Saisonprognose #4: FWK, SVWW, Karlsruhe, FCK und BTSV

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© Flohre

Zehn Wochen Sommerpause neigen sich dem Ende entgegen, in Kürze geht die 3. Liga in ihre elfte Auflage. Vor dem Auftakt nimmt liga3-online.de alle 20 Klubs ausführlich unter die Lupe. Im vierten und letzten Teil schauen wir auf Würzburg, Wiesbaden, Karlsruhe, Kaiserslautern und Braunschweig.

Ausgangslage

Der erste große Anlauf auf den Wiederaufstieg ist misslungen – zu spät zündete die individuelle Klasse der Würzburger. Jetzt ist offenbar Sparen angesagt: Der Kader hat an Qualität verloren, aus Würzburg wird ein "normaler" Drittligist. Das kennt der FWK gar nicht, war er doch in der Vergangenheit eher für seine Durchmärsche bekannt.

Zu- und Abgänge

Die Stammformation, die zwischen Januar und Mai noch eine starke Rückrunde zeigte, ist ordentlich zerbröselt. Felix Müller, Sebastian Neumann, Emanuel Taffertshofer und Jannis Nikolaou haben sich in die 2. Bundesliga verabschiedet – wichtige, vielleicht sogar die wichtigsten Spieler. Neu ist nur einer mit Rang und Namen: Daniel Hägele, der eine starke Saison in Großaspach hinter sich hat.

Testspiele

Gegen die Regionalliga-Reserven des VfB Stuttgart und des FSV Mainz 05 haben die Rothosen Remis gespielt bzw. knapp gewonnen. Greuther Fürth bezwang Würzburg wiederum 2:1, Bundesligist FC Augsburg gewann 2:0. Allesamt standesgemäße Ergebnisse. Zum Abschluss geht es am Samstag gegen den 1. FC Nürnberg.

Mannschaft

Hätten die Kickers ihre Rückrunden-Mannschaft beisammen gehalten, hätten sie wohl eine starke Rolle spielen können. Jetzt wurde das Team verjüngt, das Durchschnittsalter liegt bei 24 Jahren. Besonders in der Innenverteidigung, aber auch im defensiven Mittelfeld wurden große Lücken hinterlassen, die zum Teil von Spielern ohne großen Erfahrungsschatz kompensiert werden müssen.

Prognose: Platz 6-9

Mit dem bislang zusammengestellten Kader liegt Würzburg in der 3. Liga höchstens noch leicht überdurchschnittlich, daher sehen wir die Unterfranken im (vorderen) Mittelfeld der Tabelle. Ob die Fans diesen Kurs annehmen würden oder auch die Besucherzahlen schwinden, ist abzuwarten. Vielleicht überrascht Würzburg auch alle.

 

Ausgangslage

Wehen Wiesbaden hat eine bockstarke Saison hinter sich, in der leider drei Vereine noch besser waren. Undankbarer war ein vierter Platz bei 68 erreichten Punkten selten. Nun soll trotz enormer Konkurrenz der nächste Sturm auf die Aufstiegsplätze erfolgen – das Geld ist da, die Qualität auch.

Zu- und Abgänge

Elf Spieler haben sich verabschiedet, aber nur wenige echte Leistungsträger. Schwer ersetzbar ist der flinke und torgefährliche Außenstürmer Agyemang Diawusie, während Mittelfeldmann Robert Andrich trotz aller Qualitäten als Hitzsporn die Fans erzürnte. Neu dabei sind erfahrene Männer wie Patrick Schönfeld und Giuliano Modica. Regionalliga-Topstürmer René Guder aus Flensburg kommt mit Vorschusslorbeeren, könnte zusammen mit Manuel Schäffler ein grandioses Duo bilden.

Testspiele

Kaum ein Drittligist hat solch eindrucksvolle Ergebnisse geliefert wie der SVWW: Die Viertligisten Wormatia Worms und FC Pipinsried wurden mit 5:0 respektive 6:0 abgeschossen. Dazu kommt ein 4:1-Kantersieg über Zweitligist Jahn Regensburg. Wiesbaden ist schon jetzt in beachtlicher Form.

Mannschaft

Sie hatte im Vorjahr viele gute und wenige, dann aber richtig schlechte Tage. 76 erzielte Tore sprechen eine klare Sprache – gegen die Klasse, die Stürmer Schäffler, Stephan Andrist und Co. mitbringen, haben nur wenige Kontrahenten ein Mittel. Qualitativ gestärkt wurden nun Mittelfeld sowie Innen- und Außenverteidigung, Torhüter Markus Kolke ist seit Jahren eine Bank. Schwächen? Muss man mit der Lupe suchen.

