Gemeinsame Erklärung: Acht Klubs fordern Saisonabbruch

Nachdem sich die fünf bayrischen Drittliga-Klubs am Donnerstag in einer gemeinsamen Stellungnahme für eine Fortsetzung der Saison mit Geisterspielen aussprachen, halten Halle, Mannheim, Magdeburg, Münster, Chemnitz, Großaspach, Jena und Zwickau nun dagegen – und fordern in einer gemeinsamen Erklärung den Abbruch der Spielzeit.

Aufstieg, aber kein Abstieg

Unter dem Titel "Spielbetrieb der 3. Liga in der laufenden Saison einstellen" erklären die acht Klubs, dass die Spielzeit aus ihrer Sicht nicht fortgesetzt werden könne. Dies sei zwar "der sportlich bittere", aber auch der "einzig mögliche Weg, bei dem die gesellschaftlichen Realitäten, der Schutz der Gesundheit und die wirtschaftlichen Notwendigkeiten in Einklang zu bringen sind". Mit Blick auf die Wertung bei einem Abbruch schlagen die Klubs vor, dass der aktuelle Tabellenstand im Hinblick auf den Aufstieg genommen und der Abstieg dagegen ausgesetzt wird.

Von dieser Regelung würden alle acht Teams unmittelbar profiteren: Mannheim würde als Zweiter hinter dem MSV Duisburg aufsteigen, die anderen sieben Teams, die allesamt die letzten Tabellenplätze belegen und im Fall von Jena und Großaspach bereits weit abgeschlagen sind, wären gerettet. Gleichzeitig sollen die fünf Regionalliga-Meister direkt in die 3. Liga aufsteigen. Dies führe zwar zu mehr Mannschaften in der nächsten Saison, bilde aber einen "fairen Kompromiss" ab und ermögliche eine "teilweise wirtschaftliche und mediale Kompensation in der Folgesaison", heißt es in der Erklärung.

Keine Sonderrolle für die 3. Liga

Die acht Vereine bekräftigen zwar, die Saison lieber in einem sportlichen Wettkampf zu beenden bringen zu wollen. Doch der Preis für eine Fortsetzung der Saison dürfe nicht unverantwortlich hoch sein – gesellschaftlich, bezogen auf die Gesundheit und auch wirtschaftlich: "Die aktuellen Entscheidungen der Bundesregierung sowie die bisher vorhandene Faktenlage und die fehlenden Antworten, vor allem zu medizinischen Fragen, lassen uns (…) in letzter Konsequenz zu dem Ergebnis kommen, dass die aktuelle Saison 2019/20 der 3. Liga nicht fortgesetzt werden kann." Der Fußball insbesondere in der 3. Liga dürfe keine Sonderrolle für sich beanspruchen. "Wenn er das tut, verliert er seine so wichtige Verwurzelung und missachtet seine gesellschaftliche Verantwortung", warnen Halle, Jena und Co. "Eine solche Sonderrolle hätte nicht nur gesellschaftliche, sondern auch konkrete medizinische Auswirkungen."

Um überhaupt wieder an einen Spielbetrieb ab Mai in der 3. Liga zu denken, wäre die Einführung eines umfangreichen Testsystems notwendig. "Alle Spieler, Trainer und Mannschaftsbetreuer der 3. Liga würden tausende Tests bis zum Ende der Spielzeit beanspruchen", geben die acht Vereine zu bedenken. Auch wenn ein Weg gefunden werde, dass dies nicht von dem allgemeinen Testkontingent abgehe, "stünden doch diese zusätzlichen Kapazitäten nicht dort zur Verfügung, wo sie am dringendsten gebraucht werden: in den Krankenhäusern sowie in den Alten- und Pflegeheimen." Außerdem befürchten die Klubs, dass die Tests alleine nicht ausreichen werden. Sollten innerhalb der Mannschaften Infektionen auftreten, "besteht aus unserer Sicht die Gefahr, dass sie sich für einen längeren Zeitraum auf harte Quarantäne-Maßnahmen einstellen müssten. Dies hätte zur Folge, dass der mögliche Spielplan nicht eingehalten werden könnte und erneut – im schlimmsten Fall schon kurz nach Wiederbeginn – über eine Einstellung des Spielbetriebs entschieden werden müsste.

