Landespokal-Endspiele: Die Partien der Drittligisten

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Die reguläre Saison ist seit knapp einer Woche beendet, am Samstag geht es für mehrere Drittligisten beim "Finaltag der Amateure" aber noch um den Einzug in den lukrativen DFB-Pokalpokal. Acht Drittliga-Klubs der Saison 2019/20 sind dabei. Rostock, Würzburg, Chemnitz, Zwickau, Uerdingen und Kaiserslautern brauchen den Sieg, Halle und Mannheim sind bereits qualifiziert.


Der F.C. Hansa Rostock kann am Samstag mit dem Rekordsieger aus Schönberg gleichziehen und den Landespokal von Mecklenburg-Vorpommern zum sechsten Mal gewinnen – zuletzt gelang den Rostockern dies viermal in Folge. Im Duell mit dem Torgelower FC Greif ist der Sechstplatzierte der 3. Liga klarer Favorit, das "knappste" Match in der laufenden Saison war für die Hansa-Kogge ein 3:0-Viertelfinalsieg beim 1. FC Neubrandenburg 04.

Erst ein einziges Mal unterlag der FCH in einem Finalspiel, das war 2013 gegen die TSG Neustrelitz. Der einzige Profi, der damals schon aktiv war und heute immer noch etwas mit Hansa zu tun hat, ist Jörg Hahnel, der seit Sommer 2018 wieder für die Reservemannschaft der Rostocker aktiv ist. Lukas Scherff (Kreuzbandanriss), Willi Evseev (Handbruch) und Marco Königs (Sehnenentzündung) werden der Härtel-Elf fehlen.

 

Nachdem zuletzt zweimal der 1. FC Schweinfurt den Landespokal-Titel in Bayern für sich beanspruchen konnte, wird der amtierende Pokalsieger in dieser Saison leer ausgehen. Stattdessen erhalten die Würzburger Kickers zum dritten Mal in den letzten sechs Jahren die Chance zum Titelgewinn – zweimal mussten sie in der Zeit als Aufsteiger und Zweitligist allerdings gar nicht erst darum spielen, bei zwei Final-Teilnahmen gewannen sie den Pokal.

Damit hat der FWK bislang eine hundertprozentige Erfolgsquote, die sie auch für die DFB-Pokal-Qualifikation brauchen werden: Mit Platz fünf in der Tabelle rutschten die Würzburger tabellarisch nur knapp an der direkten Teilnahme am Pokal vorbei. Dies gilt es nun über den Pokal nachzuholen, allerdings ohne Patrick Drewes (Syndesmosebandanriss), Phil Ofosu-Ayeh (Fersenverletzung), Dennis Mast (Suspendierung) und Caniggia Elva (Knieprobleme).

 


Unangefochtener Rekordsieger des Landespokals Sachsen bleibt auch nach dem Finale der Chemnitzer FC, könnte die Titelausbeute aber von neun auf zehn Siege erhöhen. Der größte Pechvogel dagegen ist der FSV Zwickau, der bei vier Endspiel-Teilnahmen bislang nie den Pokal holen konnte. Vor vier Jahren trugen beide Mannschaften bereits ein Pokalfinale aus, damals siegte der CFC mit 2:0. "Es steht fifty-fifty. Der Unterschied zwischen 3. und 4. Liga spielt auf dem Rasen keine Rolle, sondern nur, wer den Pott mehr will. Wir wollen Chemnitz einreißen!", stellte sich FSV-Akteur Davy Frick gegenüber "Tag24" auch dieses Mal wieder auf ein enges Duell ein.

Ein Vorteil für die Zwickauer könnte werden, dass mit Dejan Bozic ein Top-Torjäger bei den Gastgebern – die im eigenen Stadion spielen werden – fehlen wird. "Michael Ballack war bei der WM 2002 der letzte Spieler, der ein Finale wegen einer Gelbsperre verpasst hat. Er kommt aus Sachsen, und ausgerechnet hier hat man diese Regelung nicht abgeschafft. Traurig und unfassbar ärgerlich", schimpfte der Betroffene, der aufgrund von zwei gelben Karten für das Finale gesperrt sein wird. Zwickau dagegen wird alle Spieler an Bord haben.

