Hirsch kritisiert Pfiffe zur Pause: "Da bin ich echt enttäuscht"
Mit dem Last-Minute-Sieg gegen den TSV Havelse hat sich der MSV Duisburg nach der Derby-Niederlage in Düsseldorf sofort wieder in der Erfolgsspur zurückgemeldet. Die drei Punkte waren jedoch hart erarbeitet und auch etwas glücklich. Dass es in der Pause zu Pfiffen kam, gefiel Trainer Dieter Hirsch indes gar nicht – und redete sich dabei in Rage.
"Meint ihr, wir schießen hier jeden aus dem Stadion?"
Er ist ein emotionaler Trainer, Dietmar Hirsch, und auch mal für deutliche Worte bekannt. Am Dienstagabend fand er diese. Aber nicht in Richtung der eigenen Mannschaft, sondern in Bezug auf die Pfiffe zur Halbzeitpause, in die Duisburg mit einem Rückstand ging. "Wir sind hier seit vielen Monaten ungeschlagen. Dann darf eine Mannschaft auch mal eine Halbzeit haben, die nicht so gut ist. Ich erwarte dann, dass wir Respekt bekommen und keine Pfiffe. Da bin ich echt enttäuscht", machte der 54-Jährige bei der Pressekonferenz nach Spielende deutlich und redete sich dabei in Rage: "Ausgepfiffen zu werden, haben die Jungs nicht verdient. Meint ihr, wir schießen hier jeden aus dem Stadion?"
Duisburgs Coach forderte mehr Respekt für den Gegner. Schließlich sei Havelse alles andere als eine Laufkundschaft. "Wenn sie verloren haben, dann immer nur mit einem Tor." So auch am Dienstagabend. Dass der Jubel darüber auf den Rängen groß war, entbehrte für Hirsch nicht einer gewissen Komik: "Fußball ist schwarz oder weiß. Am Ende wirst du von den gleichen Leuten wieder gefeiert. Aber alles gut." Und auch in Richtung der anwesenden Pressevertreter machte der 54-Jährige noch eine klare Ansage: "Ich werde mich immer vor meine Mannschaft stellen. Ihr werdet niemals öffentlich was Negatives über meine Mannschaft hören. Egal wie ihr es versucht oder was ihr fragt."
"Katastrophale Aufteilung" im ersten Durchgang
Zwar räumte er ein, dass er zur Pause in der Kabine "schon ein bisschen lauter" geworden sei, "aber ich war nicht beleidigend oder habe Sachen durch die Gegend geworfen". Doch das, was er von seiner Mannschaft im ersten Durchgang gesehen hatte, "hat mir überhaupt nicht gefallen. Das war ideen- und mutlos", so Hirsch. "Wir haben hintenrum gespielt, es gab kein mutiges Andribbeln und die Positionierung im Mittelfeld war teilweise so, dass wir nicht anspielbar waren. Duisburgs Coach sprach von "Standfußball" und einer "katastrophalen Aufteilung", wollte aber nicht die fünf Wechsel in der Startelf als Erklärung gelten lassen: "Die Spieler wollen alle spielen, dann müssen sie abliefern. Das ist Leistungsfußball."
Dass es nach der Pause besser lief, machte Hirsch vor allem daran fest, dass der Mut bei seiner Mannschaft vorhanden war. "Es hat nicht alles funktioniert, aber wir wollten das Spiel unbedingt drehen. Hinten raus war es natürlich sehr glücklich, aber vielleicht haben wir uns das aufgrund der zweiten Halbzeit mit Mentalität auch erzwungen." Nachdem Sussek nach 79 Minuten zum Ausgleich getroffen war, war es ein Eigentor von Dennis Duah in der vierten Minute der Nachspielzeit, das den Zebras den Sieg bescherte.
Hirsch tröstet Duah – Sorgen um Bitter
Den Unglücksraben tröstete Hirsch im Anschluss: "Das ist kein richtiger Fehler, das gehört einfach zum Fußball dazu. Dass er den Ball in der letzten Minute so abfälscht, dass er reingeht, tut weh, vor allem, wenn man so gut gespielt hat", sagte er am "MagentaSport"-Mikrofon. "Dann ist es leider so im Fußball: Die eine Aktion bleibt halt hängen und die 94 Minuten vorher, wo er super gespielt hat, die vergisst er. Das sollte er mitnehmen. Tränen gehören nicht dazu. Man muss es akzeptieren, Spiele zu verlieren. Das müssen wir auch manchmal. Das war total dramatisch. Aber ich wollte ihn einfach trösten, weil er mir schon sehr leidtat."
Mit dem fünften Sieg im sechsten Spiel haben die Zebras die Tabellenführung gefestigt und reisen nun am Sonntag zu Schlusslicht Wehen Wiesbaden. Allerdings ohne Joshua Bitter, der bereits in der ersten Halbzeit ohne gegnerische Einwirkung umgeknickt war und nicht mehr weitermachen konnte. Hirsch machte ein Loch im Rasen dafür verantwortlich. "Der Rasen war nicht gut. Und wenn sich dann ein Spieler verletzt, bin ich sauer." Eine Diagnose steht noch aus: "Ich weiß nicht, ob ein Band kaputt ist es oder es nur eine Zerrung ist. Aber das ärgert mich." Zumal mit Christian Viet und Jan-Simon Symalla derzeit noch zwei weitere Spieler verletzungsbedingt nicht zur Verfügung stehen.