Kommentar Erfurt: Umgang mit Kornetzky ist ein Reinfall

Jean-Francois Kornetzky ist ein bescheidener Mann und Musterprofi zugleich. 32 Jahre hat der in Weißenburg im Elsass geborene Franzose mittlerweile an Lebenserfahrung gesammelt, bei Rot-Weiß Erfurt absolvierte er seine nunmehr dreizehnte Profisaison. Nun wurde ihm vom Verein äußerst karg klargemacht: Die sportliche Perspektive ist nicht mehr gegeben, wir brauchen dich nicht mehr. Dies stößt zahlreichen Anhängern der Thüringer sauer auf. Eine simple Meldung des Vereins im Social Web war es, die heute noch mächtig nachhallen sollte: Jeff Kornetzky ist vom Spielbetrieb freigestellt, da man sportlich nicht mehr mit ihm plane. "Schämt euch!“, kommentierten einige Fans, "Das ist unterste Schublade!“ die anderen. Klar ist: Auch wenn nur die wenigsten wissen, auf welche Art und Weise die Trennung vom Ersatzkeeper intern von statten ging, ist die öffentliche Kommunizierung einer derartigen Personalentscheidung ein unmissverständlicher Reinfall. Es fehlt schlichtweg ein Maß an Sensibilität gegenüber einem Spieler, der sich jederzeit treu in den Dienst der Mannschaft stellte und mit dem Mythos RWE und seinen treuen Begleitern wie kaum ein anderer Akteur umzugehen wusste.

Sympathischer Bankdrücker (fast) auf Lebenszeit

Denn Kornetzky war und ist einer von wenigen Profis in Fußballdeutschland, dessen positiver Charakter unumstritten ist. Jemand, der sich mit seiner Rolle als Bankdrücker über mehr als ein Jahrzehnt immer wieder anfreunden musste und trotzdem alles für seinen Verein gibt. Kaum einer erlebte die Ungunst der Torhüterposition öfter als er: Nur in drei Spielzeiten durfte er sich Stammtorhüter nennen, speziell in den sieben Jahren beim Karlsruher SC blieb an ihm die Rolle des ewigen Reservisten kleben. Nur 17 Spiele waren ihm für die erste Mannschaft des KSC vergönnt. Im Sommer 2013 dann schloss sich Jean-Francois Kornetzky den Steigerwäldlern an, wollte sich nochmals einem Kampf um den Platz zwischen den Pfosten liefern. Doch auch diese Mission erwies sich als aussichtslos: Mit Philipp Klewin hatte er einen Kontrahenten vor der Nase, der nach einer Verletzung von Andreas Sponsel kurz vor dem Saisonende 2012/13 den Durchbruch schaffte und bis heute seinen Stammplatz nicht abgeben sollte. Nur ein einziges Spiel war Kornetzky vergönnt, welches auch noch mit 1:3 verloren ging.

Jederzeit nah bei den Fans

Eins steht fest: Sportlich gäbe es in der Landeshauptstadt allemal herbere Verluste zu beklagen. Doch Kornetzky ist mehr als nur das – er ist zu einer Identifikationsfigur für die Erfurter Anhänger geworden. Er war es, der sich immer vorbildlich verhielt und seine Situation jederzeit klaglos akzeptierte. Bei vielen Niederlagen suchte er das Gespräch mit den Zuschauern, obgleich ihm die geringste Schuld zugewiesen werden konnte. In zwei turbulenten RWE-Jahren blieb Kornetzky die Konstante – wenn auch nur neben dem Platz. Die Mitteilung der Rot-Weißen kommt dagegen einem vom Hof gejagten Hund nahe. Denn auch wenn über die Personalie Kornetzky in wenigen Jahren kaum noch jemand ein Wort verlieren wird, hätte kaum einer wie er wenigstens die Möglichkeit einer anständigen Verabschiedung von den Fans verdient gehabt.

 

   
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