Kiel: "Wenn es nicht gut läuft, ist immer der Trainer Schuld"

Die KSV Holstein musste sich am vergangenen Samstag RasenBallsport Leipzig mit 0:2 geschlagen geben. Die Kieler konnten sich für ihre über weite Strecken couragierte Leistung nicht belohnen und standen so nach Treffen von Daniel Frahn (12. Minute) und Sebastian Heidinger (55.) mit leeren Händen da. Es lässt sich streiten wie viel Bedeutung man der Niederlage des Tabellensiebzehnten gegen den auf Rang zwei liegenden Aufstiegsaspiranten beimessen mag, es bleibt der fade Beigeschmack des „guten Spiels mit unbefriedigenden Ausgangs.“

Neue Besen kehr(t)en gut

Vor der Partie gegen Preußen Münster, dem ersten und bisher einzigen Sieg der Störche im Jahr 2014, nahm Trainer Karsten Neitzel einige entscheidende Anpassungen der Startelf vor. Er brachte viel Erfahrung in die Mannschaft (Hartmann, Sykora) und ließ Spieler auf anderen Positionen auflaufen als bisher (Heider, Kazior). Diese taktische Idee und wohl auch das Gefühl des frischen, neuen Anlaufs für die Spieler ließ die Störche in diesem Spiel ihre Feldüberlegenheit auch in Tore umsetzen. Die Kieler haben es aber bisher nicht geschafft, diesen Schwung und Elan wieder abzurufen. Die Leistung gegen Leipzig war, wie fast immer, wieder engagiert und durchaus auch gefährlich. Insbesondere Kapitän Rafael Kazior schaffte es mit ruhenden Bällen für Alarm im gegnerischen Strafraum zu sorgen. Dennoch kam selten das Gefühl auf, dass die Störche den „roten Bullen“ wirklich zusetzen könnten. Auf der anderen Seite blieben die Gäste ruhig und nutzten ihre Chancen abgeklärt. Bezeichnenderweise patzen nun auch noch die Leistungsträger. Beim ersten Gegentor sehen die Außenverteidiger Patrick Herrmann und  Fabian Wetter ganz schlecht aus, beim „Sonntagsschuss“ von Heidinger kann man sich auch fragen, ob Keeper Niklas Jakusch diesen Ball 35 Metern nicht hätte halten müssen. Holstein Kiel bleibt im Moment den Beweis schuldig, der rechtfertigen würde, warum es seit Saisonbeginn keine signifikanten Änderungen an Aufstellung, System und/oder Taktik gab.

Mikkel Vendelbo im Unglück

Nominell spielten die Störche mit zwei zentralen Mittelfeldspielern hinter der hängenden Spitze Sykora. Mit Kazior und Vendelbo bildeten zwei eher offensive Spielertypen dieses Pärchen vor der Abwehr. Da Kazior häufig den Ball forderte und auch auf Grund seiner Ballsicherheit in den Spielaufbau eingebunden wurde, blieb für Vendelbo nur die Rollen des etwas defensiveren Spielgestalters aus der Tiefe. Wie im modernen Fußball üblich ließ sich der Däne oft Richtung Innenverteidigung fallen um sich dort den Ball zu holen und so das Spiel aufzubauen. Bis auf wenige Ballverluste (die dann aber natürlich in sehr gefährlicher Position) klappte diese Variante im Spiel mit dem Ball auch einigermaßen gut. Im Defensivspiel sah der 26-Jährige Neuzugang der Norddeutschen jedoch selten gut aus. Ein ums andere Mal umkurvten die quirligen Mittelfeldspieler der Leipziger den hüftsteifen Kieler. So als alleiniger „Sechser“ ist Vendelbo gegen spielstarke Gegner fehl besetzt. Wie gut die Idee eines zweikampfschwachen Spielmachers im defensiven Mittelfeld funktionieren kann, zeigte damals der AC Mailand. Andrea Pirlo, der Strippenzieher, hatte aber in Gennaro Gattuso die Zweikampfhärte in Person neben sich. Neben Mikkel Vendelbo stand in diesem Spiel leider oft nur er selbst.

"Wenn es nicht gut läuft, ist immer der Trainer Schuld"

Mit diesem zynischen Kommentar äußerte sich der Trainer der Gäste, Alexander Zorniger, während der Pressekonferenz zu den „Neitzel raus“-Rufen von draußen. Für den frustrierten Außenstehenden ist ein natürlich einfacher sich gegen eine Person zu richten als gegen viele. Auch als Fan weiß man, dass es einfacher ist einen neuen Trainer zu installieren, als die komplette Mannschaft auszutauschen. Dennoch sollte man nicht vergessen gegen wen die KSV Holstein am vergangenen Samstag antrat: RB Leipzig, Aufstiegsanwärter. „Ich finde, Holstein hat heute eine starke Leistung auf den Platz gebracht“, fuhr Zorniger fort. Sicherlich darf man enttäuscht sein von der erneut guten, aber vergeblichen Leistung ihrer „Störche“ – trotzdem sollte ein gewisser Anstand und Respekt auch nicht verloren gehen. In der Niederlage zeigt sich der wahre Sportsgeist. Und das die Gäste aus Sachsen keine Laufkundschaft (mehr) sind, haben schon ganz andere Vereine zu spüren bekommen.

Abgerechnet wird im Mai

Noch zwölf Spiele dürfen die Spieler der Kieler SV Holstein bestreiten um ihre Drittligatauglichkeit zu beweisen. Noch zwölf Spiele kann Trainer Karsten Neitzel nutzen um entweder zu beweisen, dass seine Spielidee Früchte tragen kann oder um sich einen neuen Trick zu überlegen und wieder in die Erfolgsspur zurück zu kehren. So oder so sehen Fans, Spieler, Trainer und das Präsidium stürmischen Zeiten an der Ostsee entgegen. Und um nochmal auf das Zitat von Giovanni Trappatoni  aus der Überschrift zurück zu kommen: Im Sinne des Angeklagten bleibt zu hoffen, dass Karsten Neitzel in Kiel nicht überhastet „Ich habe fertig“ in die Notizblöcke der Journaille diktieren muss.

FOTO: calcio-culinaria.de

   
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