Osnabrück empfängt Münster: Das Derby in der Vorschau

Die insgesamt zwölfte Auflage des Derbys zwischen dem VfL Osnabrück und Preußen Münster in der eingleisigen 3. Liga findet am morgigen Samstag statt. Ein Duell, das sein Charme und seine Emotionalität nie verlieren wird – aber auch ein Spiel, das regelmäßig von umfassenden Sicherheitsvorkehrungen begleitet wird. liga3-online.de wirft einen Blick auf die verschiedenen Facetten im „Derby des Westfälischen Friedens“.

Die Tabellensituation

Ein Blick auf die Tabelle verrät ganz schnell: Der VfL Osnabrück ist – auch wenn Trainer Joe Enochs diesen Begriff in seiner Bescheidenheit nur ungerne verwenden wird – klarer Favorit, und das nicht nur aufgrund seines Heimvorteils an der Bremer Brücke. Der Tabellendritte trifft auf den Sechzehnten. Eine Hinrunde im Aufstiegskampf trifft auf eine Hinrunde, die aus Preußen-Sicht so schwach wie nie zuvor verlief. Plötzlich muss der Sportclub Abstiegskampf lernen. Und das mit Spielern, deren wichtigste Fähigkeiten nicht zwangsläufig aus Kratzen, Beißen und Kämpfen bestehen. Michele Rizzi, Tobias Rühle, Sinan Tekerci und Co. müssen kämpfen. Schönspielerei zählt nicht.

Der VfL befindet sich gleichwohl ebenso in einer trügerischen Situation. Denn die eingefahrenen Ergebnisse deuten in etwa seit dem zehnten Spieltag allenfalls noch auf einen Mittelklasse-Wagen denn auf die Luxus-Limousine der 3. Liga hin. Der dritte Platz ist allen voran das Resultat der fehlenden Konstanz von Verfolgern wie Holstein Kiel oder dem Chemnitzer FC. Es wäre schon vor dem Jahreswechsel viel mehr möglich gewesen für den VfL.

Die personelle Lage

Beim VfL Osnabrück fehlen zwei Achsen des Spiels: Christian Groß laboriert noch immer an einer Kreuzbandverletzung, ist keine Option für Samstag. Stürmer und goldener Torschütze aus dem Hinspiel Halil Savran fehlt aufgrund eines Knorpelschadens im Knie gar voraussichtlich bis Saisonende. Ein schweres Handicap für die Gastgeber, zumal Savran seinen größten Wert in Derbys nicht nur durch spielerische Glanzmomente setzt. Er besitzt die Fähigkeit und die Tricks, Zuschauer zu motivieren, den Gegner zu nerven und für echte Derby-Atmosphäre zu sorgen. Eben jenes Repertoire, das auch Amaury Bischoff bei Preußen Münster besaß. Der kickt nun aber nach seinem Vereinswechsel für Hansa Rostock. Das könnte ein richtig „langweiliges“ Duell geben…

Nachgelegt haben übrigens beide Klubs. Talent Kemal Rüzgar soll im VfL-Sturm Savran ersetzen, hat gute Karten für die Startelf. Beim SC Preußen kann sich Mirkan Aydin im Sturmzentrum Chancen ausrechnen, Ex-Osnabrücker Adriano Grimaldi ist nach seiner Verletzung noch nicht auf altem Leistungsniveau. Christian Müller – der im Februar 2015 beim 4:0-Erfolg von Arminia Bielefeld in Osnabrück eine hervorragende Leistung zeigte – ist derweil eine Option für den rechten Flügel. Den Preußen fehlt dafür höchstwahrscheinlich Benjamin Schwarz im defensiven Mittelfeld.

Das sagen die Trainer

"Die Spieler wissen, dass sie eine besondere Atmosphäre erwartet“, gab Preußen-Trainer Benno Möhlmann zu Protokoll. Er hat selbst bereits mit Eintracht Braunschweig Duelle gegen Hannover 96 erlebt – Derby sind für ihn nichts Neues. "Abgetrennte Schweinsköpfe, beschmierte Busse, minutenlange Schmähgesänge – das bin ich gewohnt“, so der 62-Jährige, der den Kontrahenten aus Osnabrück in einem 4-4-2-System erwartet. Auch Neuverpflichtung Kemal Rüzgar wird nach seiner Erwartung bereits in der Startelf des Rivalen stehen. Zum eigenen Team hielt sich Möhlmann weitestgehend bedeckt, wollte allen voran in der Offensive noch nicht alle Karten auf den Tisch legen.

Und Joe Enochs? Der hat gegen Preußen Münster als Trainer bisher noch kein Derby verloren – und das soll auch so bleiben. "Ich freue mich als Trainer immer besonders, wenn wir vor einer solchen Kulisse spielen dürfen“, so der US-Amerikaner, der die Anhänger nochmals motiviert: "Ich möchte, dass das Derby ausverkauft ist!“ Von seiner Elf erwarte er wieder Herzblut und Leidenschaft, übermotiviert sollen seine Spieler jedoch nicht agieren. "Wenn wir einfach unsere Rolle erfüllen, unseren Part spielen, dann besitzen wir eine gute Chance.“

Die Begleiterscheinungen

Ein ausverkauftes Haus wird der VfL Osnabrück wohl nicht vermelden können. Diese Nachricht kommt allen voran daher überraschend, weil der "kleine" Nachbar aus Lotte erst im vergangenen Herbst die (damalige) osnatel-Arena bis auf den letzten Platz füllte. Zieht Nachbarschaft etwa mehr als Historie? Jedenfalls müssen sich die Anhängerschaft beider Klubs auf große Einschränkungen gefasst machen: In einem Umkreis um das Stadion an der Bremer Brücke darf auf offener Straße kein Alkohol konsumiert werden, auch Glasflaschen, Dosen sowie ein Alkoholverkauf in Läden ist tabu. Als wäre das nicht genug, herrschen über weite Strecken des Samstages in allen Regionalzug-Verbindungen, die über den Hauptbahnhof Osnabrück laufen, die gleichen Restriktionen. Eine harte Maßnahme der Sicherheitsbehörden, dessen Umsetzbarkeit angezweifelt werden darf. Allen voran im Lager der Gästefans herrscht reger Unmut über diese Entscheidung. Ob die Fahrt zu einem sportlich reizvollen Derby unter diesen Umständen tatsächlich noch Freude bereitet, darf in der Tat zumindest vorsichtig angezweifelt werden.

   
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