Saisonstart in den Regionalligen – Die Teams im Check #2

Nicht nur in der Dritten Liga steht am Wochenende der Saisonauftakt an, auch in zwei Regionalliga-Staffeln wird der Ball erstmalig in der Saison 2015/16 rollen. In Bayern wird sogar bereits seit einer Woche gespielt, zwei weitere Staffeln starten am ersten August-Wochenende in die neue Spielzeit. liga3-online.de wirf in einer dreiteiligen Serie einen Blick auf alle fünf Regionalligen und wagt eine Prognose, welche Teams im Kampf um die begehrten Play-Off-Plätze für den Drittligaaufstieg die Nase vorn haben werden. Im zweiten Teil nehmen wir die Regionalliga Nordost und Südwest unter die Lupe.

Regionalliga Nordost

Am Freitagabend wird die Saison 2015/16 der Regionalliga Nordost mit drei Begegnungen eröffnet werden. Erstmalig werden 18 Vereine in der Liga spielen, es gab eine Aufstockung um zwei Teams. Der Meister qualifiziert sich für die Aufstiegsspiele, der Tabellenletzte steigt ab. Abhängig vom Play-Off-Erfolg des Meisters sowie der möglichen Absteiger aus der dritten Liga können bis zu vier zusätzliche Absteiger hinzukommen.

Die Vereine

Mit dem FSV 63 Luckenwalde, dem FC Schönberg 95, dem FC Oberlausitz Neugersdorf, Optik Rathenow und RB Leipzig II sind in diesem Jahr gleich fünf Aufsteiger in der Regionalliga Nordost dabei. Mit dem BFC Dynamo (DDR-Rekordmeister), dem FSV Zwickau (erster Meister der DDR) und dem FC Carl Zeiss Jena (erster der ewigen DDR-Oberliga-Tabelle) sind auch drei Größen der ehemals höchsten ostdeutschen Spielklasse vertreten.

Der bekannteste Name auf den Trainerbänken findet sich beim Aufsteiger aus Luckenwalde. Die Brandenburger werden seit dieser Saison vom langjährigen Nationalspieler Jörg Heinrich trainiert.

Die Stadien

Am meisten Zuschauer passen in den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, in dem der BFC Dynamo seine Heimspiele austrägt. Seit dem Aufstieg in die Regionalliga sind die Berliner dauerhaft von ihrer eigentlichen Heimstätte, dem Sportforum Hohenschönhausen, in den bei Fans eher unbeliebten Jahn-Sportpark umgezogen.

Eine deutschlandweite Besonderheit sind nach wie vor die einklappbaren Flutlichtmasten im Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion.

Die Spieler

Die Liga ist eine Art Sammelbecken für frühere Zweit- und Drittliga-Spieler. So wechselten jüngst René Klingbeil (von Aue zu Jena), Aykut Öztürk (von Regensburg zu Zwickau) oder Benjamin Förster (von Elversberg zu Nordhausen) in die Nordost-Staffel. Mit Charles Takyi (Viktoria Berlin), Thiago Rockenbach (BFC Dynamo) oder Nils Pfingsten-Reddig (Wacker Nordhausen) tauchen weitere bekannte Namen beim Durchforsten der Kader auf. Gerade im Nordhäuser Aufgebot tauchen viele ehemals höherklassig spielende Akteure auf. Infolgedessen überrascht es nicht, wenn der Klub aus dem Nordwesten Thüringens als eine Art „Altenheim der Liga“ angesehen wird: Von allen Vereinen aller fünf Regionalligastaffeln weist Nordhausen mit 26,6 Jahren den höchsten Altersschnitt auf.

Die Fans

Nach dem Einstieg eines belgischen Investors vor anderthalb Jahren begann beim FC Carl Zeiss Jena ein Stimmungsboykott vonseiten der Ultras, der ungefähr ein Jahr anhielt. Der Verein ging durch Zeiten der Tristesse, nicht nur was die Stimmung im Stadion angeht, auch sportlich konnte mit den eigenen Erwartungen nie Schritt gehalten werden. Viele Fans fragten sich in jenen Tagen: Quo vadis, FCC? Die Antwort auf diese Frage lautete: FCC, jetzt erst recht! Dies ist das Motto einer in breiten Teilen von den eigenen Fans getragenen Kampagne, die dazu aufruft, dem Verein als Mitglied beizutreten. 550 Neumitglieder konnten seit Kampagnenstart im Februar gewonnen werden. Im Rahmen der Aktion bekannten sich auch die früheren FCC-Spieler Tobias Werner und Nils Petersen zu dem Verein, der ihnen den ersten Schritt im Profifußball ermöglichte.

Die Favoriten

Der FSV Zwickau konnte seinen Kader zu großen Teilen zusammenhalten, zudem arbeitet Coach Torsten Ziegner mittlerweile bereits seit drei Jahren an seinem Team: Die Voraussetzungen für den Staffelsieg sind bei den Westsachsen vorhanden. Aber auch der BFC Dynamo und Wacker Nordhausen dürften ein Wörtchen um den Spitzenplatz mitreden wollen. Abzuwarten bleibt, wie sich Aufsteiger RB Leipzig II in der Liga einfindet. Dass der Brause-Klub ein erfolgreiches Jugend-Konzept am Start hat, ist mittlerweile bekannt. Nach dem mehr als souveränen Aufstieg gehört die Zweitvertretung der Leipziger auch in der Regionalliga nicht zu den Außenseitern. Beim FC Carl Zeiss Jena stapelt man hingegen in diesem Jahr bewusst tief. Der Aufstieg sei kein Muss, stattdessen kündigte Trainer Volkan Uluc an, sein junges Team in dieser Saison für den Angriff auf ganz oben im kommenden Jahr rüsten zu wollen.

