Krauße: "So etwas willst du nicht noch einmal erleben"

Im Interview mit liga3-online.de spricht Ingolstadts Robin Krauße über die starke Hinrunde des FC Ingolstadt, das Drama gegen Nürnberg, eine dritte Relegation in Folge, seine Zukunft – und ein mögliches neues Tattoo.

"Das nervt schon"

liga3-online.de: Herr Krauße, nach der Niederlage gegen 1860 München am Montag ist ein bisschen Zeit vergangen. Genug, um das Spiel zu verdauen oder nagt es noch an Ihnen?

Robin Krauße: Niederlagen sind nie angenehm, aber diese war obendrein auch sehr unnötig. Das nervt schon. Denn mit der Art und Weise, wie wir aufgetreten sind, war ich einverstanden. Klar, es war kein spielerischer Leckerbissen, aber wir hatten gute Lösungsansätze gefunden. Doch letztlich fehlten der letzte Pass und die Konsequenz. Aber immerhin ist aus tabellarischer Sicht nicht viel passiert.

Der FC Ingolstadt hat die Hinrunde damit als Zweiter mit 34 Punkten beendet. Für einen Außenstehenden liest sich das gut. Ihre Einschätzung?

Das liest sich wirklich sehr vernünftig. Es gab sicherlich zwei, drei Spiele, in denen wir unnötig haben Punkte liegenlassen. Auf der anderen Seite hatten wir auch mal Glück, noch gepunktet zu haben. Ich schaue zwar auf die Tabelle, aber noch spielt das keine große Rolle. Wichtig ist der Prozess, in dem wir uns befinden. Und man muss auch sagen, dass immer wieder Leistungsträger ausgefallen sind, wir selten den kompletten Kader zur Verfügung hatten.

Sie liegen mit Ihrem Team nur einen Punkt vor dem Relegationsplatz. Denkt man sich da: Bloß nicht das dritte Jahr in Folge in die Relegation?

Ich habe keine Angst davor. Das ist der Fußball und das hat ja auch was Geiles an sich. Das ist schließlich auch besser, als gegen den Abstieg zu spielen. Da hast du ja nicht mal mehr die Chance einer Relegation.

Im vergangenen Sommer wurde dem FCI im Rückspiel der Relegation mit der allerletzten Aktion der Aufstieg entrissen. Konnten Sie im Nachhinein etwas Positives aus dieser großen Enttäuschung ziehen?

Es hat den Verein auf jeden Fall noch enger zusammengeschweißt. Du hast diese gewisse Wut im Bauch, es im nächsten Anlauf zu packen und merkst, dass du am gleichen Strang ziehst, eine Familie bist. Du willst so etwas nicht noch einmal erleben. Sollte es wieder der Fall sein, dass wir in der Relegation antreten, werden wir alles dafür tun, es den entscheidenden Tick besser zu machen.

Egal, auf welchem Platz das Team nach der Saison landet: Klar ist, dass Ihr Vertrag ausläuft. Eine Option bei Aufstieg gibt es nicht. Wie geht es weiter?

Das steht aktuell in den Sternen. Es gab noch keine Gespräche. Der Verein hat im Moment andere Prioritäten. Und es ist ja auch erst die Hinrunde vorbei.

Können Sie sich vorstellen, zu bleiben?

Natürlich. Ich fühle mich hier wohl. Das Drumherum ist super. Du hast als Fußballer alles, was du brauchst. Ein professionelles Umfeld, tolle Bedingungen, eine super Infrastruktur. Aber erst einmal müssen wir Gespräche führen.

Würde Sie prinzipiell ein Wechsel ins Ausland reizen?

Es gibt viele interessante Sachen. Aber ich habe eine Familie, die bald Zuwachs bekommt. Da müsste man sich solche Schritte sehr, sehr gut überlegen. Es geht ja nicht nur um mich.