Prognose: Platz 2-5

Der SV Wehen Wiesbaden hat das Potenzial, im Konzert der Großen mitzuspielen und auch die prominenten Absteiger auf ihrer Wiederaufstiegs-Mission zu ärgern. Nur ein Hauch Konstanz fehlte bislang. Stellt diese sich zügig ein, wird Wiesbaden wieder oben mitspielen.

 

Ausgangslage

Der KSC und die Relegation – das wird nichts mehr. Erst Jahn Regensburg, dann der Hamburger SV, nun Erzgebirge Aue. Jedes Mal scheiterte Karlsruhe. Also muss es nun mindestens der zweite Platz sein, will man sich nicht dauerhaft in der 3. Liga ansiedeln – das wäre finanziell kaum zu stemmen.

Zu- und Abgänge

Die Abhängigkeit von Knipser Fabian Schleusener war riesig, doch der Stürmer war vom SC Freiburg lediglich ausgeliehen. Ebenfalls fehlen werden Jonas Föhrenbach und Matthias Bader sowie Marcel Mehlem. Andreas Hofmann, vermeintlicher Top-Transfer des Vorjahres, verletzte sich  schwer, spielte daher kaum und löste nun seinen Vertrag auf. Die bekanntesten neuen Gesichter: Damian Roßbach, Verteidiger aus Sandhausen, Martin Röser, flexibler Flügelmann aus Halle und Saliou Sané, Stürmer aus Großaspach.

Testspiele

Neben den üblichen lockeren Erfolgen machte der Karlsruher SC durch einen 2:1-Erfolg über Englands Zweitligisten Brentford auf sich aufmerksam. Verloren hat er bislang keines seiner Testspiele, die Generalprobe wird gegen Ingolstadt gespielt.

Mannschaft

Nicht jeder in der 3. Liga schätzte den wahrlich wenig attraktiven Spielstil der vergangenen KSC-Saison. Regelmäßig lautete das Endergebnis 1:0, Festtage waren die Heimspiele der Karlsruher nicht. Eine 180-Grad-Wende deutet sich nach den bisherigen Transfers nicht an. Die Defensive bringt haufenweise Erfahrung mit, der Sturm könnte zum Zünglein an der Waage werden. Möglicherweise fehlt der Stürmer mit dem berühmten Näschen für das Tor.

Prognose: Platz 3-7

Offensiv oder defensiv, welche Ausrichtung macht das Rennen? 2017/18 war es ersteres, wie vor allem der SC Paderborn eindrucksvoll zeigte. Weil der KSC so konzentriert verteidigen kann wie kaum ein anderer und recht eingespielt ist, wird man mit ihm rechnen müssen.

 

Ausgangslage

Ein Abstieg ist immer eine bittere Pille, für den 1. FC Kaiserslautern aber war besonders hart. Noch nie haben die Pfälzer in der Drittklassigkeit gespielt. Fast die ganze Mannschaft hat sich verabschiedet, mehr als 25 Spieler. Verpflichtet wurde ebenso fröhlich – geht es nach bloßer Prominenz, ist Kaiserslautern klarer Liga-Favorit. Trainer Michael Frontzeck muss diesem Anspruch Taten folgen lassen.

Zu- und Abgänge

Die Spieler, die dem FCK nach dem Abstieg treu geblieben sind, lassen sich an einer Hand abzählen: Mads Albaek, Gino Fechner, Dylan Esmel, Lukas Spalvis sowie die Torhüter Jan-Ole Sievers und Lennart Grill. Neu dazugestoßen sind einige Zweitliga-Spieler, einige starke und viele talentierte Leute aus der 3. Liga. Wir haben das Konzept der Roten Teufel ein hochspannendes genannt, und das ist es immer noch. Unsere Schlüsselspieler: Timmy Thiele im Sturm, Theo Bergmann im Mittelfeld und Kevin Kraus in der Defensive.

Testspiele

Gegen die eigenen Fans und andere Teams, die sportlich nicht konkurrenzfähig sind, schoss Lautern zahlreiche Tore. Die ernstzunehmenden Tests gegen den FC Ingolstadt (0:2) und den VfL Bochum (2:2) endeten wechselhaft, lieferten aber gute Erkenntnisse. Am Samstag wartet noch Dynamo Dresden.

