Koschinat springt Capretti bei: "Wer würde den SC Verl kennen?"

Nach der 2:4-Niederlage gegen Saarbrücken verschärfte sich am Freitagabend der Ton beim SC Verl. Trotzdem überraschten die "Rino raus"-Rufe, die einige SC-Anhänger nach Spielende an Guerino Capretti richteten. Beistand erhielt Verls Trainer ausgerechnet von gegnerischer Seite. 

Koschinat bricht Lanze für Capretti

Guerino Caprettis Worte ließen keinen Schluss zu. Verls Trainer präsentierte sich in seiner Spielanalyse gewohnt wortgewandt und objektiv. Mit Ball habe seine Mannschaft ein gutes Spiel gemacht, in der Abwehr dagegen eklatante Schwächen offenbart. Eigenartig mutete nur an, dass Capretti immer wieder in Richtung der Tribüne blickte, während er in das "Telekom"-Mikrofon sprach. Was war geschehen? Für Uwe Koschinat nicht weniger als "fast schon ein Skandal". Saarbrückens Trainer, wenige Minuten nach Capretti zum Interview angetreten, hatte mitbekommen, wie einige aufgebrachte Verl-Fans offen die Entlassung ihres Coaches einforderten. "Rino raus" schallte es durch den Sportpark am Lotter Kreuz.

Vorgänge, die den Gäste-Trainer derartig überraschten, dass seine Spielanalyse warten musste. "Ich muss mal ernsthaft die Frage stellen: Wer in Deutschland würde denn wirklich den SC Verl kennen ohne Capretti?" Sein Kollege hole das Maximum aus den Möglichkeiten des kleinen Vereins heraus und garantiere dazu noch attraktiven Fußball. Koschinat, der zuvor noch ein kurzes, aber inniges Gespräch mit Capretti geführt hatte, verstand nicht ansatzweise, "auf welcher Basis man hier den Kopf des Trainers fordern kann. Das ist mir ein komplettes Rätsel".

Tatsächlich durften die Rufe nicht unbedingt erwartet werden. Auch nach Niederlagen vermittelt der kleine Klub aus Ostwestfalen für gewöhnlich den Eindruck eines eingeschworenen Haufens, der sich mit Freude gegen die Großen des Profifußballs auflehnt. Entsprechend konsterniert wirkte Capretti, als er nach der souveränen Einordnung des Spielgeschehens auf die Rufe der Fans einging: "Den einen Tag bist du der Mann und am nächsten Tag eben nicht. So ist leider das Geschäft. Es wird viel schwarz-weiß geguckt."

"Wahrscheinlichkeit ist groß, dass man Spiele gewinnt"

Dass Capretti ansonsten von positiven Elementen im Spiel seiner Mannschaft sprach, war keinesfalls der Kategorie "Zweckoptimismus" zuzuordnen. Denn Verl hatte in den 90 Minuten zuvor durchaus Qualität bewiesen, zwischenzeitlich sogar den Rückstand aus der ersten Hälfte in eine 2:1-Führung verwandelt. Auch Koschinat meinte daher, dass es "komplett" falsch wäre, von einem verdienten Sieg für den 1. FC Saarbrücken zu sprechen.

Capretti meinte derweil: "Wir kommen dann nochmal zurück mit einem Doppelschlag –  das zeigt die Moral der Mannschaft. Wir sind immer in der Lage, Tore zu schießen. Wir sind immer in der Lage, Offensivaktionen zu haben", erläuterte der 39-Jährige auf der Pressekonferenz. Der Schuh drückt demnach woanders: in der Abwehr. So brachte es der SC noch fertig, die Partie mit 2:4 zu verlieren. Durch die vierte Pleite in Folge rutschten die Ostwestfalen auf Tabellenplatz 18 ab. "Aber ich bleibe dabei", schloss Capretti, "wenn man so eine Leistung in einem Drittliga-Spiel aufbietet, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass man Spiele gewinnt." Die nächste Chance dazu bietet sich am kommenden Samstag in Wiesbaden.

 
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