Hansa und das Dilemma um Bernd Hofmann: Wie geht es weiter?

Am Ende war es beinahe keine Überraschung mehr, als vergangene Woche über die Medien kommuniziert wurde, Bernd Hofmann habe um eine Auflösung seines bestehenden Vertrages als Vorstandsvorsitzender gebeten. Auch die Gründe entsprachen den allgemeinen Erwartungen, in Rostock hatte man sich nach der Mitgliederversammlung bereits auf einen öffentlichen Machtkampf zwischen dem neu gewählten Aufsichtsrat und Hofmann eingestellt. Nun aber kam Hofmann dieser potenziellen Schlammschlacht mit seinem Rücktrittsgesuch zuvor und zog sich nach einem, auch für ihn, höchst anstrengenden Jahr 2012 still und leise zurück. Doch wodurch kam dieser tiefe Graben zwischen dem Mann, der zusammen mit seinen, ebenfalls zurückgetretenen, ehrenamtlichen Mitstreitern Sigrid Keler und Dr. Peter Zeggel, zuletzt so erfolgreich die Daseinsberechtigung des Traditionsclubs von der Ostsee vor der Rostocker Bürgerschaftsversammlung verteidigt hatte, und dem Verein Hansa Rostock zustande? liga3-online.de wirft einen in zwei Teilen Blick zurück auf Bernd Hofmanns Karriere beim Verein und beleuchtet die Ereignisse, die zuletzt zum Rücktritt Hofmanns geführt haben. Heute: Teil 2:

„JA zum FCH“

Alles andere als ruhig gestaltete sich jedoch zur gleichen Zeit das Tagesgeschäft beim FC Hansa Rostock, erst für den Vorstand, später auch für die Fans und Sympathisanten des Vereins im In- und Ausland. Anfang des Jahres, zeitgleich mit der Schließung der Hintertortribüne, wurde bekannt, dass es finanziell bei Weitem nicht gut um den gebeutelten letzten DDR-Meister von 1991 stand. Die Aussage war deutlich: Würde die Stadt Rostock nicht helfend unter die Arme greifen, würde der Verein mit seinen Erfolgen und seiner Tradition in der Versenkung verschwinden. Bernd Hofmann kämpfte tagtäglich mit Sponsorentreffen und Anhörungen vor politischen Ausschüssen der Stadt um die Existenz des Vereins, auch die Fans vergaßen für einen Moment ihre Differenzen und starteten im ganzen Land Foto- und Solidaritätsaktionen. „JA zum FCH“ wurde in der Zeit mehr als nur ein Slogan, erst Recht, als es am 9. Mai die Bürgerschaft der Stadt Rostock über eine Finanzhilfe und somit die Zukunft des Vereins entscheiden muss.

An diesem Tag, aber auch in den Wochen davor, wurde Bernd Hofmanns Vorstellung von einem homogenen Verein kurzzeitig nochmal Wirklichkeit. Schulter an Schulter standen die Fans auf dem Neuen Markt in Rostock, sangen die Vereinshymne, während er im Rathaus, an vorderster Front, für den Verein kämpfte. Am Ende lohnte sich die Anstrengung, die Bürgerschaft sagte Ja, der Verein war vorerst gerettet und durfte in der 3. Liga antreten. Das „vorerst“ verschwand im Freudentaumel der Rostocker Anhänger und auch der Vorstand ließ sich von der Euphorie, nach Wochen der harten Arbeit, verdientermaßen anstecken. Bernd Hofmann erklärte sich bereit, während der Vorbereitung auf die Saison 2012/2013 wieder mit der aktiven Fanszene zu kommunizieren.

Der endgültige Bruch

Das Gespräch geriet zur Farce, denn während die aktive Fanszene, welche ihren eigenen erheblichen Anteil zur „JA zum FCH“-Aktion getragen hatte, mit hohen Erwartungen über die Wiedereröffnung der Hintertortribüne in das Gespräch ging, hatte sich Bernd Hofmann die erwünschte Hilfe von Politik und Polizei zur Seite stellen lassen und erteilte der erzürnten Fanszene, trotz positiver Zeichen im Vorfeld, eine Absage. Die gute Stimmung aus der Rettungsaktion war verflogen und der Bruch zwischen aktiven Fans und Vorstand endgültig. Die aktiven Fans pendelten von Heimspiel zu Heimspiel durch die Blöcke des Stadions, protestierten, mittlerweile auch wieder lautstark, gegen Bernd Hofmann persönlich und nahmen sich im Zuge dessen auch jede Aktion seinerseits zur Vorlage für die Untermauerung ihrer Kritik. Hofmann hatte die ersten Saisonspiele des FCH im Stadion verpasst, weil er sich nach dem anstrengenden Sommer Urlaub gegönnt hatte.

Die aktiven Fans reagierten mit Unverständnis und warfen ihm unter anderem Scheinheiligkeit vor, während der „JA zum FCH“-Aktion noch regelmäßig medienwirksam mit Hansa-Schal vor der Kamera posiert und dann den Saisonauftakt der Mannschaft verpasst zu haben. Gleichzeitig befeuerte der Vorstandsvorsitzende den Konflikt mit Interviewaussagen, die eine Rückkehr zur Hintertortribüne neben dem Gästeblock völlig ausschlossen und die Annahme der aktiven Fans, er habe zu Saisonbeginn  etwas anderes in Aussicht gestellt, als schlichtweg naiv und falsch darstellte. Die Diskussion wurde beinahe kurios, als einige Fans erklärten, sie würden sich missbraucht fühlen. Missbraucht, für die Rettung ihres Vereins?

