Saisonvorschau 1. FCM: Kontinuität und große Hoffnungen

Bevor die 3. Liga am 29. Juli in die neue Saison startet, wirft liga3-online.de einen Blick auf das Teilnehmerfeld: 20 Drittligisten gehen mit Chancen, Risiken und Erwartungen in die neunte Auflage der eingleisigen Drittklassigkeit, wir schätzen die Möglichkeiten und Gefahren der Teams ein. In diesem Artikel schauen wir auf den 1. FC Magdeburg.

So lief die Vorbereitung

Insgesamt sieben Testspiele absolvierte der 1. FC Magdeburg bisher – nur der dänische Erstligist Odense BK stammte aus einer höheren Spielklasse als die Truppe von Jens Härtel. Wurden gegen die Amateurmannschaften aus dem Umland noch standesgemäße Siege eingefahren, war Odense ein schwererer Brocken – mit dem 1:1-Remis konnten die Blauen sicherlich zufrieden sein. Hertha BSC II wurde mit 3:0 besiegt, während ein weiterer Regionalligist (Hamburger SV II) ein Beinchen stellte und 2:1 über den Drittligisten siegte. Jüngst siegte der FCM zudem mit 2:0 gegen Lupo Martini Wolfsburg.

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Zugänge Abgänge
Gerrit Müller (Stuttgarter Kickers II) Nicolas Hebisch (unbekannt)
Tobias Schwede (Werder Bremen III) Ryan Malone (Stuttgarter Kickers)
Maurice Exslager (1. FC Köln II) Kevin Kruschke (SV Rödinghausen)
Julius Düker (Eintracht Braunschweig) Silvio Bankert (Karriereende)
Leopold Zingerle (Greuther Fürth) Matthias Tischer (Karriereende)
Florian Kath (SC Freiburg/ Leihe) Lars Fuchs (Karriereende)
Moritz Sprenger (VfL Wolfsburg/ Leihe) David Kinsombi (Karlsruher SC/ Leihe endet)
Burak Altiparmak (unbekannt)

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Bewertung der Transfers / Wer soll noch kommen?

Der 1. FC Magdeburg hat seinen Kader in der Sommerpause punktuell verstärkt und will besonders in der Offensive variabler werden: Maurice Exslager und Talent Julius Düker sollen den Konkurrenzkampf verstärken und Christian Beck unter Druck setzen – auch mehrere Spitzen sind so ein neues taktisches Mittel. Auf den Außenpositionen kann Florian Kath wirbeln. In der Innenverteidigung muss der FCM David Kinsombi und Ryan Malone ersetzen, bisher ist dafür der junge Moritz Sprenger unter Vertrag genommen worden. Dennoch ist Magdeburg dort mit Andre Hainault, Steffen Puttkammer, Christopher Handke und Co. breit besetzt. Zudem wird Felix Schiller nach einer langen Verletzungspause zurückkehren, wenngleich er momentan erneut verletzt ist.

Mit 25 Spielern, davon 22 Feldspielern, ist der Kader des 1. FC Magdeburg breit genug besetzt und auf keiner Position herrscht mehr akuter Bedarf. Der Vorteil des FCM: Alle Leistungsträger der vergangenen Saison sind dem Verein erhalten geblieben – vor allem Christian Beck widerstand den Lockrufen aus höheren Klassen.

Auf diesen Spieler sollte man achten: Gerrit Müller

Ein Spieler hoher Qualität und Intelligenz ist Gerrit Müller, der von den Stuttgarter Kickers zum 1. FC Magdeburg gewechselt ist. Eine interessante, aber gewagte Verpflichtung der Magdeburger – der Jüngste ist Müller mit seinen 32 Jahren längst nicht mehr. Sein stärkstes Jahr hatte er in der Saison 2014/2015. Zur Erinnerung: Da wäre der heutige Viertligist aus Stuttgart fast aufgestiegen. In der letzten Spielzeit gelang nichts mehr, negativer Höhepunkt war eine umstrittene Suspendierung durch den späteren Abstiegstrainer Tomislav Stipic. Nun soll spät in der Karriere ein neuer Anlauf gelingen.

Stärken und Schwächen

Durch die bisherigen Verpflichtungen kann nur schwer eingeschätzt werden, wo sich der 1. FC Magdeburg verbessert oder verschlechtert hat. Große Teile der kommenden Startelf dürften auf dem Spielermaterial der vergangenen Saison basieren – es ist sogar möglich, dass der FCM ohne einen einzigen Neuzugang in seine erste Partie gehen wird. Das Rezept, das die Blauen auf den vierten Platz vorspülte, wird allerdings zusätzlich gewürzt durch die Variabilität in der Offensive. Weiterhin entwickelt sich Magdeburgs Stärke aus dem Mannschaftsverbund – und natürlich auch aus dem Zuspruch der stimmgewaltigen Fans, die sogar das eigene Stadion so sehr zum Wackeln bringen, dass erste Experten dessen erwartete Lebensdauer reduzieren.

Die Schwäche von Magdeburg kann sein, dass wohl kein Neuzugang umgehend in der Startformation landet. Es fehlt der Kracher, es fehlt die Verbesserung an individueller Qualität. Dies könnte den Ausschlag dafür geben, dass andere Drittligisten am 1. FC Magdeburg vorbeiziehen werden. Wie die Anhänger darauf reagieren, wenn sich Marius Sowislo und Co. plötzlich „nur“ noch im grauen Mittelfeld befinden würden, bleibt abzuwarten. Mehr dazu im nächsten Kapitel.

Die Erwartungshaltung der Fans

Platz 4 in der Aufstiegssaison – viel Spielraum nach oben gibt es nach der ersten Drittliga-Saison seit dem Comeback im Profifußball für den 1. FC Magdeburg eigentlich nicht. Doch die Fans, die wieder jedes der 38 Spiele zu einem kleinen Spektakel machen werden, sind realistisch genug und wissen: Die Platzierung aus dem vergangenen Jahr macht Magdeburg längst nicht zum Favoriten auf den Aufstieg. Man lässt die Spielzeit auf sich zukommen und drückt vielleicht sogar insgeheim die Daumen, dass der große Wurf gelingt. Mit einer Platzierung außerhalb der oberen Tabellenhälfte dürfte man aber auch rund um den FCM nicht ganz zufrieden sein.

Fazit

Vieles bleibt beim Alten beim 1. FC Magdeburg, geringe Änderungen sollen den Erfolgsmix verfeinern. Die Stützen des Teams bleiben unberührt, das zusammengewachsene Kadergefüge ebenso. Und damit ergeht es dem FCM deutlich besser als seinen Kontrahenten des letzten Jahres – man denke etwa an den VfL Osnabrück oder insbesondere die SGS Großaspach, die ohne zahlreiche Leistungsträger in die nächste Saison starten muss. Kontinuität wird großgeschrieben in der Magdeburger Börde, es ist zweifelsohne eine sinnvolle Herangehensweise an das „schwere“ zweite Jahr in der 3. Liga. Aber welcher Tabellenplatz kann dabei herausspringen?

Prognose

Der 1. FC Magdeburg wird es naturgemäß schwer haben, seinen vierten Platz der Vorsaison zu verteidigen. Zu stark trumpfen etwa der Chemnitzer FC oder Holstein Kiel auf, auch der MSV Duisburg und der SC Paderborn wollen es wissen. Federführend ist und bleibt die Heimstärke: Kann diese aus der Saison 2015/2016 bestätigt werden, ist das obere Tabellendrittel wieder im Bereich des Möglichen. Realistisch ist nach aktuellem Stand eine Platzierung zwischen Rang 6 und 9.

 

 
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