Lage der Liga: Die Zielgerade kommt immer näher

30 Spieltage sind in der dritten Liga absolviert: Gelegenheit für liga3-online.de eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen und gleichzeitig auf das verbleibende Viertel vorauszublicken. Zunächst bleibt festzuhalten, dass sich diese Spielzeit 2010/11 mit dem Adjektiv „ausgeglichen“ sehr trefflich beschreiben lässt: Die Teams sind recht eng beieinander (Zwischen Platz 3 und 18 liegen nur vierzehn Punkte) und die Spitzenmannschaften lassen es an Konstanz vermissen. Der neue Tabellenführer VfR Aalen (55 Punkte) hat schon sieben Niederlagen auf dem Konto.

Elf Spiele ungeschlagen: Chemnitz überrascht

Ebenso der derzeitige erste Verfolger SV Sandhausen, der nach der Winterpause etwas von seinem seinen Schwung eingebüßt hat und mit dem 2:4 in Erfurt einen empfindlichen Rückschlag hinnehmen musste. Die Erfurter dagegen haben sich eine hervorragende Ausgangsposition erspielt, um im Kampf um Platz Drei eine gewichtige Rolle zu spielen. Diesen dritten Platz belegt zurzeit der SSV Jahn Regensburg (47 Punkte), was ein Beleg für oben genannte These ist: Denn dem Jahn fehlten zwischenzeitlich mehrere Stammspieler, darunter mit Tobias Schweinsteiger und Michael Klauß die beiden Sturmführer. Umso erstaunlicher, dass sich die Mannschaft noch immer auf dem Relegationsplatz wiederfindet. Wacker Burghausen hat sich von Rudi Bommers Abschied nicht beeindrucken lassen – im Gegenteil: Die Mannschaft steht auf Rang Vier und hat mit Sebastian Glasner einen der gefährlichsten Stürmer der Liga in den eigenen Reihen. Des Weiteren liegt mit dem Chemnitzer FC eine Mannschaft auf Platz Fünf, die zur Winterpause noch auf dem siebzehnten Platz zu finden war – seit elf Spielen sind die Mannen von Trainer Gerd Schädlich ungeschlagen. Unter anderem zerlegte man den SV Sandhausen in dessen Stadion 3:0. Der 1.FC Heidenheim hat zwar mit Marc Schnatterer seinen Kapitän zurück, doch konnte auch er eine Bestätigung der Auswärtsschwäche nicht verhindern: Bei Darmstadt 98 verlor man mit 1:2 und steht nun, immer noch mit allen Chancen, auf Platz 6.

Offenbach und Osnabrück liegen hinter ihren eigenen Ansprüchen zurück

Dahinter finden sich mit den Kickers aus Offenbach, dem 1.FC Saarbrücken und dem VfL Osnabrück drei Clubs, die mit ihrer Situation nicht zufrieden sind: Der OFC peilte vor der Saison den Aufstieg an, läuft aber permanent den eigenen Ansprüchen hinterher. Immerhin macht der wiedergenesene Stürmer Thomas Rathgeber einen überragenden Eindruck und markierte in seinen zwei Spielen nach seiner Verletzung jeweils einen Treffer. Der VfL Osnabrück weist einige Parallelen zu den Hessen auf: Er startete wie die Offenbacher als Kandidat für die ersten drei Plätze. Im Laufe der Spielzeit musste dann Trainer Uwe Fuchs aufgrund der nicht erfüllten Erwartungen gehen und der verlorene Sohn Claus-Dieter „Pele“ Wollitz kehrte auf die lila-weiße Trainerbank zurück. Mit etwas Glück kann man, ebenso wie der OFC, aufgrund der zwei ausstehenden Nachholspiele noch ein Wörtchen um den Relegationsplatz mitreden. Im Lager der Saarbrücker macht sich nach der verspielten guten Ausgangsposition der Hinrunde immer mehr Missmut breit. Oftmals fehlte nach guter Leistung der Mannschaft die eigene Belohnung in Form von auf dem Konto gutgeschriebener Punkte. Die erst vereinbarte Vertragsverlängerung mit Übungsleiter Jürgen Luginger wird deshalb von den Fans schon wieder in Frage gestellt. Ein weiteres Merkmal dieser Saison sind die starken Aufsteiger. Vom Chemnitzer FC war schon die Rede, doch auch Preußen Münster und der SV Darmstadt 98 spielen bisher eine gute Rolle.

