Rettig über Ostermann-Gedankenspiel: "Keine kluge Idee"

Springt Hartmut Ostermann, Präsident des 1. FC Saarbrücken, bei Türkgücü München ein, damit die Münchner den Spielbetrieb zumindest bis Ostern fortsetzen können und eine Annullierung aller Spiele damit vom Tisch ist? Dieses Gerücht macht seit Dienstagnachmittag die Runde. Andreas Rettig, Geschäftsführer von Viktoria Köln, hält wenig davon.

Geschäftsgebaren von Türkgücü "unseriös"

500.000 Euro für drei Partien? Mit diesem Gedankenspiel soll sich der FCS-Boss nach "Bild"-Angaben derzeit beschäftigen. Der Grund: Sollte Türkgücü den Spielbetrieb vor den letzten fünf Spieltagen einstellen, würden alle Partien der Münchner annulliert werden. Der 1. FC Saarbrücken würde auf einen Schlag sechs Zähler verlieren, vom dritten auf den fünften Rang abrutschen und plötzlich zwei Zähler hinter dem Relegationsplatz liegen. Die gute Ausgangslage im Aufstiegskampf wäre dahin.

Das Geld von Ostermann – etwa in Form eines Sponsorings – könnte dafür sorgen, dass alle Spiele des insolventen Klubs in der Wertung bleiben. Das wäre der Fall, wenn Türkgücü mindestens noch den 34. Spieltag absolviert. Alle nicht ausgetragenen Spiele würden dann mit 2:0 für den Gegner gewertet werden. Gegenüber dem "Saarländischen Rundfunk" hatte der FCS den Gerüchten, wonach der Klub die Münchner finanziell unterstützen wolle, zwar widersprochen, allerdings ist fraglich, ob der 1. FC Saarbrücken als Verein für Ostermann als Sponsor und Unternehmer sprechen kann.

Gegenwind gibt es von Viktoria Kölns Geschäftsführer Andreas Rettig. Der frühere DFL-Geschäftsführer zeigt sich wenig angetan vom Gedankenspiel des 70-Jährigen: "Ich schätze Herrn Ostermann sehr", wird Rettig im "Express" zitiert. "Aber das System des ruinösen Wettbewerbs, für den Türkgücü stand, durch Dritte am Leben zu halten, wäre keine kluge Idee." Das Geschäftsgebaren von Türkgücü sei "unseriös" und gehöre "drakonisch bestraft", so der 58-Jährige. "Mein Mitleid mit Türkgücü hält sich in Grenzen." Dass Türkgücü nun möglicherweise Einfluss auf den Auf- und Abstieg nehme, sei "skandalös", schimpft Rettig.

Rettig fordert "radikalen Gehaltsverzicht"

Statt Türkgücü mit Geld zu unterstützen, fordert der 58-Jährige einen "radikalen Gehaltsverzicht der Profis bis zum Saisonende." Kölns Geschäftsführer weiter: "Die Mannschaft hat sportlich schon einige Ausrufezeichen, unter anderem mit dem Sieg gegen Magdeburg gesetzt. Jetzt bietet sich den Spielern die Chance, auch abseits des Platzes Fairplay zu zeigen." Spieler wie Alexander Sorge hatten zuletzt bereits durchblicken lassen, dass sie zu einem Gehaltsverzicht bereit sind: "Ich bin Fußballer und ich will Fußball spielen – bis Ende Mai." Doch der Verzicht auf Gehalt allein wird wohl nicht reichen, um den Spielbetrieb mindestens bis Ostern, oder besser bis zum Ende der Saison, fortsetzen zu können. Es braucht einen neuen Investor – oder einen liga-internen Geldgeber, wie Ostermann.

Derweil übt Rettig Kritik am DFB: "Wie kann es sein, dass nach dem KFC Uerdingen schon der zweite Verein innerhalb von zwei Jahren während einer Saison in die Insolvenz geht? Hat der DFB da beim eigentlich zu Recht gerühmten Lizenzierungsverfahren nicht richtig hingeschaut?" Insgesamt ist Türkgücü sogar schon der neunte Verein seit Gründung der 3. Liga, der Pleite gegangen ist. Kein gutes Bild für eine Profiliga, in der nun acht Spieltage vor Saisonende nicht klar ist, ob tatsächlich alle Spiele gewertet werden.

   

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