Hansa Rostock und die Blaswich-Verpflichtung: Ein Risiko

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© imago/Eisenhuth

Völlig überraschend hat der F.C. Hansa Rostock am Donnerstag mit Janis Blaswich einen weiteren Torhüter verpflichtet und zeitgleich bekanntgaben, mit dem 26-Jährigen als Stammkeeper in die neue Saison zu gehen. Eine riskante Entscheidung – aus mehreren Gründen. Ein Kommentar.

Hansa riskiert gute Stimmung 

Die Grundidee, auf einen Torhüter mit Drittliga-Erfahrung zurückgreifen zu können, ist nicht falsch – im Gegenteil. Problematisch ist allerdings der Zeitpunkt. Wer zwei Tage vor Saisonstart einen neuen Keeper verpflichtet und ihn direkt zum Stammkeeper macht, sorgt für Unruhe. Für Luis Zwick, Kai Eisele und Eric Gründemann dürfte die Entscheidung der Verantwortlichen ein Schlag ins Gesicht sein, schließlich haben sie – im Gegensatz zu Blaswich – die komplette Vorbereitung absolviert. Bis zuletzt hatten sich Zwick und Eisele Hoffnungen auf den Stammplatz gemacht, nun stehen sie nur noch in zweiter oder gar dritter Reihe. Vor allem der Keeper, der letztlich auf der Tribüne Platz nehmen muss, wird sich möglicherweise bereits fragen, ob der Wechsel zum F.C. Hansa nicht sogar ein Fehler war. Denn: Sowohl Zwick als auch Eisele kamen mit dem Anspruch, Stammkeeper zu werden nach Rostock – nun ist einer von Beiden nur noch die Nummer drei. Das könnte für schlechte Stimmung sorgen.

Blaswich seit über 450 Tage ohne Liga-Spiel

Hinzukommt, dass Blaswich ohne echte Spielpraxis nach Rostock kommt – ein Fakt, der ein weiteres Risiko darstellt. Zwar bringt der 26-Jährige die Erfahrung von 30 Drittliga-Spielen im Trikot von Dynamo Dresden mit, verpasste aber die komplette letzte Saison aufgrund mehrerer Verletzungen. Für die U23 von Borussia Mönchengladbach kam Blaswich in den vergangenen Wochen zwar in mehreren Testspielen zum Einsatz, sein letztes Liga-Spiel bestritt der Keeper allerdings am 9. April 2016 – also vor über 450 Tagen. Dennoch erhält der 26-Jährige nun auf Anhieb das Vertrauen und steht bereits am Samstag gegen Lotte zwischen den Pfosten – riskant! Im Vorfeld wird Blaswich lediglich am Freitagvormittag mit der Mannschaft trainieren können. Wenig Zeit, um die Laufwege der Mitspieler einstudieren zu können. Selbst Pavel Dotchev muss zugeben: "Klar ist da ein Risiko dabei, dass er so kurzfristig kommt." Dennoch ist der Hansa-Coach von Blaswich überzeugt: "Er bringt die Qualität mit, sofort spielen zu können." Das bleibt allerdings zunächst abzuwarten.

Hansa setzt alles auf eine Karte

Insgesamt ist die Verpflichtung von Janis Blaswich zwar nicht grundsätzlich in Frage zu stellen, jedoch wirft der Zeitpunkt, das geringe Vertrauen in Zwick und Eisele sowie die sofortige Ernennung des 26-Jährigen zum Stammkeeper Fragen auf – allein schon, weil der frühere Dresdner ohne echte Spielpraxis nach Rostock kommt. Hansa setzt im Tor alles auf eine Karte und geht mit der überstürzt wirkenden Entscheidung kein geringes Risiko ein – in mehrerlei Hinsicht.

   
  • Kogge65

    Mir ist es ehrlichgesagt schleierhaft, warum man einen Torwart drei Tage lang im Ausland besucht, um ihn dann im Anschluss auf die Tribüne zu setzen. Dotchev bricht hier mit seinem eigenen Konzept, auf junge, entwicklungsfähige Spieler zu setzen, ihnen auch mal Fehler zuzugestehen und die nötige Zeit (und damit auch Spielpraxis!) zu geben. Es muss die Frage gestellt werden, warum man diese 2/3 Torhüter geholt hat. Hat man erwartet das sie sich in 5 Wochen Vorbereitung stark verbessern? Hat man das Leistungsvermögen falsch eingeschätzt? Darüber hinaus stört mich der Umgang. So vergrault man nicht nur die 2 Bzw 3 Spieler denen man vor den Kopf stößt, sondern macht den Verein auch, neben wenigen sportlichen und finanziellen Argumenten, für weitere potentielle zukünftige Neuzugänge unattraktiv. Das Selbstvertrauen der Torhüter dürfte jetzt am Boden sein. Fraglich ist auch, wie die Torhüter ein ausreichendes Niveau zur nächsten Saison entwickeln sollen wenn ihr Ligaalltag Oberliga heißt. Ich gehe davon aus das sowohl Zwick als auch Eisele Hansa spätestens am Saisonende verlassen, und das kann ich sehr gut verstehen. Sie kommen sich sicher mächtig verkohlt vor und ich wuerde das auch nicht mit mir machen lassen. Ich kann die Reaktion einiger Hansafans auch nicht nachvollziehen, die das, weil Dotchev es entschieden hat, begrüßen. Aber seit der Verpflichtung des neuen Trainers wird dem ja sowieso aus der Hand gefressen, nichts hinterfragt und blinder Gehorsam geübt. Immerhin ist der Mann schon 2 mal aufgestiegen also klappt das auch mit Hansa. Es wäre sehr schön aber mir fehlt der Glaube daran, typisch Hansa wird Dotchev wahrscheinlich die Saison nicht überstehen. Hauptsache noch einen verletzungsanfälligen Torwart ohne Spielpraxis geholt. Der nächste Trainer darf sich dann wieder sein Team zusammenbauen, bekommt aber nur noch Leute die darauf stehen sich für dumm verkaufen zu lassen oder Freizeitkicker die gern mal für den FCH auflaufen würden (so sie denn nicht nach der Vorbereitung aussortiert werden).

  • Klaus Neuhäuser

    Das ist wohl War.Das was ich in der Vorbereitung gesehen habe, besonders gegen Wolfsburg; hat mich in Sachen Torhüter nicht überzeugt. Nun sind die drei Neuen noch sehr jung und sicherlich entwicklungsfähig.Den Stand der Entwicklung kann nur der Trainer einschätzen. Und wenn der zu dem Schluß kommt es könnte eng werden, muss er Handeln. Das Risiko bleibt so oder so. Was mich ärgert-erst lobt man die Torhüter in den höchsten Tönen um dann fest zu stellen-sie sind noch nicht so weit.Verantwortlich ist dafür der Scout, den der hat die Leute vermutlich länger beobachtet. Hier scheint Handlungsbedarf. Unter Sportlern sollte sich der " Ärger" in Grenzen halten. Ich hoffe es geht gut?!

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