Mannheim-Trainer Kocak: "Ich verstehe die Welt nicht mehr“

Ist das Ergebnis nun gut oder schlecht – und wenn ja, für wen überhaupt? Das Relegationsspiel zwischen den Sportfreunden Lotte und dem SV Waldhof Mannheim kann in vielerlei Richtung gedeutet werden. Klar ist: Mit dem 0:0-Remis ist die Tür zur 3. Liga sowohl für den Emporkömmling aus dem Tecklenburger Land als auch für den Traditionsverein aus Baden noch weit geöffnet.

Waldhof Mannheim holt Remis, erzielt aber kein Tor in Lotte

Eine sportliche Analyse und damit einhergehende Prognose für das Rückspiel gestaltet sich nach torlosen 90 Minuten in jedem Fall schwer. Die Sportfreunde Lotte verpassten einerseits den Heimsieg vor fast ausverkauftem Haus – aber ist dieses Ergebnis als Rückschlag zu werten? Schließlich wussten sie ebenso, clever zu verteidigen und so den Gästen aus Mannheim kaum Chancen auf ein Auswärtstor zu ermöglichen. Einzig den agilen Jannik Sommer auf dem linken Flügel bekam sein Lotter Gegenspieler Alexander Langlitz kaum in den Griff, Sommer erhielt gleich drei, vier aussichtsreiche Aktionen. Er scheiterte aber in der ersten Halbzeit entweder an Torhüter Benedikt Fernandez oder an der eigenen Abschlussqualität. Auf der Gegenseite wurde es über 90 Minuten kaum einmal gefährlich – ein Kopfball trudelte nach rund 60 Minuten im Gewühl nur knapp am linken Pfosten vorbei, wenige Minuten später rauschten zwei SFL-Akteure an einer Flanke von Jeron Al-Hazaimeh vorbei. Das war es dann aber auch schon mit den bemerkenswerten Offensivbemühungen der Elf von Ismail Atalan.

Lotte-Coach Atalan: „Die Chancen stehen 50:50“

Dieser gab nach Abpfiff zu, mit dem Ergebnis nicht vollständig zufrieden zu sein: "Wir müssen mit dem Unentschieden leben“, resümierte dieser, "und wir müssen weiter abwarten, wer am Ende als lachender Gewinner oder weinender Verlierer aus dieser Relegation hervorgeht.“ Einen bevor- oder benachteiligten Verein für das Rückspiel sehe er indes kaum: "Die Chancen stehen 50:50“, stellt er klar. Sein Gegenüber, Waldhof-Trainer Kenan Kocak, nutzte das Gehör der zahlreich vertretenen Pressevertreter dagegen für eine neuerliche Kritik am umstrittenen Aufstiegsmodus, in dem nun mit den Meistern der starken Regionalligen West und Südwest die wohl besten Vereine direkt aufeinandertreffen. "Ich verstehe die Welt nicht mehr, dass nur eine Mannschaft am Ende aufsteigen wird“, äußerte er sich emotional und wurde damit mit reichlich Beifall bedacht. "Ich weiß nicht, warum sich hier beide Teams noch einmal so einen Fight liefern müssen und am Ende einer ausscheidet, beide hätten die 3. Liga absolut verdient“, fuhr er fort.

Kocak verspricht einen heißen Tanz im Rückspiel

Besonders auf den Rängen hatten die Fans des SV Waldhof Mannheim in den 90 vorherigen Minuten eine Leistung abgerufen, die zahlreiche aktuelle Drittligisten in den Schatten stellen würde. Am kommenden Sonntag, wenn im Carl-Benz-Stadion bis zu 25.000 Zuschauer erwartet werden, dürfte die Stimmung nochmals deutlich steigen – die Sportfreunde Lotte, die in der Regionalliga West zumeist vor dreistelligen Zuschauerzahlen antraten, müssen sich auf einen Hexenkessel gefasst machen. "Wir werden einen heißen Tanz bieten“, verspricht Kocak, noch einmal alles in die Waagschale zu werfen. Zumindest auf taktischer Ebene begegneten sich schon am Mittwochabend zwei Truppen, die ohne jede Probleme mit gestandenen Drittligisten mithalten könnten – umso trauriger ist tatsächlich, dass am späten Sonntagnachmittag in Mannheim nur eines dieser beiden herausragenden Teams wird jubeln können. Wer dies sein wird, ist nach einem völlig ausgeglichenen Hinspiel weiterhin absolut offen.

 
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