Arminia Bielefeld im Aufwärtstrend

Lediglich die „Lilien“ standen an den ersten drei Spieltagen unter dem Strich, sonst belegten alle drei Neulinge immer mindestens Platz 17 – beachtlich. Die Südhessen wussten einige Male mit einer reifen, technisch anspruchsvollen Spielanlage zu überzeugen – Höhepunkt war hierbei sicherlich der verdiente 4:1 Heimsieg gegen Sandhausen. Die Münsteraner dagegen befinden sich in der Tabelle seit längerem auf dem Weg nach unten. Bleibt abzuwarten, ob der Last -Minute-Ausgleich im Derby gegen Arminia Bielefeld den oft zitierten Hebel umgelegt hat. Stichwort Arminia Bielefeld: Nach dem Horrorstart mit fünfzehn Spieltagen in Folge auf einem Abstiegsplatz, hat sich der Zweitliga-Absteiger aus Ostwestfalen stabilisiert und unter Coach Stefan Krämer in die Erfolgsspur zurückgefunden – seit sechs Spielen haben die Ostwestfalen nicht mehr verloren. Im Abstiegskampf wird die Luft für Werder Bremens zweite Mannschaft immer dünner – zum rettenden Ufer fehlen schon zwölf Punkte. Das 0:1 gegen den direkten Konkurrenten Rot-Weiß Oberhausen dürfte das Schicksal der Mannschaft von Thomas Wolter besiegelt haben. Zwischen diesen beiden Teams liegt Carl Zeiss Jena, das noch immer zwei Spiele weniger bestritten hat. Mit zwei Siegen würden die Thüringer zu Oberhausen aufschließen (aktuell 32 Punkte) und realistische Chancen besitzen, den Gang in Liga 4 vermeiden zu können.

Wehen Wiesbaden enttäuschte

In Reichweite wären dann auch die Teams aus Babelsberg und Unterhaching: Die Potsdamer spielen eine solide Runde und bewegen sich seit längerem zwischen den Plätzen 10 und 16. Unterhaching dagegen ist nach der unerwartet starken Vorrunde auf dem Boden der Tatsachen angekommen: Die jüngste Mannschaft der Liga befindet sich im Abstiegskampf, man rangiert zurzeit auf dem vierzehnten Rang. Dass man sich ernsthaft mit dem Thema Abstieg befassen muss, hätte sich vor der Saison in Wiesbaden wohl niemand träumen lassen. Der hoch gehandelte Aufstiegsfavorit entließ während der Rückrunde Trainer Gino Lettieri und holte Peter Vollmann, dem nun gegen Saarbrücken sein erster Sieg (3:2) gelang. Trotzdem bleibt abzuwarten, ob Wehen-Wiesbaden Abstiegskampf „kann“ und sich stabilisieren wird. Vielleicht hat es auch etwas mit diesen unerwartet schlechten Leistungen der designierten Spitzenteams wie dem SVWW zu tun, dass der Zuschauerschnitt der schlechteste aller bisherigen vier Spielzeiten der dritten Liga ist: Mit 4.471 Fans pro Spiel liegt man fast 700 Besucher hinter dem Negativwert der Saison 2009/10 (5.128). Aber noch stehen ja acht Spieltage aus, darunter die Derbys Kickers Offenbach gegen Darmstadt 98 und Preußen Münster gegen den VfL Osnabrück.

Es bleibt spannend!

Auch stellen sich an diese ausstehenden Partien noch einige interessante Fragen – zum Beispiel: Wird Anton Fink seine Quote (Alle 83 Minuten ein Tor) halten? Kann Wacker Burghausen tatsächlich nach dem de facto-Abstieg letzte Saison (Man profitierte von der Insolvenz Rot Weiss Ahlens und des freiwilligen Verzichts der TuS Koblenz) sich ernsthaft im Aufstiegskampf behaupten? Macht sich Michael Thurks Verpflichtung für den 1.FC Heidenheim noch bezahlt – nämlich mit den entscheidenden Toren für Liga 2? Wird die hoch gelobte Jugendabteilung des VfB Stuttgart noch in den Abstiegsstrudel hineingezogen? Man darf mehr als gespannt sein. Um den Bogen zur Ausgangsthese zu spannen, stellen wir einfach eine neue auf: Wenn sich die Liga treu und es bis zum Schluss so eng bleibt, kann man den Zuschauerschnitt aus der Saison 09/10 noch einholen. Denn die gute Seite an Ausgeglichenheit im Fußball ist die damit verbundene Spannung bis zur letzten Minute.

liga3-online.de wünscht einen aufregenden Schlussspurt!

 

FOTOS: Sven Rech / Marvin Wellhausen

 

 

 

   
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