Training nicht möglich

Auch das Konzept, auf die Verfolgung der Infektionskette bei Spielern zu verzichten, um den Spielbetrieb bei der Erkrankung eines Spielers fortführen zu können, würde nach Ansicht der Klubs eine "weitere und unverantwortliche Sonderrolle des Fußballs in der Gesellschaft bedeuten". Dies sei der Bevölkerung jedoch nicht vermittelbar, zumal bei den Bedingungen in der 3. Liga ein Infektionsrisiko nicht auszuschließen sei.

Schon in der Aufnahme des Trainingsbetriebes sehen die Vereine ein Problem. "Bis mindestens zum 3. Mai hatten und haben wir wegen der behördlichen Anordnungen zur Schließung der Sportstätten überhaupt keine Möglichkeit, ein normales Mannschaftstraining durchzuführen. In einigen Bundesländern und Kommunen gelten diese Einschränkungen noch deutlich länger." Daher befürchten die Vereine, "dass diese unterschiedlichen Regelungen einen fairen sportlichen Wettbewerb behindern und zu einer Wettbewerbsverzerrung führen".

Auch wenn der Trainings- und Spielbetrieb zugelassen würde, müssen "umfassende" Infektionsschutzmaßnahmen eingehalten werden. "Das mag bei Vereinen in der 1. oder 2. Bundesliga, die zahlreiche Trainingsplätze und Kabinen zur Verfügung haben, möglich sein. In der 3. Liga, wo die Bedingungen erheblich eingeschränkter sind, ist das aus unserer Sicht nicht zu leisten. Diese erheblichen Risiken für die Gesundheit und die daraus resultierende Verantwortlichkeit können wir als Vereine nicht in Kauf nehmen." Klar sei auch, dass – sollte der Spielbetrieb im Mai wieder aufgenommen werden können – "unsere Mannschaften in leeren Stadien spielen werden. Und gleichzeitig werden sie erheblichen Einschränkungen beispielsweise bei Fahrten zu Auswärtsspielen unterworfen sein". Wie dabei der Infektionsschutz gesichert werden soll, sei bislang unklar. 

Warnung vor Insolvenzen

Zudem warnen Mannheim, Münster und Co. vor den finanziellen Auswirkungen: "Derzeit befinden wir uns in der Situation, dass wir zwar faktisch keine Einnahmen haben, aber gleichzeitig unsere Kosten – insbesondere durch Einführung von Kurzarbeit – deutlich senken konnten." Schon diese Situation sei "sehr prekär". Bei einigen Clubs wird nur durch Aufnahme von Darlehen – sofern sie denn überhaupt gewährt werden – eine Zahlungsunfähigkeit vermieden werden können. 

Weiter heißt es: "Sollten wir jedoch gezwungen sein, die noch ausstehenden Spiele als Geisterspiele austragen zu müssen, hätten wir bei vollen Kosten keinerlei Einnahmen aus dem Spielbetrieb. Zumal die Mittel aus den TV-Übertragungsrechten in der 3. Liga nur einen Bruchteil der 1. und 2. Bundesliga ausmachen und ohnehin nur noch eine geringe Rate der aktuellen Saison aussteht." Konkret etwa 300.000 Euro. Ein Ausgleich bzw. eine Unterstützung der 3. Liga durch DFB oder DFL sei nicht in Sicht. 

Die Klubs gehen nicht davon aus, "dass bei einer Einstellung des Spielbetriebes höhere Regressforderungen von Sponsoren auf uns zu kommen als bei einer Fortsetzung mit Geisterspielen. Dies würden die "zahlreichen positiven Rückmeldungen und Verzichtsangebote von unseren Sponsoren und Fans in den letzten Tagen und Wochen" zeigen. "Einige Sponsoren äußern zudem die Befürchtung, dass eine Sonderrolle des Fußballs in der Gesellschaft zukünftig und sodann für die Folgesaison nicht zu deren Firmenpolitik und Image passt."

