"Informationslücken": RWE sagt Mitgliederversammlung ab

Am Freitagabend wollte der FC Rot-Weiß Erfurt seine Mitglieder eigentlich über die aktuelle finanzielle Lage des Vereins informieren, doch daraus wird nun nichts. Am Mittwoch sagte Aufsichtsratsvorsitzender Peter Kästner die Mitgliederversammlung kurzfristig ab. Als neuer Termin steht Ende Januar 2018 im Raum. Schon die außerordentliche Mitgliederversammlung am 4. November wurde kurzfristig abgesagt.

"Nicht klar, wer derzeit Mitglied ist"

Der Grund für die Verschiebung der am Freitag geplanten Jahreshauptversammlung: Laut Kästner bestehe derzeit "große Unsicherheit darüber, welche Personen Mitglieder des Vereins sind." Bevor keine Klarheit über die Mitgliederstruktur im Verein herrsche, "können Abstimmungsergebnisse nicht sicher festgestellt werden", so der Aufsichtsratsvorsitzende. Andernfalls würden langwierige und kostenintensive Rechtsstreite drohen, "die dem Wohl des Vereins schaden", warnt Kästner.

Darüber hinaus könne das Präsidium "in der derzeitigen Situation" weder über die wirtschaftliche Lage des Vereins noch über dessen Zukunftsaussichten verlässlich informieren, heißt es in der Mitteilung. Daher sei die Gefahr von gerichtlichen Auseinandersetzungen wegen unvollständiger Information der Mitgliederversammlung "zu groß" – auch diese würden dem Wohl des Vereins schaden. Die Zeit bis zur Abhaltung der neu einzuladenden Mitgliederversammlung (voraussichtlich Ende Januar 2018) soll laut Kästner nun genutzt werden, um die Informationslücken zu schließen und sich Klarheit über die Mitgliederstruktur zu verschaffen.

Nowag kritisiert Absage

Präsident Frank Nowag hat die Absage der Mitgliederversammlung unterdessen kritisiert und sie als "falsch" bezeichnet. Zwar müsse, so Nowag, Sorge getragen werden, "eine rechtlich nicht zu beanstandende Versammlung durchführen zu können", dennoch hätte es einen Weg geben müssen – trotz konkreter Hinweise auf Wahlbeeinflussung.

Was nun folge, seien juristische Auseinandersetzungen, "die uns weiter beeinflussen werden und aus meiner Sicht komplett unnötig sind", so der RWE-Präsident, der sich gewünscht hatte, "dass am Freitag der neue Weg für RWE beschlossen worden wäre." Dabei sei es unerheblich, ob mit ihm als Präsidenten oder jemand anderem. "Der Verein steckt in der größten Krise seiner Geschichte und so wird es nur noch unnötig schwieriger für uns alle", macht Nowag klar.

"Finanzsituation ist weiter dramatisch"

Somit bleibt das vollständige Ausmaß der finanziellen Probleme bei RWE offen. Schon am Montag sprach Nowag aber von einer "weiter dramatischen Finanzlage" und stellte fest, dass RWE "quasi in allen Bereichen nicht unerhebliche Außenstände" habe – selbst bei Borussia Dortmund und dem Mannschaftsbus-Unternehmen. Zudem kann RWE die Miete für die Geschäftsstelle nicht mehr zahlen und steht allein beim Stadion-Caterer mit 60.000 Euro im Rückstand.

Nach wie vor droht somit die Insolvenz. Doch wie knapp Rot-Weiß Erfurt vor der Zahlungsunfähigkeit steht, darauf erhalten die Mitglieder vorerst keine Antwort.

 
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