Joe Enochs: "Ruhig schlafen konnte ich nicht"

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© Flohre

Mit vier Punkten aus drei Spielen ist der VfL Osnabrück solide in die Rückrunde gestartet – auf das 2:2 bei Spitzenreiter MSV Duisburg folgte jedoch eine bittere 1:2-Niederlage gegen den FSV Mainz 05 II. Nun steht das Spitzenspiel beim 1. FC Magdeburg an. 

Große Enttäuschung bei Spielern und Trainer

Das 1:2 gegen den Tabellenletzten wirkte im Osnabrücker Umfeld nach, keine Frage. Wann verliert der Zweite schließlich schon einmal vor heimischem Publikum gegen den abgeschlagenen Letzten der Tabelle? Doch so viel wollte Trainer Joe Enochs gegenüber liga3-online.de dann doch revidieren: "Es mag ein schwacher Trost sein, aber wir haben Mainz von Anfang an sehr stark eingeschätzt – sie hatten schon in den Spielen zuvor sehr gute Leistungen abgerufen." Dass eine derartige Pleite nichtsdestotrotz ein No-Go sei, wusste der US-Amerikaner aber schon kurz nach Abpfiff. "Eine ruhige Nacht habe ich nach so einem Spielverlauf natürlich nicht verbracht“, gab Enochs ehrlich zu und bezog sich dabei nicht nur auf seine Person. "Es war eine merkwürdige Stimmung in der Kabine, denn meine Mannschaft war über ihre Leistung noch enttäuschter als ich." Urplötzlich hatte Lila-Weiß den Faden verloren und folgerichtig einen 1:0-Pausenvorsprung noch verspielt. Philipp Klement drehte das Spiel mit zwei satten wie sehenswerten Linksschüssen.

"Haben eine Chance liegengelassen"

Und doch durfte der VfL Osnabrück selbst am Montagmorgen entspannt die Zeitung aufschlagen und in die Tabelle schauen, wieder einmal wurde der zweite Platz gehalten. Das geschieht in dieser Saison nicht zum ersten Mal und zeugt von der Ausgeglichenheit der 3. Liga – auch aber von der Tatsache, dass sich hinter dem MSV Duisburg schlichtweg niemand als Aufstiegskandidat herauskristallisiert. "Ich weiß, es ist eine Floskel, aber wir schauen wirklich nur von Spiel zu Spiel. Deshalb schaue ich mir die Platzierung gar nicht so oft an", erklärt Enochs. Nichtsdestotrotz ärgert er sich: "Wir haben eine Chance liegengelassen, uns von der Konkurrenz etwas abzusetzen. Ganz im Unrecht liegt der 45-Jährige damit freilich nicht, denn schon in der Hinrunde versäumte es der VfL zu oft, die Patzer der Verfolger seinerseits auszunutzen.

Magdeburg vor der Tür

Leichter werden die Aufgaben in der Folge jedenfalls nicht: Das Auswärtsspiel beim 1. FC Magdeburg steht vor der Tür. "Die Stimmung dort war schon im letzten Jahr ohrenbetäubend, das hat sich kaum geändert“, blickt Enochs voraus. Das 1:1-Remis des FCM gegen den FSV Zwickau schaute sich der Coach live in der MDCC-Arena an, sammelte wertvolle Erkenntnisse. "Uns wird allen voran auf der kämpferischen Ebene alles abverlangt werden", glaubt Enochs, der immerhin festgestellt haben dürfte: Auch in Magdeburg läuft im Jahr 2017 noch längst nicht alles rund, die Truppe von Trainer Jens Härtel sammelte erst zwei von neun möglichen Zählern. Vielleicht kommt das Auswärtsspiel aus Sicht der Niedersachsen zu einem gar nicht mal so ungünstigen Zeitpunkt. "Wir können uns noch bestens an das Spiel in der Vorsaison erinnern", stellt Joe Enochs klar. Und das war nur mit wenigen positiven Momenten verbunden…

"Da hat Beck uns einen reingedroschen…"

Mit 3:0 fegte der 1. FC Magdeburg die Osnabrücker nach einer furiosen zweiten Halbzeit aus der eigenen Arena. Christian Beck avancierte mit zwei Treffern zum Man of the Match, "am Ende hat er uns noch ein Wahnsinnstor reingedroschen", erinnert sich Enochs schmunzelnd zurück. Aktuell befindet sich der Torjäger des FCM jedoch nicht in Topform, erzielte nach dem Jahreswechsel erst einen Treffer – und diesen auch noch ins eigene Netz. Das war beim 1:1-Remis in Paderborn, durch das der Fußballclub die Enochs-Elf nicht vom zweiten Platz verdrängen konnte. "Wir werden uns ordentlich strecken müssen, wollen aber aus diesem Spitzenspiel nicht mit leeren Händen hervorgehen", gibt Enochs die Marschroute preis. Ein Punkt muss möglich sein – drei wären der Traum. Ein Sieg würde die unnötige Pleite gegen Mainz umso schneller vergessen machen.

Appiahs Fehlen zwingt Enochs zum Improvisieren

Dann ist da aber noch ein Thema, mit dem sich Joe Enochs aktuell nur sehr ungerne beschäftigt: Verletzungen. Am Dienstag erwischte es erneut einen VfL-Akteur, "obwohl es nach dem Training erst gar nicht so schlimm ausgesehen hatte", so Enochs. Innenverteidiger Marcel Appiah wird mit einem Muskelfaserriss für drei Wochen ausfallen – und weil auch Anthony Syhre aufgrund einer Gelb-Sperre in Magdeburg fehlen wird, muss Enochs im Defensivzentrum sowie auf der Doppelsechs mächtig improvisieren. Eine Alternative kann Winterverpflichtung Konstantin Engel werden, dem der Trainer nach etwas Anlaufzeit mittlerweile Startelfpotenzial bescheinigt. Auch der junge Mohamed El-Bouazzati darf sich Chancen ausrechnen. Gute Kunde gibt es derweil von Vizekapitän Christian Groß zu vermelden, der seit Anfang Dezember mit einem Kreuzbandanriss pausieren muss. "Ihm steht in Kürze eine wichtige Untersuchung bevor. Gestaltet sich diese positiv, kann er möglicherweise schon in zwei Wochen wieder einsteigen", blickt Enochs hoffnungsvoll in die Zukunft. Kwasi Wriedt, der vorsichtshalber gegen Mainz passte, wird ebenso planmäßig in Magdeburg in der Startformation stehen.

   

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