 

Neues Tattoo? "Hat keine Eile"

Doch bevor es um solche Themen geht, steht am Sonntag erst einmal das Auswärtsspiel beim KFC Uerdingen an. Wie schätzen Sie den kommenden Gegner ein?

Sie hatten in dieser Saison viele Aufs und Abs. Doch sie haben gezeigt, dass sie jeden schlagen können. Das droht auch uns, wenn wir nicht aufpassen. Wir müssen schauen, dass wir wenig Fehler machen. Dass sie die Qualitäten haben, sich Chancen zu erspielen, haben wir im Hinspiel gesehen, das wir mit 2:1 gewonnen haben. Da mussten wir am Ende ziemlich viel arbeiten, um den knappen Sieg über die Zeit zu bringen. Wir haben schon viele Spiele zum Leidwesen von uns, der Angestellten und der Fans sehr knapp gestaltet. Und wir dürfen uns von der Niederlage am Montag auch nicht beirren lassen.

Die Partie gegen die Krefelder ist die vier von insgesamt sechs im Januar. Und das nach einer sehr kurzen Winterpause. Wie geht ihr Körper mit dem Pensum um?

Mir macht das tatsächlich nicht viel aus. Durch die vielen Spiele seit letztem Sommer habe ich auch körperlich noch einmal zugelegt. Da hatte die enge Taktung der Spiele also auch etwas Gutes. Mich hat es auch nicht gestört, dass die Winterpause so kurz war. Durch die ganzen Corona-Beschränkungen kannst du eh nicht wirklich etwas machen. Da ist es doch super, wenn du wenigstens arbeiten kannst.

Weil sie die Beschränkungen im öffentlichen Leben angesprochen haben: Wie gehen Sie damit um?

Als Fußballer lebst du in einer Blase. Für uns hat sich der Alltag nicht groß geändert. Wir haben unsere festen Trainings- und Spielzeiten. Darauf ist dein Tagesablauf abgestimmt. Klar, es fehlt mir auch, mal ins Restaurant zu gehen. Und in der Rolle als Vater kann ich meinem Sohn natürlich nicht die Art und Weise des Spielens bieten, wie es bei ihm mit Gleichaltrigen der Fall wäre. Auch meine Frau kann sich nicht mit anderen Menschen treffen. Aber es gibt viel mehr Leute, denen es wesentlich schlimmer geht. Da geht es um Existenzen, die Sorge hast du als Fußballprofi nicht.

Sie sind sichtbar ein Fan von Tattoos. Aktuell haben auch diese Läden geschlossen. Haben Sie schon eine Liste mit neuen Motiven, die schnellstmöglich abgearbeitet wird?

Nein, so ist das nicht (lacht). Ich möchte auf jeden Fall weitermachen, aber es ist nicht so, dass ich mir jedes Jahr ein neues Tattoo stechen lasse. Das letzte müsste jetzt auch schon drei, vier Jahre her sein. Ich habe aber noch Platz für meinen Sohn und unseren baldigen Nachwuchs gelassen. Das steht auf jeden Fall noch an. Das hat aber keine Eile.

Am Handgelenk haben Sie die Silhouette der Hansestadt Rostock. Sie haben fünf Jahre bei Hansa gespielt. Jetzt sind Sie seit Sommer 2018 im Süden der Republik. Meer oder Berge – was gefällt Ihnen besser?

Ich bin einer, der die warmen Monate am Meer bevorzugt. Über die Jahre war ich lieber im Sommer- als im Skiurlaub. Aber in Bayern hast du ja nicht nur die Alpen. Es gibt tolle Seen, mit München und Nürnberg auch schöne Städte und auch viele Wanderwege. Es gibt viele Möglichkeiten, aus dem Alltag zu kommen und abzuschalten. Das gefällt mir sehr gut. Ich suche mir immer Sachen, die mir gefallen, tolle Orte, an denen ich sein kann. Das war zum Beispiel auch in Paderborn so – unabhängig von Meer und Bergen. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich das Meer nehmen.

   
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