Erfurt: Rettungsanker Bieber bringt kolossale Erleichterung

Von Beruhigungstropfen bis hin zu Herztabletten brauchten Anhänger von Rot-Weiß Erfurt am Samstagnachmittag wohl das gesamte Sortiment: Zwischenzeitlich war RWE tatsächlich auf den Abstiegsplatz 18 abgerutscht – dann kam Christopher Bieber, der Joker, der jedoch nur in Startelf-Einsätzen auch trifft. Die Erleichterung ist nach dem 2:1-Erfolg bei Hansa Rostock enorm.

Plötzlich stand Erfurt auf dem Abstiegsplatz

Durchatmen, tief durchatmen: Die zahlreich mitgereisten Erfurter Fans müssten sich am Samstag um 15:20 Uhr erst einmal beruhigen. War das gerade wirklich geschehen? Ja! Rot-Weiß Erfurt hatte sich mit nur einem Tor vom 18. Rang zurück auf die 16 katapultiert und damit den Spielverlauf an der Ostsee ein Stück weit auf den Kopf gestellt. "Als wir gehört hatten, dass Bremen – warum auch immer – Frankfurt plötzlich abschlachtet, mussten wir uns fragen: Nehmen wir den Punkt mit oder spielen wir auf Risiko?“, erklärte Trainer Stefan Krämer gegenüber dem MDR nach Spielende seine taktischen Überlegungen. Auch ihm war der kuriose Zwischenstand vom Bornheimer Hang, der bei nicht wenigen Anhängern der Steigerwälder Gedanken an Wettbewerbsverzerrung hervorbrachte, nicht entgangen – Krämer aber musste einen kühlen Kopf bewahren. Seine drei Wechsel waren unter anderem nach der frühen verletzungsbedingten Herausnahme von Jens Möckel schon aufgebraucht, der Übungsleiter konnte nur mit dem vorhandenen Personal die Ausrichtung korrigieren.

Krämer: "Das Tor kann in die Geschichte eingehen"

Ob es schlussendlich daran lag oder Erfurt vielleicht einfach nur Glück besaß, ist zwei Tage später ohnehin zweitrangig. Es passte nun einmal in dieser 87. Minute, als der kleine Carsten Kammlott einen weiten Ball aus der aufgerückten Viererkette mit dem Kopf verlängerte und der große Bieber mit dem linken Fuß das Leder an Hansa-Keeper Marcel Schuhen vorbeispitzelte. Zwei, drei Sekunden, die sich wie Stunden anfühlten, trudelte der Ball in Richtung rechtes Toreck – dann rutschte er über die Linie, alle Klärungsversuche waren zu spät. "Dieses Tor hat Potenzial, in die Geschichte einzugehen“, so der 50-jährige Übungsleiter, "denn unsere Ausgangslage hat sich nun deutlich verbessert. Dennoch müssen wir diesen Platz nun auch ins Ziel bringen.“ Und darüber wird erst am 38. Spieltag entschieden.

Sieg gegen Großaspach – oder etwas Schützenhilfe

Unter dem Strich macht der Auftritt in Rostock aber Mut, auch wenn die Kogge ebenso gleich mehrfach am Torerfolg scheiterte und Erfurt in einigen Szenen den Papst in der Tasche besaß. Auch die Führung des eingewechselten Andre Laurito, der nach einem Eckball entschlossen einköpfte (30.), sorgte (noch) nicht für Entspannung, denn Rostock blieb dran und kam durch einen schönen Treffer von Fabian Holthaus zum Ausgleich (49.). Das Ende jedoch ist bekannt – und es führte unter anderem zur Beurlaubung von Rostocks Coach Christian Brand. Theoretisch kann RW Erfurt die Küstenstädter damit am letzten Spieltag sogar noch überholen, was verdeutlicht: Auch für den FCH war der Klassenerhalt letztendlich eine knappe Angelegenheit. Ein Sieg weniger, und auch der ambitionierte ehemalige Bundesligist wäre gewaltig ins Schwitzen gekommen. Erfurt dagegen benötigt abschließend einen Sieg über Großaspach, um in jedem Fall die Klasse zu halten – alternativ Schützenhilfe aus Osnabrück (gegen Paderborn) oder Aalen (in Bremen).

   
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