Köllner kritisiert unterschiedliche Corona-Regeln: "Auf Dauer fatal"

Während der TSV 1860 München zuletzt ohne die Unterstützung der eigenen Fans auskommen musste, werden beim Auswärtsspiel in Rostock am Samstag 7.500 Hansa-Fans im Stadion sein. Trainer Michael Köllner freut sich vor diesem Hintergrund zwar auf ein "Riesenspektakel", kritisiert aber die unterschiedlichen Corona-Regeln in den einzelnen Bundesländern.

"Verhältnismäßigkeit fehlt"

Es mutet aus Löwen-Sicht schon etwas kurios an: Während beim Heimspiel des 1. FC Magdeburg gegen Türkgücü München am Freitagabend sogar über 2.000 Plätze in der MDCC-Arena unbesetzt blieben, muss der TSV 1860 mindestens bis Ende nächster Woche gänzlich auf seine Anhänger verzichten – und angesichts der nach wie vor hohen Infektionszahlen in München (der Inzidenz-Wert liegt derzeit bei 60,6) wohl auch noch darüber hinaus. Besonders bitter: Die Löwen haben über 10.000 Dauerkarten verkauft.

"Wir leben in einem wiedervereinigten Deutschland. In einem Land, das von Einigkeit und Gemeinsamkeit sprechen will. Allerdings haben wir deutliche Unterschiede zwischen allen Bundesländern", kritisierte Köllner auf der Pressekonferenz vor dem Spiel in Rostock die unterschiedlichen Regelungen. "Das ist auf Dauer fatal." Auch, dass einige Vereins-Mitarbeiter und Journalisten nicht mit nach Rostock reisen können, weil sie nicht getestet sind, prangerte der Oberpfälzer an: “Sind wir wieder im früheren Ostblock unterwegs und müssen wir ein Visum beantragen? Dass Freiheit außer Kraft gesetzt ist, finde ich brutal schade."

In den Augen des 1860-Übungsleiters, "würde dem Land eine grundsätzliche und einheitliche Linie nicht schaden." Doch selbst innerhalb eines Bundeslandes gibt es Unterschiede: Der FC Ingolstadt etwa darf am Samstag vor 1.500 Zuschauern (10 Prozent der Stadion-Kapazität) gegen Verl spielen, auch im nur fünf Kilometer vom Grünwalder Stadion entfernten Unterhaching waren am letzten Wochenende Fans zugelassen. "Was ist das für eine Logik?", echauffiert sich der Coach, der zudem die Verhältnismäßigkeit vermisst: "In München sind bei anderen Veranstaltungen, in wesentlich kleinerer Atmosphäre, 500 Zuschauer zugelassen. Aber wir müssen vor leeren Rängen spielen."

Kothny sieht Wettbewerbsnachteil

Auch Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny äußerte in der "Bild" Unverständnis über die unterschiedlichen Regelungen: "Ich sehe einen klaren Nachteil für die Teams, die zuhause ohne Fans spielen und in der Folgewoche gegen Zuschauer ranmüssen." Der 23-Jährige plädiert für eine "ligaabhänige Gleichbehandlung. Indem man beispielsweise Zuschauer-Zahlen deckelt oder dafür sorgt, dass in der Zeit des Sonderspielbetriebs alle Klubs im Schnitt gleich viele Zuschauer haben."

Doch ob das gerechter wäre? Wenn derzeit alle Vereine gleich viele Zuschauer haben sollen, müssten alle Partien ohne Fans ausgetragen werden. Dann würden wiederum Vereine wie Rostock und Magdeburg, wo das Infektionsgeschehen deutlich geringer ist als in München, von einem Wettbewerbsnachteil sprechen. Eine Lösung, die alle gleichermaßen zufrieden stellt, wird es derzeit kaum geben können. 

   
  • ironimus

    Ach du meine Güte. Köllner hat einfach mal seine Meinung rausgehauen. Die entspricht allerdings nicht dem derzeitigen Mainstream und schon wird darum ein Zirkus veranstaltet, als hätte er die Revolution ausgerufen. Natürlich hat er mit seinem Ostblock-Vergleich überzogen. Das weiß er wahrscheinlich selbst. Aber es ist halt der Gaul mit ihm durchgegangen. Ansonsten hat er doch nicht unrecht. In München hat der TSV 1860 fast 10.500 Dauerkarten verkauft, muss aber vor leeren Rängen spielen. Nebenan (5 km) in Unterhaching darf, wenn auch reduziert, vor Zuschauern gekickt werden. Aus Köln wurde dieser Tage bekannt,dass der Effzeh ins (Freiluft)-Müngerdorfer Stadion (Fassungsvermögen 50.000) gerade mal 300 Leute reinlassen darf. Aber zeitgleich wird in Hallen vor 1.000 Zuschauern Handball und Volleyball gespielt. In Düsseldorf/NRW musste heute beim Zweitligaspiel gegen Regensburg das Stadion leer bleiben. Parallel durfte in Paderborn (auch NRW) gegen Hannover im TV sichtbar vor Zuschauern gespielt werden. Solche Unterschiede sind nicht mehr nachvollziehbar. Mit Ossi-Wessi-Hetze hat das überhaupt nichts zu tun.

