Härtel im Interview: "Wir denken nicht nur schwarz und weiß"

Jens Härtel, Trainer des 1. FC Magdeburg, blickt im Interview mit liga3-online.de auf die anstehende Rückrunde, erklärt den Torwartwechsel hin zu Leopold Zingerle und schaut auf seine persönliche Zukunft.

[box type="info" size="large"]"Uns fehlte in den Testspielen das, was uns stark gemacht hat"[/box]

liga3-online.de: Herr Härtel, mit Beginn der Rückrunde werden Sie einen Torwartwechsel vornehmen. Warum?

Jens Härtel: Wir haben klar kommuniziert, im Winter unsere beiden Torhüter genau anzuschauen. Leopold Zingerle war in seinen bisherigen Spielen bereits ein sehr guter Vertreter. Auch aufgrund dieser Leistungen mussten wir die Torhüterfrage neu stellen und sie mit besonderem Bedacht auswählen. Es ist nun einmal eine andere Personalie als ein Feldspieler. Wir haben schließlich gemeinsam als Trainerteam die Entscheidung getroffen, auch wenn sie vielleicht nicht ganz alltäglich ist.

Wie hat Jan Glinker die Entscheidung Ihnen gegenüber aufgenommen?

Natürlich ist Enttäuschung vorhanden, aber wir werden nicht müde zu betonen: Jan Glinker hat noch alle Chancen, ins Tor zurückzukehren. Leopold Zingerle darf nun schließlich nicht in ein Loch fallen, auch wenn sich das Torhüterspiel in den letzten Jahren gewandelt hat und er diesbezüglich Vorteile besitzt. Wir haben wenig Angst, dass wir in naher Zukunft ein Torhüterproblem bekommen werden.

Die Vorbereitung verlief alles andere als optimal, selbst die eigenen Spieler bezeichneten die Phase ab Anfang Januar als holprig.

Uns fehlte in den Testspielen das, was uns stark gemacht hat. Im Spiel gegen den Ball waren wir nicht in der Verfassung, die wir zum Ende der Hinrunde hin gezeigt haben. Wir müssen mehr Kompaktheit und Aggressivität zeigen, aber lernen gleichzeitig aus jedem Spiel. Wie groß der Lerneffekt ist, das sehen wir erst am Samstag auswärts bei Fortuna Köln – das ist das Schöne am Fußball.

Was stimmt Sie in Bezug auf den Auftakt bei Fortuna Köln positiv? Ein gutes Pflaster war das Südstadion zumindest im letzten Jahr nicht.

Es war unsere erste Niederlage in der letzten Saison, und in dieser Spielzeit ebenso. Damals haben wir durch unberechtigte Elfmeter verloren, zudem musste Felix Schiller danach monatelang pausieren. Allgemein lässt sich feststellen: Bisher haben wir gegen Fortuna Köln immer wieder Lehrgeld zahlen müssen, so auch zu Beginn der aktuellen Spielzeit. Köln ist immer wieder eine sehr unangenehme Aufgabe. Vielleicht wird die Mannschaft von anderen Klubs auch unterschätzt, weil dort die Unterstützung der Fans nicht so groß ist, die Stimmung im Stadion nicht so laut. Ein großer Fehler, den wir am Samstag nicht machen wollen.

[box type="info" size="large"]Transferplanungen und das Auftaktprogramm[/box]

Statt mit dem Gefühl von fünf Siegen in Serie im Rücken reist der FCM mit gemischten Gefühlen in die Domstadt. Kam die Winterpause zur völlig falschen Zeit?

Wir waren dort in einer richtig guten Phase, natürlich möchte jeder dann gerne einfach weiterspielen. Die mannschaftsinternen Abläufe hatten dort absolut gestimmt. Aber nach dieser intensiven und kräftezehrenden Hinrunde waren genauso fast alle froh, eine vierzehntägige Pause zu bekommen. Nun müssen wir immer wieder den Finger in unsere eigenen Wunden legen und zusehen, mit den nötigen Basics wieder auf das Level von Ende 2016 zu kommen.

In der Hinrunde holten Sie mit dem FCM nur vier Pünktchen aus den ersten sechs Spielen. Können wir daraus schließen, dass es das Auftaktprogramm auch in der Rückserie in sich haben wird?