Mannschaft

Das Team ist komplett neu zusammengestellt. Dass in den ersten Wochen nicht alles glatt laufen wird, ist zu erwarten. Dann müssen alle Verantwortlichen die Ruhe bewahren. Je eher der Betzenberg wieder zur alten Festung wird, desto größer sind die Aufstiegschancen.

Prognose: Platz 1-4

Kaiserslautern ist Topfavorit. Eine Platzierung im Spitzenquartett ist Pflicht, die Qualifikation für die 2. Bundesliga eigentlich auch. Denn das wirtschaftliche Minus in der 3. Liga wird auf Dauer massiv sein.

 

Ausgangslage

Während der 1. FC Kaiserslautern recht frühzeitig für die 3. Liga planen konnte, erwischte es Eintracht Braunschweig unvermittelt am allerletzten Spieltag. Das beeinflusste die Planungen sichtlich, denn es dauerte Wochen, bis die ersten Transfers vermeldet wurden. Noch immer ist der Kader nicht komplett – nur eine Woche vor dem Saisonstart sind das semi-optimale Voraussetzungen.

Zu- und Abgänge

Onur Bulut, Philipp Hofmann und Frederik Tingager sind die bekanntesten Akteure, die der Eintracht die Treue hielten. Fast alle anderen Spieler zogen weiter oder wurden aussortiert – darunter Spieler mit Legendenstatus wie Mirko Boland und Ken Reichel. Die Neuen kommen aus der Viertklassigkeit, aus Dänemark, Norwegen und Ungarn. Einzig die Klasse von Mittelfeldmann Stephan Fürstner, zuletzt Union Berlin, ist realistisch einschätzbar. Er wird ein wichtiger Faktor sein.

Testspiele

Nur fünfmal testet Braunschweig bis zum Liga-Start. Die bisherigen Ergebnisse sind zufriedenstellend: 1:1 spielte man gegen den dänischen Erstligisten Velje BK, 1:0 schlug der BTSV Greuther Fürth. Zur Generalprobe kommt  Waldhof Mannheim an die Hamburger Straße.

Mannschaft

Sie ist eine Wundertüte. Einige Skandinavier sind nach wie vor dabei, dazu wurden (zumindest vorübergehend) viele Juniorenspieler ins Training einbestellt. In der Breite fehlt es, außerdem ist die Mannschaft sehr jung. Doch neue Spieler können nach bisherigem Stand erst kommen, wenn die "Stars" Christoffer Nyman, Suleiman Abdullahi und Gustav Valsvik verkauft werden.

Prognose: Platz 3-9

Es wird sich bis zum 31. August wohl noch einiges tun bei der Eintracht. Aber das ist Zukunftsmusik. Geht der Kader so an den Start, wie er jetzt aussieht, wird der angepeilte Wiederaufstieg nicht zuletzt aufgrund der enormen Konkurrenz schwierig. Bei entsprechenden Verstärkungen ist der Relegationsplatz aber drin.

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  • 1860er Fan aus Straubing

    Ich versteh eure Prognosen einfach nicht…
    Bei den Abstiegskandidaten Platz x-19???
    Bei Abstiegskandidaten Platz x-2???
    Es können doch außer Lautern auch die anderen Aufstiegskandidaten 1. Werden.

    • Phillip

      Hier gibts auch nix zu verstehen. Es gibt keine Logik, weil einfach willkürlich und subjektiv eingeschätzt wird. Man muss sich ja nur mal anschauen, wie viele Mannschaften hier ins vordere Mittelfeld eingeschätzt wurden. Bei 4 Abstiegsplätzen wurde gerade mal 3 Mannschaften als Absteiger eingeschätzt und davon keiner bis Platz 20. Insgesamt wurden gerade mal 5 Mannschaften als Aufsteiger eingeschätzt, aber nur 2, nämlich FCK und SVWW, die es direkt schaffen könnten. Für mich ist diese Liga inzwischen eine Zweiklassengesellschaft, in der er zu viele Vereine zu viel wollen. Realistisch gesehen kommen Kaiserslautern, Uerdingen, Wehen, Karlsruhe, Braunschweig, Rostock, 1860, WBG sowie Unterhaching in die obere Hälfte und Lotte, Zwickau, Aspach, Meppen, Jena, CB und OS in die untere Hälfte. Der Rest pendelt im Mittelfeld. Natürlich wird es eine pos. und neg. Überraschungen geben, aber so einfach ist diese Liga im Prinzip einzuschätzen.

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