Kommentar: Ein Rentenvertrag für Gans?

Dass der Sportdirektor des VfL Osnabrück, Lothar Gans, nach seinem im Sommer 2012 endenden Vertrag weiterhin dem VfL in anderer Position erhalten bleiben soll, war schon länger im Gespräch. Seit heute ist klar, dass der 58-Jährige Osnabrücker einen Anschlussvertrag auf dem Schreibtisch liegen hat – für ein dreijähriges Engagement bei der der Lila-Weiß Marketing GmbH.

Gans hat Fehler gemacht

Lothar Gans ist seit 1998 Manager des VfL Osnabrück, dem man mit Sicherheit einiges zu verdanken hat. So ist er in schwierigen Lagen für den VfL in die Bresche gesprungen, ist mitverantwortlich für die Aufstiege seit 1998, ebenso aber auch für die Abstiege, die tief sitzen. Am Tiefsten sitzt der letzte Abstieg nach der Relegationsniederlage gegen Dynamo Dresden – ein herber Rückschlag für den 58-Jährigen Gans, der weiß, dass er diesen Abstieg hätte durchaus vermeiden können. Denn hätte man nicht einzig und allein das Vertrauen in die Aufstiegsmannschaft gesetzt, dann wäre man vielleicht heute noch in der 2. Bundesliga, und das vielleicht sogar noch im Mittelfeld der Tabelle. Viele Probleme, die sich beim VfL in und vor dieser Saison offenbarten, wären wahrscheinlich nahezu alle vermeidbar gewesen. So hätte man höhere Einnahmen in der 2. Liga gehabt, wodurch man nicht in Schwierigkeit geraten wäre, die Liquiditätssumme aufzubringen. Ein totaler Neuanfang mit Uwe Fuchs mit einem "Aufbaujahr" und zur Zeit auf Platz 12 der Tabelle in der 3. Liga, hätte nicht sein müssen. So müsste man jetzt auch nicht um Wollitz als neuen Trainer kämpfen. Doch all das ist geschehen, unter anderem auch aufgrund Fehlern von Lothar Gans.

Vertragsende 2012

Doch Lothar Gans hat seine Fehler erkannt, hat direkt Konsequenzen aus dem vermeidbaren Abstieg gezogen: Zum Sommer 2012 wird er aus dem Amt des Sportdirektors beim VfL ausscheiden. Und dann? Wer übernimmt? Was passiert weiter mit Gans? Fragen, die jetzt, kurz vor der Winterpause, konkretere Antworten finden. Das Amt des Managers soll der designierte Trainer Claus-Dieter Wollitz übernehmen – er soll in dieser Woche vorgestellt werden und das Team am 01. Januar übernehmen, und ab diesem Datum auch für alle Belange der 1. Mannschaft zuständig sein. Und was macht Gans? Er soll dem VfL erhalten bleiben, was vielen nicht gefällt. Schließlich war und ist er mitverantwortlich für die Krise(n) beim VfL Osnabrück. Doch er bleibt, auch, weil er gute Kontakte zu guten Vereinen mit guter Jugendabteilung hat. Und was macht er konkret? Gans wird in der Vermarktungs-Gesellschaft des VfL tätig sein, der Lila-Weiß Marketing GmbH.

Ein Rentenvertrag für Gans?

Die Lila-Weiß Marketing GmbH ist die Vermarktungs-Gesellschaft des VfL Osnabrück, die eine 51 Prozent hohe Mehrheitsbeteiligung hat. Dort soll sich Lothar Gans ab der nächsten Saison nicht nur um die Sponsoren kümmern, sondern auch das Nachwuchsleistungszentrum erweitern und dazu intensiven Kontakt zur Stadt Osnabrück aufnehmen, auch um ein neues Trainingszentrum in nicht mehr ganz so weite Ferne zu rücken. Ein Drei-Jahres-Vertrag liegt dem 58-Jährigen unterschriftsreif auf dem Schreibtisch, er wird deutlich weniger verdienen als er als Sportdirektor verdient hat. Doch das nimmt er hin, für den VfL. Dafür, dass der VfL nicht noch zusätzlich finanziell belastet wird. Genau so, wie er auch seit 1998 viel für den VfL Osnabrück getan hat. Sicher hat er einige Fehler gemacht, doch nicht zuletzt seine guten Kontakte zu Talentschuppen und seine Erfahrung sind es wert, diesen Mann zu schätzen und ihm einen weiteren Job in Osnabrück zu gönnen. Von einem Rentenvertrag darf hier also keine Rede sein – klar ist aber auch, dass Gans sich nicht in die Belange des baldigen neuen Trainers und Managers Pele Wollitz einmischen darf. Er muss akzeptieren, dass der VfL prinzipiell umstrukturiert werden muss. Und in der Marketingabteilung kann er seinen Begabungen folgen und seine letzten Jahre in der Arbeitswelt nochmal vollends genießen.

FOTO: Flohre Fotografie

   
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