivpersonal auf Dauer einschlägt muss sich erst zeigen. Klar ist aber, dass sowohl Sailer als auch Stroh-Engel und Heller eine eher unbefriedigende Saison hinter sich haben und auch deshalb in Darmstadt gelandet sind. Das Potenzial haben sie alle, es muss jedoch auch abgerufen werden. Außerdem muss der Verlust von Danny Latza, der sich in den letzten Spielen auf der 10er-Position sehr gut zurecht fand, vom Team aufgefangen werden. Zu guter Letzt müssen die Jungs aus der zweiten Reihe (Schnier, Mladenovic, Hübner) endlich beweisen, dass sie Drittligaqualität besitzen – ein Problem, dass auch in der letzten Spielzeit präsent war.

Trainer

Dirk Schuster hat sich nach seiner Ankunft Ende 2012 in Windeseile Respekt und Sympathie in Darmstadt erarbeitet. Mit ihm kam die defensive Stabilität zurück ans Böllenfalltor, auch seine offene, ehrliche und respektvolle Art und Weise kam und kommt sowohl bei der Mannschaft als auch im Umfeld mehr als gut an. Sicher, auch mit Schuster als Trainer stand letztlich der sportliche Abstieg. Allerdings konnte der ehemalige Bundesligaspieler sein Team nun nach seinen Vorstellungen umbauen und sich gezielt vorbereiten. Selbst bei Misserfolgen sollte um ihn keine Unruhe aufkommen – Schuster wirkt immer, als hätte er einen Plan, hat viel Kredit beim Präsidium.

Prognose

Das Wörtchen „wenn“ spielt hier eine große Rolle. Rein vom Potenzial her hat dieses Team Chancen auf einen guten Mittelfeldplatz, die Neuzugänge heben das Niveau allesamt an. Doch wie hoch, das ist die Frage. Alle können gehobenes Drittliganiveau, wenn nicht noch mehr verkörpern – dasselbe gilt beispielsweise auch für Elton Da Costa. Es wird also viel auf Saisonstart und Form ankommen. Wenn sich bereits zu Beginn Erfolge einstellen, wird man in Darmstadt wohl eine ruhige Saison erleben. Kommen allerdings Verletzungen und Formschwächen hinzu, kann es jedoch auch schnell in die unteren Tabellenregionen gehen. Wir wagen die Prognose, dass der SV Darmstadt 98 immer mal wieder spielerische Glanzlichter setzen, allerdings auch die ein oder andere Schwächephase erleben wird. Am Ende wird man zwischen Platz 9-13 abschließen. Damit hätte man die zweite Chance genutzt.

FOTOFU Sportfotografie


   
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