    • Hohoho

      Naja, die unterschiedlichen Regelungen in BAYERN soll Herr Köllner dann bitte auch dort anprangern. und solche Unterschiede sind aufgrund der unterschiedlichen Fallzahlen und der unterschiedlichen Entscheidungen der zuständigen Gesundheitsämter dann eben doch recht einfach nachvollziehbar. Aber es findet natürlich immer mehr Gehör wenn man nach 30 Jahren immer noch die Ost-West-Geschichte auspackt…
      Und komischerweise wird die Gleichberechtigungskeule immer nur ausgepackt, wenn man gerade nicht im Vorteil ist. Sollte 60 vor Zuschauern spielen dürfen und Hansa nicht wäre es dem Herrn Köllner wahrscheinlich sonstwo vorbeigegangen.

  • Block 9

    Was labert der Köllner denn da für einen riesengrossen Schwachsinn? Die unterschiedlich hohen Corona-Zahlen sind nun mal auf die unterschiedlichen Verhaltensweisen in den einzelnen Regionen zurück zu führen. Meine Schwester hatte z.B. dieses Jahr geheiratet und ihre Feier wegen Corona komplett abgesagt. Während wiederum in anderen Regionen Deutschlands Hochzeitsfeiern mit mehreren hundert Leuten in geschlossenen Räumen durchgeführt wurden!!! Sollen jetzt alle Menschen in ganz Deutschland für das Verhalten in einzelnen Regionen bestraft werden? Wo bleibt da die Gerechtigkeit? Dann könnte man das ja gleich weltweit ausweiten, da es sich ja um eine weltweite Pandemie handelt. Soll jetzt etwa gleich die ganze Welt einen Lockdown durchführen und die ganze Weltwirtschaft komplett runter gefahren werden, weil z.B. in Brasilien die Corona-Zahlen ansteigen?
    Und dann will der Herr Köllner 30 Jahre nach der Wiedervereinigung nun auch wieder Mauern in den Köpfen errichten? Diese Ossi-Wessi-Hetze finde ich gerade in der aktuellen Situation besonders unangebracht!!!

    • ichbins

      Nun, die hohen Zahlen in Bayern haben durchaus Gründe die dem Tourismus aber auch den vielen Studierenden in München, Erlangen, Würzburg und einigen anderen Städten u.a. zuzurechnen sind.
      Aus täglicher Sicht muß miterlebt werden wie die oben genannten, rigoros und rücksichtsichtslos ihrem Treiben kein Ende setzen. Sicher ist ein verschwindend geringer Teil davon auch den Einheimischen zuzurechnen , aber das Übel ist nunmal wie oben erwähnt.
      Dagegen spricht natürlich die heimische Tourismusbranche die jammernd zum Sündenbock abgestempelt wird und schauen muß wie sie zurecht kommt.

      Ein Armutszeugnis der Politik die es einfach nicht in 6 Monaten Zustande gebracht hat auf zukünftige evenetuelle oder vorhersagbare Situationen entsprechend Einheitlich und Geplant zu reagieren.
      Jede Komune und das entsprechende Gesundheitsamt hat sein eigenes Konzept?

      Oder auch nicht !
      Vieleicht, teilweise private Interressen der entsprechenden Stadt -oder Landräte oder sonst was, spielen hier selbstverständlich eine nicht untergeordnete Rolle.
      Es ist nur zu Wünschen, das irgendwann Vernunft Einkehrt.
      Das die Vereine und Mitarbeiter eines Klubs sich Sorgen machen wegen der Einkommensausfälle, aber auch der Fanunterstützung ist allzu gut verständlich, wahrscheinlich für die meisten Leser.
      Es spielt keine Rolle in welchen Bundesland, oder Ort mein Verein beheimatet ist, am nächsten Tag kann es schon meinen Verein treffen. Die Aussage von Köllner ist durchaus zutreffend ,
      in diese Sinne , bleibt alle Gesund

      • Ein Hallenser

        Die Aussage von Köllner ist korrekt? Und die Studenten und die Touristen aus den anderen Bundesländern sind die Schuldigen für die Corona Zahlen in Bayern? Ich denke hier machst Du es dir zu einfach! Bayern kann doch einfach eine Mauer ums Land bauen, und alle anderen aussperren? Das wird den Unis und der Tourismusbranche sehr wohl gefallen.

        Und Herr Köllner sollte einfach noch mal an den Mai zurückdenken. Da war 1860 auch ganz fair und hat mit dem Trainingsbeginn gewartet, bis alle Mannschaften trainieren durften? Nee das haben Sie eben nicht. Die Corona zahlen sind sind im Augenblick eben Realitäten. Und hier eine OST West Diskussion aufzumachen ist genauso daneben. Zumal Zwickau heute auch ohne Zuschauer spielen muss. Solch ein Kommentar ist im höchsten Maße unqualifiziert.

  • Ich

    Wiedervereinigtes Deutschland …
    Was ist denn bitte schön mit dem Standortnachteil Ostgermaniens bezüglich fehlender Industrie, Finanzkraft und geringeren Arbeitslöhnen? Damit müssen die Ost-Vereine seit über 30 Jahren umgehen und versuchen im "Haifischbecken" zu überleben …
    Zählt das eigentlich auch als Wettbewerbsverzerrung?

    • Wormatia08

      Gönne in dieser Zeit wirklich jedem Verein jeden einzelnen Zuschauer.
      Wird wahrscheinlich demnächst eh nicht mehr möglich sein.
      Nicht nur Fussballvereine werden in ihrer Existenz bedroht sein…

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