 


Der Hinrunden-Dritte rutschte im Verlauf der Rückrunde auf Rang elf ab, deswegen geht es für die ambitionierte Truppe des KFC Uerdingen gegen den sechsmaligen Pokalsieger nicht nur um den Pokalsieg, sondern auch um eine Entlastung des angespannten Umfelds in Krefeld – es wäre die erste DFB-Pokalteilnahme der Uerdinger seit 2001. "Das wird ein heißer Tanz", weiß auch KFC-Coach Heiko Vogel gegenüber der "Rheinischen Post", dass mit dem WSV nicht zu spaßen ist. Zwar ist der Drittligist der Favorit, allzu große Unterschiede waren in der Rückrunde aber vermutlich nicht zu erkennen.

Die mit erfahrenen Stars gespickte Mannschaft kann den Pokalsieg gut gebrauchen, um mit dem positiven Erlebnis ihre Talfahrt möglicherweise abzuschließen. Maximilian Beister und Stefan Aigner werden dabei allerdings keine unterstützende Rolle auf dem Feld einnehmen, die Routiniers werden aufgrund von Verletzungen fehlen. Bei Beister ist es weiterhin der Außenmeniskus, den 31-jährigen Aigner plagen derweil muskuläre Probleme. Auch die Langzeitverletzten Udegbe, Matuschyk, Mohammad, Daube, Ibrahimaj und Grimaldi werden fehlen.

 


Seit der Gründung der Bundesliga 1963/64 war der 1. FC Kaiserslautern noch nie vom DFB-Pokal ausgeschlossen, bis vor der abgelaufenen Saison spielte der Klub vom Betzenberg aber auch noch nie drittklassig. Zweimal holte sich der FCK den DFB-Pokal, viermal standen sie im Finale. In ihrer Premieren-Saison im Südwest-Pokal hatten die Roten Teufel einzig beim 2:1-Halbfinalsieg gegen den FV Dudenhofen kleinere Schwierigkeiten, im Endspiel trifft man nun auf den Titelverteidiger. "Wir sind heiß auf dieses Finale. Wir wollen diesen Pokal gewinnen", gab sich FCK-Coach Sascha Hildmann gegenüber "Der Betze brennt" kämpferisch, um seine Mannschaft auf den ersten Titelgewinn seit 2010 (Zweitliga-Meister) vorzubereiten.

"Das ist sicherlich eine Drucksituation, aber das wollen wir ausblenden. Wir wollen positiv bleiben und uns auf unsere Stärken konzentrieren", mahnte der Cheftrainer allerdings auch zur Vorsicht, denn die Einnahmen von 121.000 Euro für die erste Runde des DFB-Pokals sind für den klammen Klub trotz Investor-Einstieg viel Geld. André Hainault wird bei dem Unterfangen fehlen, der Interimskapitän zog sich einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zu und wird durch Lukas Gottwalt ersetzt. Lennart Grill dürfte nach seiner verletzungsbedingten Auswechslung im letzten Liga-Spiel rechtzeitig fit werden.

 


In der Regel machten der Hallesche FC und der 1. FC Magdeburg den Sachsen-Anhalt-Pokal in den vergangenen Jahren unter sich aus, dreimal durfte in den letzten acht Jahren auch Halberstadt im Finale mitmischen – gewinnen konnten sie den Pokal allerdings noch nie. "Die Partie findet bei uns in Halberstadt im Friedensstadion statt und wir möchten unseren Fans etwas bieten", kündigte VfB-Kapitän Benjamin Boltze bereits im Vorfeld der Partie an, die für den HFC nur eine symbolische Bedeutung hat: Als Tabellenvierter der abgelaufenen Saison sind die Saalestädter bereits für den DFB-Pokal qualifiziert. Mit einem weiteren Pokal-Erfolg könnte der HFC aber bis auf einen Turniersieg an den ewigen Rivalen aus Magdeburg heranrücken, der erst in der kommenden Spielzeit wieder am Landespokal teilnehmen.

 


An einer Qualifikation für den DFB-Pokal ändert der Ausgang der Partie für beide Aufsteiger-Teams nichts, dennoch ist das Derby zwischen beiden Mannschaften etwas besonderes. Das Spiel wurde aufgrund der hohen Rivalität zwischen den Anhängern zum Hochsicherheitsspiel ernannt, einzige die Heimstätte des KSC genügte dieses Sicherheitsanforderungen. Dadurch musste das Spiel auch vom "Finaltag der Amateure" abgeschnitten werden und findet erst einen Tag später statt. Während die Mannheimer in bester Besatzung antreten wollen, ließ KSC-Coach Alois Schwartz die einzelnen Personalien noch offen: "Ich warte ab, wie die Jungs drauf sind." Beide Mannschaften feierten zuvor auf Mallorca.

   

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