Die Warnung der Acht: "Die Beendigung der Saison mit Geisterspielen würde viele Vereine in finanzielle Schieflage und einige direkt in die Insolvenz führen." Die Anpassung der Insolvenzregelungen durch den DFB ermögliche dies zwar ohne Konsequenzen, doch zahlreiche Insolvenzen von Vereinen in einer kurzen Zeit "werden aber zu einem langfristigen wirtschaftlichen Imageschaden der 3. Liga und des deutschen Fußballs führen", befürchten die Klubs.

"3. Liga muss Realität anerkennen" 

Die Darstellung der "Alternativlosigkeit" zur Beendigung der Saison durch Geisterspiele können die Klubs nicht nachvollziehen: "Insgesamt 18 Vereine der 3. Liga haben sich bereits vor Wochen für die Untersuchung und Bewertung aller Varianten von der auflagenbedingten, unabdingbaren Einstellung des Spielbetriebs bis hin zu Geisterspielen ausgesprochen und dies eingefordert." Auch ein Aufschieben der Entscheidung und Verlängerung der laufenden Saison in den Herbst oder gar in den Winter halten die Vereine für "nicht umsetzbar". Die hierfür angepassten Spielordnungen des DFB lösen die komplexen arbeitsrechtlichen Problemstellungen zur Befristung der Verträge bis zum 30.06. nicht auf, heißt es weiter. "Außerdem würde dies den finanziellen Ruin der Vereine noch maßgeblich beschleunigen, da eine Planbarkeit und Durchfinanzierung der neuen Saison dann gar nicht mehr gegeben wäre."

Es gelte nun "die Realität der 3. Liga anzuerkennen. Es mag wirtschaftlich notwendig und bei den Voraussetzungen der Vereine in der 1. und 2. Liga möglich sein, die Saison im Verantwortungsbereich der DFL mit Geisterspielen zu Ende zu spielen. Für die 3. Liga sehen wir dies aufgrund der bestehenden und zu erwartenden Auflagen als organisatorisch unmöglich, gesundheitlich sowie wirtschaftlich nicht darstellbar und gesellschaftlich nicht vermittelbar an."

Saisonstart nach hinten verschieben

Grundsätzlich ausschließen wollen die acht Klubs Geisterspiele mit Blick auf die kommende Saison aber nicht: "Auch wir gehen davon aus, dass wir schlimmstenfalls bis zum 31.12.2020 nur ohne oder mit eingeschränkten Zuschauerzahlen spielen können." Der Unterschied zur aktuellen Situation: "In diesem Fall finden diese Partien unter anderen Prämissen statt. Wir können bis dahin alle Voraussetzungen im organisatorischen Bereich in einem hoffentlich gelockerten gesundheitlichen Umfeld planen und vorbereiten." Außerdem würde keine Sonderrolle für die 3. Liga eingefordert werden, zudem sei eine strukturierte Vorbereitung auf die neue Saison möglich. Und anders als in der laufenden Spielzeit, in der die Personalkosten und Budgets unveränderbar sind, hätten alle Vereine zur neuen Saison die Möglichkeit, ihre Etats an die neue Situation anzupassen, heißt es in dem Papier.

Zudem fordern die Vereine: "Der Saisonstart sollte so weit wie möglich nach hinten verschoben werden, um die Phase der eventuell notwendigen Geisterspiele so kurz wie möglich zu halten und gleichzeitig das Infektionsrisiko für die Spieler, Trainer und Betreuer zu senken." Wie der DFB auf die Erklärung reagiert, ist noch offen. Klar ist nur: Der Streit unter den Klubs spitzt sich zu, eine einheitliche Linie ist nicht mehr möglich.

   
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