Rücktrittswelle in SVW-Führungsebene: Präsident Beetz "ernüchtert"

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Sportlich gesehen läuft es für den SV Waldhof Mannheim in der 3. Liga richtig gut, denn der Aufsteiger setzte sich zum Saisonstart in der oberen Tabellenhälfte fest. Gleichzeitig aber rumort es im Hintergrund, erneut vermeldete der Klub den Rücktritt mehrerer hochrangiger Offizielle in der Führungsebene. SVW-Präsident Bernd Beetz wurde davon überrascht.

Stimmt das Miteinander nicht?

Drei Präsidiumsmitglieder und ein Aufsichtsratsmitglied verlassen den SV Waldhof Mannheim mit sofortiger Wirkung, am Dienstag wurde SVW-Präsident Bernd Beetz von dieser Rücktrittswelle überrascht. "Noch vor wenigen Wochen habe ich von mehreren Akteuren Zeichen der Bewunderung für mein Engagement im Club erhalten – und jetzt fällt man dem Verein so in den Rücken", erklärt der 69-Jährige gegenüber dem "Mannheimer Morgen", der die Trennungen laut des Blattes mit "großer Ernüchterung" entgegengenommen habe.

Wie der "SWR" dazu berichtet, habe in Bezug auf Beetz "das menschliche Miteinander nicht gestimmt", sodass die Spitzenfunktionäre den Verein nun verlassen. Gegenüber dem "Mannheimer Morgen" sei die Formulierung noch drastischer gewesen und von einer "Schreckensherrschaft der Familie Beetz" gesprochen worden. SVW-Präsident Beetz konterte: "Wenn Sie mich fragen, ist die Motivation hinter solchen Aussagen doch ganz klar: Hier müssen Versager ihren Frust abarbeiten."

Handlungsfähigkeit wieder hergestellt

Welche Hintergründe nun wirklich ausschlaggebend waren, werden nur die Internen im Detail kennen. Fakt ist jedoch, dass bereits im vergangenen Herbst das komplette Präsidium um Klaus Rüdiger Geschwill geschlossen von seinen Ämtern zurückgetreten war. Auch Vizepräsident Stefan Höß zog im Juli die Reißleine. "Auch, wenn ich das gern vermieden hätte: Wir besetzen die Posten einfach neu – da mache ich mir keine Sorgen", kündigt Beetz derweil an. Bereits am Mittwochvormittag konnte der Aufsteiger die Handlungsfähigkeit wieder herstellen: Michelle d’Ancona ist neues Präsidiumsmitglied, zusätzlich nimmt sie den freigewordenen Platz im Aufsichtsrat der Spielbetriebs GmbH ein.

"Wir sind froh, dass Sie sofort zugesagt hat und dieses für uns wichtige Amt mit ihrem Engagement und ihrer ganzen Kompetenz übernimmt. Wir sind glücklich, diese Personalie im Präsidium schnell und qualitativ geklärt zu haben", freut Beetz.

Sorgen des Fanverbandes

Die Grabenkämpfe in der Führungsetage ruft gleichzeitig auch den Fanverband "Pro Waldhof" auf den Schirm. Diese wandten sich mit einem offenen Brief an den Klub, darin heißt es: "Die Rücktritte aus den Ehrenämtern und die Kündigung müssen leider als Fortsetzung einer äußerst bedenklichen Entwicklung gesehen werden." Der Fanverband sorge sich darum, dass sich künftig "kaum noch qualifiziertes und ehrliches Personal aus der Region für diese Ämter zur Verfügung stellen" würde.

Finanziell ist der SVW dank Beetz gut aufgestellt: Ein Defizit von 1,8 Millionen Euro für die Spielbetriebsgesellschaft habe der Investor ausgeglichen, ein zu erwartender Verlust des eingetragenen Vereins (e.V.) für das laufende Jahr würde Beetz auch absichern. Wohl ein zu hoher Preis für manche Funktionäre.

   
  • Sterneneisen

    So sieht es eben aus, wenn Investoren Vereine de facto übernehmen – trotz 50+1 Regeln. Einfach alle raushauen, bis jemand da ist der nicht mehr unabhängig ist, sondern nur noch "unabhängig". Dem DFB reicht’s (RBL, Uerdingen, …).

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