Nach Regionalliga-Rückzug: RWE vor ungewisser Zukunft

Tagelang hatte Spieler und Fans des FC Rot-Weiß Erfurt gehofft und gebangt, doch es half nichts: Weil Gespräche mit neuen Investoren erfolglos blieben, musste Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Volker Reinhardt am Mittwoch die Reißleine ziehen und die Mannschaft vom Spielbetrieb in der Regionalliga abmelden. RWE steht nun vor einer ungewissen Zukunft.

Reinhardt in der Kritik

Es ist noch nicht mal zwei Jahre her, als Rot-Weiß Erfurt am 14. März 2018 einen Insolvenzantrag stellte und kurz danach aus der 3. Liga abstieg. Nun sind die Thüringer zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren pleite. Die Schuld dafür sehen viele Fans bei Insolvenzverwalter Volker Reinhardt. Schon im Herbst 2018 stand RWE vor neuen finanziellen Problemen, weil Reinhardt offenbar zu viel Geld ausgegeben hatte und einigen Spielern angeblich Drittliga-Gehälter gezahlt haben soll. Alles mit dem Ziel, so schnell wie möglich in die 3. Liga zurückzukehren.

Im vergangenen Herbst schien zumindest die finanzielle Situation durch den Einstieg von drei Investoren gesichert zu sein. Doch weil die anvisierte Ausgliederung der Profiabteilung scheiterte und es zwischen den Geldgebern und Reinhardt Streitigkeiten über die Verwendung der zur Verfügung gestellten Finanzmittel gab, stellten die Investoren die Zahlungen vor zwei Wochen ein. Einen neuen Investor fand Reinhardt bis Mittwochnachmittag nicht – und musste daher die Notbremse ziehen. Allein in dieser Saison sollen sich laut der "Thüringer Allgemeinen" Verbindlichkeiten in Höhe von 1,4 Millionen Euro angehäuft haben.

Neustart in der Oberliga?

Wie es beim Gründungsmitglied der 3. Liga künftig weitergeht, ist offen – der Klub befindet sich nun einem Insolvenzplanverfahren. Nach der Abmeldung vom Spielbetrieb werden bis zum Sommer keine Spiele mehr stattfinden, in der kommenden Spielzeit will Rot-Weiß Erfurt in der Oberliga neustarten. Ob das gelingen kann, wird sich zeigen. Vorerst ist das Ziel, das Nachwuchsleistungszentrum mit seinen Jugendmannschaften zu erhalten. Reinhardt sieht hierbei die Vereinsgremien und Vereinsmitglieder gefordert.

Sollte der Neustart in der Oberliga finanziell möglich sein, müsste Rot-Weiß Erfurt ein komplett neues Team zusammenstellen. Die bisherigen Spieler werden sich bis zum morgigen Freitag nach einem anderen Klub umschauen, über eine zweite Mannschaft verfügt RWE nicht mehr. Klar ist: Vom Profifußball haben sich die Thüringer mit der Abmeldung vom Spielbetrieb vorerst verabschiedet, in der 5. Liga dürfte unter Amateur-Bedingungen gearbeitet werden. Ob der direkte Wiederaufstieg ein Thema sein kann, steht noch völlig in den Sternen. Wie es bei den Sponsoren, dem Stadion und den Mitarbeitern weitergeht, ist ebenfalls ungewiss. Feststeht dagegen: Die Rückkehr in den Profifußball wird für den zweimaligen DDR-Meister und langjährigen Drittligisten weit. 

   
  • ironimus

    Schade um RWE. Der jetzige Tiefpunkt ist das Ergebnis eines jahrelangen sportlichen und finanziellen Siechtums. Dabei hat der Verein große Tradition. Er wurde zweimal DDR-Meister und einmal Vizemeister, brachte bekannte Nationalspieler hervor. Mit zwei kurzzeitigen Unterbrechungen war er Stammgast in der DDR-Oberliga bis zu deren Auflösung 1991. In der 3.Liga führte er 10 Jahre lang die Gesamtrangliste an, auch wenn es zum Aufstieg nicht mehr reichte. Der anschließende Niedergang wurde auch durch Mängel im Umfeld begleitet. Der zu große, auf Leichtathletik fokussierte Umbau des Stadions hat dem Verein nicht gutgetan. Man denke nur an die dauerhafte Sperrung der Haupttribüne bei RWE-Spielen, die bei LA-Veranstaltungen komischerweise immer aufgehoben wurde. Siehe das obige Bild, das eine vollbesetzte Haupttribüne zeigt. Auch im Verein machte sich immer mehr Lethargie breit. Bei einem Blick auf die Webseite des Vereins stach einem sofort eine vorsintlutliche Aufmachung mit dünnen und teilweise nichtssagenden Informationen ins Auge. Sicher nur ein Nebenaspekt, aber auch ein Indiz dafür, dass bei RWE nichts mehr voranging. Es kam eben alles zusammen. Vielleicht gelingt ein Neuanfang in der Oberliga. Aber auch der wird angesichts der aktuellen Misere sehr schwierig sein.

  • Karl-Heinz Schmidt

    Wer Pleite ist darf nicht andere Vereine in die Klemme bringen..Das war bei der ersten Insolvenz von Erfurt,Chemnitz der Fall als Chemie Leipzig zwangsabsteigen mussten .Da hatte es Chemie Leipzig als wirtschaftlich gesunden Verein erwischt,sie konnten damals nicht in die Regionalliga aufsteigen.DFB muss endlich reagieren und Pleitevereine ganz unten einstufen.

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