Preußen Münster: Gefährliche Lage trotz guter Ansätze

Fünf Spiele, vier Punkte: Bei Preußen Münster ist man darum bemüht, sich die Ernüchterung nach all der Aufsteiger-Euphorie nicht allzu sehr anmerken zu lassen. Eigentlich sollte es ein gutes Zeichen sein, dass zumindest die gängigen Statistiken klare positive Signale senden. Doch genau das kann sich als Trugschluss erweisen.

Essen und Mannheim: Zwei Schocks binnen weniger Tage

Die Länderspielpause dürfte den Adlerträgern gutgetan haben. Zwei Wochen ohne Punktspiel bedeuten schließlich für alle Langzeitverletzten: zwei Wochen näher am ersehnten Comeback. Dass dieses bei Dennis Grote und Dominik Schad noch bis ins Jahr 2024 hinein dauern wird, gilt als nahezu sicher, und auch Flügelflitzer Shaibou Oubeyapwa dürfte noch mehrere Monate fehlen. Nur Kapitän Marc Lorenz – was heißt hier nur, auf dessen Rückkehr wird sehnlichst gewartet – macht nach seinem schwer nervigen Haarriss im Wadenbein Fortschritte. Ob er schon am Samstag bei Absteiger SV Sandhausen auflaufen kann? Das ist offen, die Tendenz ist eine eher negative, aber viel fehlt dem so ehrgeizigen 35-Jährigen nicht mehr. Er brächte Erfahrung, die die Schwarz-Weiß-Grünen in Mittelfeld und Abwehr dringend bräuchten.

Erst das 0:1 bei Rot-Weiss Essen, dann das 1:3 daheim gegen Waldhof Mannheim: Die vergangenen Partien brachten alles, aber keine glücklichen Gesichter mit sich. Der Ausgang der Essen-Partie war irgendwie hinnehmbar, die Gastgeber waren stark gewesen, aber Münster spielte ansehnlich mit und hatte Chancen. Das Gegentor tief in der Nachspielzeit – ein Schock. Gegen den Waldhof dominierte der SCP zumindest eine Phase von der 10. bis zur 45. Minute, dies aber in beeindruckender Art und Weise.

Dann klingelte es wie aus heiterem Himmel per Distanzschuss im falschen Tor, und die Münsteraner gingen trotz anschließender Halbzeitpause k.o., fanden nie mehr in die Partie zurück. Das sah doch alles beim bis dato einzigen Saisonerfolg, dem 3:1 über Ingolstadt, noch ganz anders aus! Zur Wahrheit gehört aber dick unterstrichen: Preußen Münster fehlt das erste Tor, das 1:0. Dies gelang in keinem von fünf Saisonanläufen. Was angesichts der statistischen Grundlage enorm verwunderlich ist.

Nur vier Tore aus 80 Abschlüssen

10,6 erwartete Tore haben die Preußen verbucht, nur Dynamo Dresden (11,5) ist gemessen an der nackten Chancenqualität offensivstärker. Nur ist das entscheidende Kriterium die Verwertungsquote – und die ist unterirdisch. Vier Tore sprangen lediglich heraus, zwei davon waren präzise Weitschüsse, eines ein Strafstoß. Im Sechzehner ist der Sportclub harmlos, weil Regionalliga-Torjäger Gerrit Wegkamp eine Etage höher sein Limit findet, Neuzugang Joel Grodowski nebst aller Durchsetzungsstärke und Schnelligkeit nicht abgezockt genug ist und KSC-Transfer Malik Batmaz bislang nur einen starken Auftritt hatte, ansonsten aber noch unscheinbar blieb. Dazu kommt Oldie Andrew Wooten, der selbst bekundete, dass er gerne in letzter Minute zurück in die Regionalliga zu den Kickers Offenbach gegangen wäre, als das Angebot da war. Das Geschäft platzte, weil die Preußen ihrerseits Düsseldorfs wuchtiges Talent Jona Niemiec nicht ausleihen konnten.

So stehen sie da mit 80 Torabschlüssen, keiner in der Liga hat mehr, und einem Abstiegsplatz in der einzigen Tabelle, die zählt. Wie lange hält die Geduld der Fans? Nach dem 1:3 gegen Mannheim war es erstmals deutlich ruhiger im Preußenstadion, es gab keine Pfiffe, das wäre wohl auch völlig vermessen gewesen. Doch der Rückhalt ist ein bisschen geschrumpft, nach drei Regionalliga-Jahren mit Siegen als Selbstverständlichkeit müssen Niederlagen in Folge erst wieder akzeptiert werden. Oder hatte ernsthaft jemand geglaubt, der Erfolg wäre auch in der 3. Liga kontinuierlich?

Problematisch wird es, wenn jene Souveränität aus den vielen guten Spielphasen dieses Saisonauftakts verloren geht, weil die Erfolge fehlen. Am Samstag in Sandhausen ist eine Niederlage einzukalkulieren, als Aufsteiger lässt sich beim Absteiger primär überraschen. Umso wichtiger ist schon jetzt ebenso, was die Woche darauf passiert: Daheim gegen Mitaufsteiger VfB Lübeck muss Preußen Münster seine Konkurrenzfähigkeit nachweisen. Nicht mit schönen Ansätzen, sondern mit Toren und drei Punkten.

   
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