Saisonvorschau 1. FCM: Ein drittes Jahr im Aufstiegskampf?

Bevor die 3. Liga am 21. Juli in die neue Saison startet, blickt liga3-online.de auf die 20 Drittligisten und schätzt die Chancen der Teams ein. In der heutigen Ausgabe werfen wir einen Blick auf den 1. FC Magdeburg, der in den letzten beiden Jahren eine mehr als gute Rolle spielte und im dritten Anlauf sicherlich nichts gegen den Aufstieg in die 2. Bundesliga einzuwenden hätte.

So lief die Vorbereitung

Die Vorbereitungskönige aus Magdeburg? Nun gut, im letzten Winter legte der FCM allenfalls mäßige Ergebnisse auf das Parkett und starteten dementsprechend auch mit leichten Schwierigkeiten in die Rückrunde. In diesem Sommer haben sich die Ergebnisse bisher gebessert: Neben den üblichen Erfolgen gegen lokale Amateurvereine wurden die Viertligisten Viktoria Berlin und SV Rödinghausen besiegt, Union Fürstenwalde rang den Elbstädtern allerdings ein 1:1-Remis ab. Überdeutlich geriet der bislang einzige Test gegen einen höherklassigen Gegner, Zweitligist Eintracht Braunschweig: Mit 1:6 kam Magdeburg richtiggehend unter die Räder, brach speziell in der Schlussphase ein. Am 16. Juli wartet zur Generalprobe mit Erzgebirge Aue ein weiterer Zweitligist.

Abseits der reinen Ergebnisse musste die Elf von Trainer Jens Härtel den verletzungsbedingten Ausfall von Charles Elie Laprevotte beklagen, der mit einem Fußbruch den Saisonauftakt verpassen wird. Ansonsten blieb Magdeburg vom Verletzungspech verschont – Langzeitverletzte wie etwa Innenverteidiger Andre Hainault wollen nach einem verkorksten Jahr einen neuen Anlauf wagen. Auch Wintertransfer Richard Weil möchte nach seiner Lendenwirbelverletzung, die ihn eine Menge Spiele in der entscheidenden Saisonphase gekostet hatte, neu angreifen.

Die Transferperiode

Zugänge Abgänge
Philip Türpitz (Chemnitzer FC) Jan Löhmannsröben (Carl Zeiss Jena)
Alexander Brunst (VfL Wolfsburg II) Leopold Zingerle (SC Paderborn)
Dennis Erdmann (Hansa Rostock) Steffen Puttkammer (SV Meppen)
Felix Lohkemper (FSV Mainz 05 II) Manuel Farrona Pulido (Fortuna Köln)
Steffen Schäfer (FSV Frankfurt) Ahmed Waseem Razeek (Rot-Weiß Erfurt)
Andreas Ludwig (FC Utrecht) Lukas Novy (VfB Auerbach)
Björn Rother (Werder Bremen II) Piotr Cwielong (GKS Tichy)
Florian Pick (1. FC Kaiserslautern II) Lukas Cichos (ausgeliehen an den FSV Zwickau)
Mario Seidel (Erzgebirge Aue) Florian Kath (Leihende/SC Freiburg)
Leon Heynke (eigene U19) Moritz Sprenger (Leihende/VfL Wolfsburg)
Jan Löhmannsröben (Carl Zeiss Jena)

Wer soll noch kommen?

Offiziell sind die Kaderplanungen beim 1. FC Magdeburg mit der Verpflichtung von Steffen Schäfer vorläufig abgeschlossen worden – natürlich aber sondiert man am Heinz-Krügel-Platz weiterhin den Markt und hält Augen wie Ohren offen. Nichts gegen Stürmer Christian Beck, aber gerne hätten die Anhänger neben ihm einen weiteren torgefährlichen Spieler. Einerseits, um gegen einen möglichen Ausfall von Beck abgesichert zu sein, andererseits, um in einem System mit gleich zwei regelmäßig torgefährlichen Stürmern vielen Drittligisten einen Schritt voraus zu sein.