Die Mitgliederversammlung im November 2012 – Der Todesstoß

Doch die Proteste wurden zum Herbst hin zunehmend leiser. Man mochte den sportlichen Aufschwung des FCH unter dem neuen Trainer Marc Fascher als Begründung vermuten, tatsächlich befasste sich die aktive Fanszene allerdings mit der bevorstehenden Mitgliederversammlung Ende November. Zuvor hatte Bernd Hofmann eingeräumt, einen Fehler mit der Vertragsverlängerung von Ex-Trainer Wolfgang Wolf gemacht zu haben, was zu einem miserablen Saisonstart führte. Die aktiven Fans wollten mehr Möglichkeiten, das Tagesgeschäft im Verein mitzubestimmen und so befasste man sich vor der Aufsichtsratswahl, der alte Aufsichtsrat hatte bereits erklärt, nicht nochmal zur Wahl zu stehen, mit Kandidaten, die auch die Interessen der aktiven Fans vertreten würden. Gleichsam rief man auf, möglichst zahlreich als Mitglied in den Verein einzutreten. Im Sonderzug vor dem Spiel gegen Rot-Weiß Erfurt, einen Tag vor der Mitgliederversammlung, wurde dann von der Fanszene ein Flyer erstellt und verteilt, der eine „Wahlempfehlung“ für die bevorstehende Aufsichtsratswahl beinhaltete.

Gleichsam wurde bekannt, dass die Fanszene „Verhaltens-SMS“ an ihre Mitglieder verschickt haben soll, Kopien davon kursierten in diversen Foren des FCH. Man sprach davon, die entsprechenden Szene-fremden Kandidaten in ihren Reden mit Zwischenrufen zu behindern und auch Bernd Hofmann verbal klar und deutlich zu zeigen, was man von seiner Person halte. Am Tag der Mitgliederversammlung sah sich Bernd Hofmann tatsächlich im erwarteten Kreuzfeuer, allerdings wurden Fehler seinerseits teilweise auch zu Recht und sehr sachlich angesprochen. Über allem thronte aber die Thematik der Hintertortribüne. Vielleicht wäre es spätestens da für Bernd Hofmann an der Zeit gewesen, seine eigene Zerrissenheit rund um den Verein und seine Fans zu erklären, das Dilemma zwischen der Finanzierung des klammen Vereins mit dem dazugehörigen Imageproblem und der eigenen Vision von einem gemeinsamen Verein, bei dem alle, wie im Mai, gemeinsam alles für den Verein geben, aktive, wie „gemäßigte“ Fans. Er verzettelte sich stattdessen in widersprüchlichen Aussagen und verlor an diesem Abend bei den aktiven Fans mehr denn ja an Glaubwürdigkeit. In den Aufsichtsrat wurden die Kandidaten gewählt, die sich die Fanszene erwünscht hatte und Bernd Hofmann wusste wohl, dass er in einem Verein, der von Personen geführt wird, die den erneuten Dialog mit der aktiven Fanszene anstreben, an seinem jetzigen Standpunkt keine Zukunft mehr hat. Er nahm sein Schicksal selber in die Hand und bat um seine Vertragsauflösung.

Die Zukunft des FCH – schwarz, weiß oder grau?

In den Tagen nach der Mitgliederversammlung wurde der ungeliebte Boulevard nicht müde, die „Übernahme des Vereins durch die gewaltbereite Hooliganszene des FC Hansa Rostock“ zu propagandieren, viele Fans ließen sich davon anstecken, einige beendeten nun, nach dem Rücktritt von Bernd Hofmann ihre Mitgliedschaft. Auch wenn die Meinung des Boulevards überzogen und schlichtweg falsch ist, kann man die enttäuschten Fans verstehen. Keiner hatte es bisher geschafft so seriös beim FCH zu wirtschaften, wie der Vorstand um die zurückgetretenen Bernd Hofmann, Dr. Peter Zeggel und Sigrid Keler. Keler zeigte sich nach ihrem Rücktritt, wie auch einige Fans, in Sorge um die finanzielle Zukunft des FCH. Allerdings kann man hinterfragen, ob die Zukunft des FCH wirklich so schwarz aussieht, wie sie gemalt wird. Die Persönlichkeiten, die nun im Vorstand die Fäden ziehen, sind allesamt auf Basis ihrer Erfahrungen kompetente Leute, denen der Verein am Herzen zu liegen scheint. Sie haben die Aufgabe, Nachfolger für den scheidenden Vorstand zu finden, welcher die Arbeit von Hofmann, Keler und Zeggel durchaus fortführen kann und das auch unbedingt sollte. Auch die aktive Fanszene des Clubs hat in der Vergangenheit gezeigt, dass sie zu Großem in der Lage ist. Spendenaktionen, „JA zum FCH“, Choreographien, phantastische Stimmung, das alles macht die aktive Fanszene Rostock aus. Allerdings sollte es innerhalb der Fans auch eine Selbstreflektion geben, ein Bewusstsein dafür, womit man dem Verein im Zweifelsfall schadet. Wenn diese Voraussetzung gegeben ist, dann dürfte der Rücktritt von Bernd Hofmann, dessen Beziehung zu den Fans zerstört war und ein Neuanfang des Dialogs zwischen Fans und Verein kein Fehler, sondern eine große Chance sein, eine Chance, den Verein wirtschaftlich sportlich langsam wieder an bessere Zeiten heranzuführen und gleichsam das Image des Clubs und seiner Fans zu verbessern.

Hansa Rostock und das Dilemma um Bernd Hofmann – Teil 1

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