Wir denken nicht nur schwarz und weiß. Wir haben im Sommer einige Partien verloren, die wir gar nicht hätten verlieren müssen. Anfangs fehlte uns vielleicht auch das Glück, das später zu uns zurückkehrte. Zusammenfassend möchte ich betonen: Es war zum Saisonbeginn nicht alles schlecht und später auch nicht alles gut. Wir hatten viele Neuzugänge zu integrieren, haben die Trainingsschwerpunkte umgelegt. Bis die Jungs das verinnerlicht hatten, hat es etwas gedauert – vielleicht liegt auch darin der Grund für die wenigen Punkte zum Auftakt.

Im Winter wurde mit Charles Elie Laprevotte ein Mittelfeldspieler aus der fünften Liga verpflichtet, der aber Drittliga-Erfahrung vorweist. Ist er schon jetzt die gewünschte Verstärkung?

Fußballerisch kann uns Charles Laprevotte sofort deutlich weiterhelfen. Noch aber fehlen ihm einige andere Dinge, die in der 3. Liga wichtig sein können: Entschlossenheit, Robustheit, Zweikampfstärke – für diese Attribute stehen wir beim 1. FC Magdeburg, das muss er noch erlernen. Er ist aber nicht der Erste, bei dem dieser Prozess ein bisschen dauert. Auch bei Spielern wie Florian Kath und Julius Düker hat das nach einer Weile funktioniert.

Sie haben zuletzt betont, dass wohl keine Neuverpflichtung mehr kommt. Ein weiterer zweitliga-erfahrener Akteur hätte dem Team sicherlich nicht geschadet, oder?

Ich würde niemals nie sagen. Es ist immer schwierig, so spät noch jemanden ins Boot zu holen, zumal die Rückrunde dann bereits begonnen hat. Aber: André Hainault fehlt nach seiner Operation bis zum Saisonende. Falls im letzten Moment noch irgendwo jemand gehen möchte, halten wir immer die Augen offen. Angewiesen sind wir auf einen Transfer jedoch nicht.

[box type="info" size="large"]Härtel über seine Zukunft[/box]

Allgemein ist festzustellen, dass die Teams im oberen Tabellendrittel kaum nachgerüstet haben. Verwundert Sie das?

Die 3. Liga ist keine Liga, in der man in Geld baden kann. Wenn man etwa in Chemnitz die Schlagzeilen liest, ist der Verein höchstwahrscheinlich froh, überhaupt weiter in der Liga spielen zu können. Teams wie der MSV Duisburg hingegen besitzen doch bereits eine richtig gute Truppe, warum soll dort noch jemand dazukommen? Schon jetzt ist klar, dass die Rückrunde richtig spannend wird, zumal einige Mannschaften im Mittelfeld nachgerüstet haben. Wer am Ende oben steht, lässt sich kaum prognostizieren – so wie fast immer in der 3. Liga.

Noch immer ist Ihre persönliche Zukunft nicht klar. Warum lassen Sie sich so lange Zeit und zu wann ist eine offizielle Entscheidung zu erwarten?

Wir sind in guten Gesprächen, führen diese jedoch eher nebenher. Noch ist daher kein Vollzug zu vermelden. Aber wir befinden uns glasklar im selbst gesteckten Fahrplan. Dieser besagt, dass das Hauptaugenmerkt weiterhin auf dem Fußball und dem sportlichen Tagesgeschäft liegt.

Als Trainer passen Sie offenbar zum 1. FC Magdeburg wie die Faust aufs Auge. Anders ist die Entwicklung der letzten Jahre kaum zu deuten.

Was wir in den letzten zweieinhalb Jahren gemeinsam erlebt haben, ist durchaus beeindruckend. Wir haben den Verein sukzessive weiterentwickelt und wollen weiter daran arbeiten. Mir hat es immer großen Spaß gemacht, hier zu arbeiten, und diese Freude verspüre ich auch weiterhin. Wichtig bleibt, dass wir die Erwartungshaltung nie zu hoch setzen. Wir besitzen mit Magdeburg zwar eine fußballverrückte Stadt, wirtschaftlich aber im Vergleich zu anderen Städten und Bundesländern längst keine optimalen Grundvoraussetzungen. Stecken wir die eigenen Ziele zu hoch, können wir auch ziemlich tief fallen.

   
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