Großkreutz: "In den 90 Minuten kenne ich keine Freunde"

Nach 23 Jahren treffen der KFC Uerdingen und Borussia Dortmund wieder im DFB-Pokal aufeinander, damals setzte sich der Außenseiter aus Krefeld völlig überraschend mit 2:1 durch und zog ins Viertelfinale ein. Auch wenn eine erneute Überraschung am Freitag (Anstoß 20.45 Uhr) ausbleiben sollte, so hat dieses Duell schon jetzt eine tolle Geschichte zu bieten: Das Aufeinandertreffen von Kevin Großkreutz mit seinem BVB. 

Großkreutz trifft auf seine alte Liebe

Am Mittwochvormittag dürfte Kevin Großkreutz ein großer Stein vom Herzen gefallen sein. Nach einer Tätlichkeit gegen Dimitri Imbongo Boele im Spiel gegen die SG Sonnenhof Großaspach am vergangenen Samstag wurde der 31-jährige Verteidiger des KFC Uerdingen vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für vier Spiele gesperrt, zwei weitere Partien wurden zur Bewährung ausgesetzt. Betroffen von der Sperre ist allerdings nicht das DFB-Pokalspiel gegen Borussia Dortmund am Freitag, es wäre für den Weltmeister 2014 ein wohl kaum zu verkraftender Rückschlag gewesen.

Denn schließlich ist Borussia Dortmund weiterhin der Herzensverein von Großkreutz. In der Jugend des BVB ausgebildet, absolvierte der Verteidiger zwischen 2009 und 2015 immerhin 236 Pflichtspiele (27 Tore, 37 Vorlagen) für die Schwarz-Gelben, und wurde mit den Dortmundern zweimal Meister und einmal Pokalsieger. Kein Wunder also, dass Großkreutz dem Aufeinandertreffen mit seinem ehemaligen Verein entgegenfiebert.

"Wirklich absolut emotional"

"Die Borussia begleitet mich von Kindesbeinen an und ich habe den Klub im Herzen, seit ich denken kann. Ich war mit vier Jahren zum ersten Mal im Westfalenstadion. Ich habe als Fan auf der Tribüne mit den Schwarz-Gelben mitgefiebert und konnte später als Spieler Titel auf dem Platz feiern. Ich glaube, ich kenne jede zweite Person in Dortmund. Wenn ich ins Stadion einlaufe und auf die Tribüne schaue – das wird vor und nach dem Spiel für mich wirklich absolut emotional werden", blickt Großkreutz in einem Interview mit "Sport1" in freudiger Erwartung auf kommenden Freitag voraus, stellt aber auch klar, dass das alles im Spiel keine Rolle mehr einnehmen werde. "Ich zerreiße mich für die Mannschaft und in den 90 Minuten kenne ich keine Freunde, da werde ich alles geben für Uerdingen."

Für den KFC wird es nach der Rückkehr in den Profifußball vor gut einem Jahr so oder so der nächste Höhepunkt in der Vereinsgeschichte. Vor 23 Jahren traf man dabei schon einmal im Pokal auf Dortmund und konnte am Ende gar mit 2:1 gewinnen. Sollte sich dieser Erfolg wiederholen lassen und Kevin Großkreutz ein Tor erzielen, könne sich dieser sogar vorstellen, selber auch zu jubeln: "Ich habe schon lange kein Tor mehr geschossen. Das wäre für mich auch wieder etwas Positives. Ich verliere nicht den Respekt, wenn ich juble. Und Jubel zu unterdrücken, wenn es gegen den Ex-Klub geht, halte ich für Schwachsinn. Ich verliere ja nicht den Respekt vor der Borussia."

36.000 Tickets verkauft

Eine einfache Aufgabe wird es aber nicht werden, mit fünf Punkten nach vier Spielen ist Uerdingen nicht gerade optimal in die neue Saison gestartet, auch wenn dabei bedacht werden muss, dass man in der Englischen Woche nach zwei Platzverweisen insgesamt 130 Minuten in Unterzahl absolvieren musste. Dortmund hingegen scheint bereits gut in Form, gewann den Supercup gegen den FC Bayern München am vergangenen Wochenende nach starker Leistung mit 2:0. Doch der Pokal hat schließlich seine eigenen Gesetze und somit ist vorher bisher nur eines gesichert. Und zwar, mit wem Großkreutz nach dem Spiel sein Trikot tauschen wird: "Marco Reus ist mein Freund. Wir werden die Trikots tauschen", so der 31-Jährige gegenüber der "Rheinischen Post". 36.000 Zuschauer werden am Freitag erwartet, darunter 15.000 aus Dortmund. Sport1 und Sky übertragen live.

 

   
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