Klubs kritisieren geplante Änderungen bei Stadionverboten
Mehrere Vereine aus ganz Deutschland, darunter fünf Drittligisten, haben sich in einem offenen Brief an den DFB deutlich gegen die geplante Neufassung der bundesweiten Stadionverbotsrichtlinien ausgesprochen. Die unterzeichnenden Klubs lehnen die Anpassungen "in ihrer jetzigen Form entschieden ab" und sehen grundlegende Prinzipien des bisherigen Systems gefährdet.
Zentrale Fachaufsicht stößt auf Widerstand
Nach Ansicht der Vereine droht das Stadionverbot seinen bisherigen präventiven Charakter zu verlieren und sich zu einem "repressiven Instrument" zu entwickeln. In dem Schreiben appellieren die Klubs an DFB-Präsident Bernd Neuendorf und die Verbandsgremien, diese Haltung gegenüber den politischen Entscheidungsträgern deutlich zu vertreten. Kritisch sehen die Vereine unter anderem die Möglichkeit, Stadionverbote bereits auf Grundlage eingeleiteter Ermittlungsverfahren auszusprechen. Dadurch werde aus ihrer Sicht die Unschuldsvermutung untergraben. Zudem warnen die Klubs davor, dass verpflichtende Maßnahmen den notwendigen Ermessensspielraum vor Ort einschränken könnten. Differenzierte Entscheidungen seien wichtig, um Tatkontexte und persönliche Situationen angemessen bewerten zu können.
Auch die geplante zentrale Fachaufsicht mit Weisungsrecht stößt auf Widerstand. Die Vereine sehen darin einen Eingriff in ihr Hausrecht und ihre organisatorische Verantwortung. Gleichzeitig kritisieren sie unklare Zuständigkeiten und Haftungsfragen. Darüber hinaus bemängeln die Unterzeichner, dass Fanprojekte und sozialpädagogische Ansätze künftig geschwächt würden, obwohl diese aus ihrer Sicht ein wichtiger Bestandteil der Präventionsarbeit seien. Zusätzlich äußern die Vereine Bedenken hinsichtlich Datenschutz, Persönlichkeitsrechten und fehlender Transparenz im bisherigen Erarbeitungsprozess. Außerdem fehle bislang eine unabhängige Evaluation der geplanten Maßnahmen.
Grundlegende Überarbeitung gefordert
Die Klubs fordern deshalb eine grundlegende Überarbeitung der Richtlinien. Dabei müsse der präventive Charakter von Stadionverboten gestärkt und rechtsstaatliche Prinzipien gewahrt bleiben. Zudem verlangen die Vereine transparente Verfahren sowie eine verbindliche Einbindung von Fanvertretungen und Fanprojekten. Abschließend fordern die Unterzeichner den DFB auf, die gemeinsame Position offiziell nach außen zu vertreten und sich gegen die derzeitige Fassung der Richtlinie auszusprechen. Ziel müsse ein Regelwerk sein, das Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit und Dialog miteinander verbinde und keine "pauschalen und zentralen Eingriffe" schaffe. Unterstützt wird der offene Brief von 25 Klubs, darunter sind mit Aue, Rostock, Saarbrücken, Cottbus und Schweinfurt auch fünf Drittligisten.