Auf diesen Spieler sollte man achten: Björn Rother

Ist Björn Rother das nächste Bremer Transferschnäppchen des FCM? Schon Tobias Schwede, den es vor einem Jahr an die Elbe zog, schlug ein und erfreute die Anhänger mit sehenswerter Ballbehandlung sowie einigen Torvorlagen. Der defensive Mittelfeldspieler Rother hat mit seinen 20 Jahren immerhin bereits knapp 50 Drittliga-Spiele auf dem Buckel – auf diese Anzahl kommen nur wenige in seiner Altersklasse. Der in Aachen sowie Leverkusen ausgebildete Rother wird sich auf seiner Position zunächst mit Spielern wie Dennis Erdmann und dem erfahrenen Marius Sowislo auseinandersetzen müssen. Spätestens bei der ersten Gelb-Sperre Erdmanns aber dürfte die Bewährungsprobe für Rother folgen – sofern er sich nicht bereits vorher in die Startelf spielen wird.

AufstellungMagdeburg

Stärken und Schwächen

In Magdeburg regiert nach wie vor die körperliche Stärke. Die Abwehrreihe um die wuchtigen Nico Hammann, Christopher Handke und Richard Weil wird den Stürmern der 3. Liga nach wie vor ordentlichen Respekt einflößen Das ist nichts Neues, und Trainer Jens Härtel wird gut daran tun, den FCM in seiner aktuellen Form nicht vollends umzubauen. Magdeburg kämpft, Magdeburg zeigt Leidenschaft – und bekommt dafür oft auch Applaus, wenn keine drei Punkte eingefahren wurden. Dafür steht dieser Fußballverein: Für den Zusammenhalt unabhängig von den Ergebnissen. Garniert wird dieser Mannschaftscharakter von den Toren des Christian Beck – aktuell deutet nichts darauf hin, dass er nicht wieder seine 15 bis 20 Treffer beisteuern und damit maßgeblichen Anteil am Gesamterfolg nehmen wird.

Als größte Schwäche galt zuletzt die spielerische Komponente. Klar: Wer kratzt und beißt, kann meist nicht gleichzeitig Filigrantechniker sein. Mit den Verpflichtungen von Felix Lohkemper, Andreas Ludwig und Philip Türpitz hat Magdeburg an dieser Stelle in der Offensive nachgebessert, musste zeitgleich aber auch die Abgänge von Florian Kath und Manuel Farrona Pulido hinnehmen. Ob insbesondere der zweitligaerfahrene Ludwig die Rolle des Spielmachers einnehmen kann, ist noch fraglich – es wäre ein wichtiger Baustein, um Gegner auch zukünftig überraschen zu können.

Die Erwartungen der Fans

Es ist eine Krux mit den Erwartungen. Grundsätzlich besitzt der 1. FC Magdeburg nicht nur fantastisch laute, sondern auch sehr tolerante Fans, die Niederlagen verzeihen – daran wird sich im dritten Jahr der 3. Liga nicht viel ändern. Die allgemeine Erwartungshaltung wird sich jedoch durch die letzten Spielzeiten spürbar weiter nach oben korrigieren, der Aufstieg muss auf Dauer anvisiert werden. Kleine Brötchen zu backen, das passt nicht mehr zu diesem FCM, dessen Umfeld so viel mehr Potenzial als die 3. Liga besitzt.

Fazit und Prognose

In Magdeburg hat sich im Sommer nicht viel verändert, ganz ähnlich wie ein Jahr zuvor. Der Abgang von Leopold Zingerle warf zwar Fragen auf, doch mit Jan Glinker – sollte dieser seine Stärken innerhalb eines halben Jahres nicht verloren haben – sowie Talent Alexander Brunst ist der FCM im Tor weiterhin gut aufgestellt. Fehlen werden die Identifikationsfiguren Löhmannsröben und Puttkammer, mit Dennis Erdmann steht das nächste Kampfschwein allerdings bereits im Stall. Kurz formuliert: Die große Veränderung, den großen Wandel hat es am Ufer der Elbe nicht gegeben – die bewährten Mittel sollen ein weiteres Mal funktionieren. Dies allein dürfte ausreichend für einen Platz in der oberen Tabellenhälfte sein. Das spielerische Niveau der Liga wird jedoch auch durch die Aufsteiger in der neuen Saison ein ganzes Stück angehoben – im Aufstiegskampf wird Magdeburg nach aktuellem Stand eher nicht mitmischen. Ob die Fans, die in den letzten drei Jahren vom FCM rundum verwöhnt wurden, sich damit zufriedengeben würden, das müssen die kommenden Monate zeigen.

   
Back to top button