Regionalliga Südwest

Die Südwest-Staffel wird am 31. Juli mit dem Heimspiel von Hessen Kassel gegen die Offenbacher Kickers eröffnet werden. Wieder genießt die 18er-Liga das Privileg, dass sich Meister und Vizemeister für die Aufstiegsspiele qualifizieren. Die letzten beiden Vereine steigen sicher ab, in Abhängigkeit von möglichen Drittligaabsteigern können bis zu drei Klubs zusätzlich absteigen.

Die Vereine

Aus der Südwest-Staffel durften die Offenbacher Kickers und der 1. FC Saarbrücken an den Aufstiegsspielen teilnehmen – beiden Mannschaften gelang der ersehnte Drittligaaufstieg allerdings nicht. Beide Klubs sorgen nun dafür, dass die Liga recht attraktiv besetzt bleibt. Immerhin gehören neben Offenbach und Saarbrücken mit Waldhof Mannheim und dem FC Homburg noch zwei weitere frühere Bundesligavereine zur Spielklasse.

Mit dem SV Spielberg, dem TSV Steinbach und dem Bahlinger SC sind drei „Dorfklubs“ als Aufsteiger neuer Bestandteil der Liga. Der vierte Neuzugang ist der SV Saar 05 Saarbrücken – damit wird in dieser Saison ein Stadtderby in der saarländischen Landeshauptstadt ausgetragen werden. Beim größeren Saarbrücker Verein ist, ebenso wie beim SV Elversberg, ein früherer Bundesliga-Coach an der Seite verantwortlich: der 1. FCS setzt auf die Dienste von Falko Götz, beim SVE hat Michael Wiesinger das Kommando.

Die Stadien

Für ein Kuriosum sorgen der 1. FC Saarbrücken und der SV Elversberg: Die beiden saarländischen Rivalen werden sich in der kommenden Spielzeit ihre Heimstätten teilen. Zunächst bestreiten beide Vereine ihre Heimspiele im jeweils eigenen Stadion. Ab Oktober zieht der SVE dann in den Saarbrücker Ludwigspark, damit im eigenen Waldstadion Kaiserlinde Umbauarbeiten durchgeführt werden können. Sobald diese zur Rückrunde abgeschlossen sind, ziehen beide Klubs in das Waldstadion – dann wird der Ludwigspark einer Renovierung unterzogen.

Die Spieler

Zwei frühere Bundesligaprofis haben sich dazu entschieden, ihre Karriere in Mannheim ausklingen zu lassen: Hanno Balitsch und Michael Fink schlossen sich dem SV Waldhof in diesem Sommer an. Im Laufe der Saison werden sie unter anderem auf Benjamin Auer treffen. Der frühere Mainzer, Bochumer und Aachener unterschrieb im Januar nach zweieinhalb Jahren fußballerischer Kreativpause beim FK Pirmasens. Mit Kevin Kuranyi wird es hingegen eher keinen Trikottausch geben. Auf Vorschlag von seinem guten Freund und Schwager Felix Luz trainierte Kuranyi zwar beim 1. FC Saarbrücken mit, doch höchstwahrscheinlich wird sich der zuletzt bei Dynamo Moskau unter Vertrag stehende Stürmer nur  für höhere Aufgaben fit halten.

Die Fans

Ein ganzes Jahr lang dominierten die Offenbacher Kickers die Liga, nur um den Aufstieg in den beiden entscheidenden Play-Off-Spielen gegen Magdeburg zu vergeigen. Der Frust saß tief beim OFC-Anhang – so tief, dass sich rund 40 Zuschauer beim Rückspiel zu einem Platzsturm während der laufenden Begegnung hinreißen ließen. Dies hat nun Konsequenzen, zum ersten Heimspiel am zweiten Spieltag gegen Homburg dürfen nur 3500 Zuschauer ins Offenbacher Stadion. Die Waldemar-Klein-Tribüne und der Heimbereich der Westtribüne müssen komplett geschlossen bleiben. Kickers-Geschäftsführer David Fischer war anschließend froh, dass dem Verein zumindest kein komplettes Geisterspiel aufgetragen wurde.

Die Favoriten

Denkbar knapp war der 1. FC Saarbrücken im Kampf um den Aufstieg gescheitert: Erst im Elfmeterschießen ließen die Würzburger Kickers den Traum der Saarländer von der sofortigen Rückkehr in die dritte Liga platzen. Die Köpfe ließen sie beim FCS deshalb nur kurz hängen, in der neuen Spielzeit soll sofort wieder oben angegriffen werden. Fast der komplette Kader des Vorjahres ist wieder mit an Bord, zudem wurde mit Solomon Okoronkwo vom SV Sandhausen sowie Filip Luksik von Erzgebirge Aue hochklassig eingekauft. Der entscheidendste Wechsel fand aber auf der Trainerbank statt: Trotz eines noch laufendes Vertrages trennte sich Saarbrücken von Fuat Kilic, stattdessen soll nun Falko Götz für den Aufstieg sorgen.

Das Rennen um den zweiten Relegationsplatz könnte denkbar knapp ausfallen. Natürlich will Offenbach wieder um den Aufstieg mitspielen, doch auch einigen weiteren Teams ist dies durchaus zuzutrauen. Der FC Homburg ist als Kandidat zu nennen, Trainer Jens Kiefer gelang das Kunststück Aufstieg schon einmal mit Elversberg. Aber auch die Elversberger selbst dürften ein Wort um die Spitzenpositionen mitreden. Und in Mannheim und Kassel lechzen die Fans ohnehin seit Jahren nach höherklassigem Fußball.

Saisonstart in den Regionalligen – Die Teams im Check #1

 

   
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