Kommentar zum Sasic-Rückritt: Die Regeln des Geschäfts

Milan Sasic ist nicht mehr Trainer des 1. FC Saarbrücken. Mit seinem Rücktritt schließt sich ein weiteres Kapitel in einer für den FCS turbulenten Saison. Im Sommer noch mit Ambitionen auf die vorderen Plätze und Pokaleuphorie gestartet, findet sich der Verein nun auf dem letzten Tabellenplatz wieder. Nachdem auch Šasic die Entwicklung in Richtung der Abstiegsplätze nicht beenden konnte, gab es zuletzt vermehrt Kritik an seiner Person. Während Aufsichtsratschef Michael Arnold das "Projekt Sasic“ bereits nach dem Derby in Elversberg "stark gefährdet“ sah, konnte nach zwei weiteren Niederlagen auch Präsident Hartmut Ostermann den Trainer nicht mehr vor den Gesetzen des harten Fußballgeschäfts schützen. Mit der Aussage, dass am Ende des Tages die Punkte zählten, hatte Arnold es bereits auf den Punkt gebracht. Hinzu kam, dass die Toleranz von Eigenarten eines Trainers umso mehr zur Neige geht, je schlechter die sportliche Bilanz ist. Auch deshalb mehrten sich die Rufe nach Sasics Entlassung. Durch zahlreiche Veränderungen im Verein sorgte der Kroate zwar auch für mehr Professionalisierung. Der ihm eigene Führungsstil stieß jedoch nicht nur im Verein auf geteiltes Echo, sondern schlug sich auch in der alles entscheidenden Tabelle nieder. Darüber hinaus trug dieser zu dem fehlenden Kredit bei Mannschaft und Umfeld bei, der dennoch für seine Zukunft hätte sorgen können. So haben die Regeln des Geschäfts Sasic seinen Job gekostet. Wenn dann, wie in diesem Fall, die Ausstattung des Trainers mit derartiger Macht, beinahe Merkmale einer Regentschaft ausbildet, braucht es umso weniger Misserfolge, um den Stuhl zum Wackeln zu bringen.

Dem Erfolg alles untergeordnet

Doch nur mit Stilkritik wird man dem Kroaten nicht vollends gerecht. Auf einem Fantreffen in der Vorwoche erklärte Sasic, dass er zwar als "harter Hund“ bekannt sei, am Härtesten aber zu sich selbst sei. Das darf man getrost glauben. Denn ebendiese Eigenarten qualifizieren den Fußballlehrer als jemanden, der dem Erfolg alles unterordnet und mögliche Gefahren verbannt. Wohl selten gab es einen Trainer beim 1. FC Saarbrücken, der derart akribisch gearbeitet und so viel an eigener Kraft aufgewendet hat. Um das Ziel Klassenerhalt zu erreichen, hat Sasic alles in Bewegung gesetzt, was in seiner Macht stand. Ob es schließlich zu viel Bewegung für den Verein oder zu wenig Fingerspitzengefühl des Trainers war, ist kaum noch zu sagen. Für den Sportsmann Sasic ist die Entwicklung angesichts seiner Leidenschaft und seines großen Herzens für Verein und Fans schade. Während sein Konzept bislang Erfolge vorzuweisen hatte, hat es beim FCS nicht funktioniert. Für die Blau-Schwarzen geht es nun darum, die Achterbahnfahrt doch noch zu einem guten Ende zu bringen, schließlich sind noch 14 Spiele zu absolvieren. Die verbleibenden Spielesind eine Chance, die gelingen kann und der neue Trainer findet eine Mannschaft mit enormem Potential vor. Als der FCS im DFB-Pokal für Furore sorgte, brachte es Stadionsprecher Christoph Tautz vor jedem Spiel auf den Punkt: „Auf geht’s, FCS. Alles ist möglich.“

FOTO: Dieter Schmoll

   
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